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US-Notenbank Fed hält Zinssenkungen vorerst zurück

Die Federal Reserve sieht die Inflation immer noch als zu hoch an und plant vorerst keine Zinssenkungen. Dennoch wird erwartet, dass das Zinsniveau in diesem Jahr sinken wird.

Seit März 2022 hat die Fed ihren Leitzins im rekordverdächtigen Tempo um mehr als fünf Prozentpunkte angehoben.
Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Die US-Notenbank Fed ist noch nicht bereit für Zinssenkungen. Die Federal Reserve beließ am Mittwoch den Leitzins unverändert auf dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten in einer Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent. «Die Inflation ist immer noch zu hoch, und die weiteren Fortschritte bei ihrer Senkung sind nicht gesichert», sagte Fed-Chef Jerome Powell. Auch bei der nächsten Sitzung im März könne wahrscheinlich nicht mit Zinssenkungen gerechnet werden. Dennoch machte der Fed-Chef deutlich, dass das aktuelle Zinsniveau «wahrscheinlich seinen Höchststand erreicht» habe und mit Zinssenkungen in diesem Jahr zu rechnen sei.

Seit März 2022 hat die Fed ihren Leitzins in einem außergewöhnlich schnellen Tempo um mehr als fünf Prozentpunkte erhöht, um gegen die Inflation anzukämpfen – jedoch zuletzt keine weiteren Zinserhöhungen vorgenommen. Die rasche Teuerung wurde unter anderem durch den Anstieg der Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verursacht. Zentralbanken justieren den Zinssatz im Kampf gegen die steigenden Verbraucherpreise. Wenn die Zinsen steigen, müssen Privatpersonen und Unternehmen mehr für Kredite bezahlen – oder sich weniger Geld leihen. Das Wachstum verlangsamt sich, Unternehmen können nicht unbegrenzt höhere Preise verlangen – und idealerweise sinkt die Inflationsrate.

US-Wirtschaft war stärker gewachsen als erwartet

Es ist von großer Bedeutung für die Fed, das richtige Gleichgewicht zu finden. Denn wenn die Zinsen zu hoch sind, besteht die Gefahr einer Rezession. Die schnellen Zinserhöhungen der Fed haben das Wachstum in der größten Volkswirtschaft wie erwartet gedämpft. Jedoch haben die jüngsten Wirtschaftsdaten Volkswirte – und wahrscheinlich auch die Notenbanker – positiv überrascht. Im letzten Herbst ist die US-Wirtschaft stärker gewachsen als erwartet. Die guten Konjunkturdaten mindern den Druck auf die Fed, die Zinsen schnell und deutlich zu senken, obwohl die Inflation mittlerweile gesunken ist. Am Mittwoch hat Powell versucht, alle Optionen offen zu halten.

«Die US-Verbraucher sind angesichts eines robusten Arbeitsmarktes wieder optimistischer gestimmt», erklärte Friedrich Heinemann, Volkswirt am Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. Die US-Wirtschaft habe den aggressiven Zinserhöhungskurs ohne sogenannte harte Landung überstanden. Das sei der Grund dafür, dass die Fed mit ersten Zinssenkungen nun überhaupt keine Eile habe, so Heinemann. «Die Wirtschaft kommt auch mit dem gegenwärtigen Zinsniveau klar und die Inflation ist im Dezember sogar wieder gestiegen. Das ist keine Konstellation für rasche und starke Zinssenkungen.»

Im Dezember hat sich der Preisauftrieb in den USA überraschend stark beschleunigt. Die Verbraucherpreise sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent gestiegen. Im November lag die Rate noch bei 3,1 Prozent. Die US-Notenbank strebt langfristig eine Preisstabilität von 2 Prozent an. Die Aufgabe der Notenbanken besteht darin, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Die Inflationsrate in den USA war im Sommer 2022 mit über 9 Prozent so hoch wie seit etwa vier Jahrzehnten nicht mehr.

«Wir werden von den Daten abhängig sein»

Fed-Chef Powell mahnt immer wieder zur Vorsicht und sagte nun erneut, dass man den Sieg im Kampf gegen die Inflation bisher nicht verkünden könne. «Wenn die Inflation überraschend wieder ansteigen würde, müssten wir darauf reagieren.» Er schloss nicht aus, die Zinsen länger auf hohem Niveau zu belassen. Man wolle nichts überstürzen. «Wir werden von den Daten abhängig sein», sagte Powell. Zu einer möglichen Zinssenkung Ende März sagte er: «Ich denke nicht, dass das der wahrscheinlichste Fall ist.» Die Entscheider der Fed rechneten im Dezember für dieses Jahr im Mittel mit einem Leitzins von 4,6 Prozent. Das deutet auf etwa drei Zinssenkungen im Jahr 2024 hin.

Laut Powell wird die Inflation in den USA vor allem von einer hohen Nachfrage und einem robusten Arbeitsmarkt angetrieben. Der starke Arbeitsmarkt stellt für die Fed eine Herausforderung dar, da er die Löhne steigen lässt. Powell betont, dass es problematisch ist, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften nach wie vor das Angebot übersteigt.

Am Mittwoch waren die Marktteilnehmer an den US-Börsen verärgert über die Aussicht auf vorerst weiterhin hohe Leitzinsen. Der Dow Jones Industrial, der bekannteste Wall-Street-Index, erreichte zum Handelsstart fast 38.600 Punkte, schloss jedoch schwach. Der S&P 500 und die technologiestarke Nasdaq-Börse verzeichneten weitere Verluste und beendeten den Handel auf dem Tagestief. Gleichzeitig stieg der US-Dollar im Vergleich zum Euro an.

dpa