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US-Luftfahrtbehörde verstärkt Aufsicht bei Boeing

Die US-Luftfahrtbehörde FAA greift nach dem Beinahe-Unglück mit einer Boeing 737-9 Max durch. Sie verschärft die Prüfungen bei dem Flugzeugbauer und erwägt sogar, externe Kontrolleure dazuzuholen.

Boeing-Chef Dave Calhoun hat volle Aufklärung versprochen.
Foto: Georg Wendt/dpa

Der Vorfall, bei dem ein Rumpfteil während des Fluges herausbrach, hat für Boeing zunehmend ernsthafte Folgen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verschärft ihre Überwachung des Flugzeugherstellers und hat eine Untersuchung eingeleitet.

Die FAA plant, eine Überprüfung der Produktion des betroffenen Typs 737-9 Max sowie der Zulieferer durchzuführen, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Des Weiteren beabsichtigt die FAA, potenzielle Sicherheitsrisiken in der Arbeitsaufteilung zu untersuchen. Es wird auch geprüft, ob unabhängige externe Kontrolleure engagiert werden sollten.

Am Wochenende wurde von der FAA angeordnet, dass Flugzeuge vom Typ Boeing 737-9 Max am Boden bleiben und inspiziert werden sollen. Das Bauteil, das bei dieser Modellvariante eine nicht benötigte Türöffnung verschließt, riss bei einem Flug von Alaska Airlines am Freitag letzter Woche kurz nach dem Start im Steigflug plötzlich heraus. Die Maschine wurde erst kürzlich ausgeliefert.

Lockere Befestigungsteile

Bei darauffolgenden Überprüfungen fanden Alaska und United Airlines auch bei weiteren Flugzeugen des Typs an der Stelle lockere Befestigungsteile. Die Branchenwebsite «The Air Current» berichtete, dass allein United bei rund 15 Maschinen auf solche Probleme gestoßen sei.

Der Rumpf der Modelle wird weitgehend vom Boeing-Zulieferer Spirit Aerosystems montiert und geht dann ins Boeing-Werk, wo unter anderem die Flügel angebaut werden. Boeing-Chef Dave Calhoun sagte dazu in einem TV-Interview, der Konzern werde «nicht mit dem Finger zeigen», da man schließlich auch einen Fehler habe durchgehen lassen.

Laut «The Air Current» haben Boeing-Mitarbeiter die Befestigung der identischen Tür-Abdeckung auf der gegenüberliegenden Seite der betroffenen Alaska-Maschine nach der Lieferung von Spirit nachgezogen.

US-Luftfahrtbehörde ermittelt gegen Boeing

Die FAA hatte Boeing bereits am Donnerstag über laufende Untersuchungen informiert. In einem Brief an den Flugzeugbauer wurde darauf hingewiesen, dass die Umstände darauf hindeuten, dass Boeing möglicherweise seine Verpflichtungen bei Produktion, Inspektionen und Tests vernachlässigt hat.

Die FAA hat Boeing zehn Arbeitstage Zeit gegeben, um die Situation in den Ermittlungen zu erklären. Die FAA erwartet Informationen über die Ursachen des Zwischenfalls sowie die ergriffenen Maßnahmen. Die Behörde betonte, dass der Zwischenfall nicht hätte passieren dürfen und sich nicht wiederholen dürfe.

Boeing bekräftigte nach dem FAA-Brief, dass man mit dem Luftfahrtamt und der Unfallermittlungsbehörde NTSB transparent zusammenarbeiten werde. Konzernchef Dave Calhoun hatte mehrfach volle Aufklärung versprochen. «Wir werden das zuallererst so angehen, dass wir unseren Fehler eingestehen», sagte er am Dienstag vor Mitarbeitern.

Ein Loch im Rumpf

Bei dem Vorfall wurden die etwa 170 Passagiere erschreckt, obwohl ein Loch im Rumpf klaffte. Gleichzeitig wiesen Experten darauf hin, dass durch einen glücklichen Zufall die beiden Sitze direkt neben dem herausgebrochenen Rumpfteil leer geblieben waren.

Boeing hatte in den letzten Monaten zwei Mal die Auslieferung von 737 Max Modellen unterbrochen – zuerst aufgrund von Qualitätsmängeln am hinteren Rumpfteil und dann aufgrund fehlerhafter Bohrlöcher im Druckschott, das die Flugzeugkabine nach hinten abschließt. Spirit Aerosystems war jeweils dafür verantwortlich. Das Unternehmen gehörte früher selbst zu Boeing.

Im vergangenen Jahr konnte Boeing seinen europäischen Konkurrenten Airbus erneut nicht einholen. Trotz Schwierigkeiten in der Lieferkette übergab Airbus 735 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden, wie der Konzern bekannt gab. Dies waren über 200 Flugzeuge mehr als bei Boeing und 15 mehr als von Airbus-Chef Guillaume Faury geplant.

Aufgrund der Erholung des Luftverkehrs nach der Corona-Krise konnte der Dax-Konzern zudem Bestellungen für mehr als 2000 Jets erhalten – und damit einen Branchenrekord aufstellen. Auch der Auftragsbestand erreichte mit fast 8600 Flugzeugen einen Rekordwert.

dpa