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Fed deutet nur eine Zinssenkung an

Fed-Chef Powell betont Abhängigkeit von Daten, Inflationsprognosen leicht erhöht, mögliche Zinsschritte diskutiert.

Die US-Notenbank Fed deutet für das laufende Jahr nur eine Zinssenkung an - eine Abkehr von den bisher drei prognostizierten Zinsschritten. Alle seien sich einig, dass das weitere Vorgehen von den Daten abhängen werde, sagte Fed-Chef Jerome Powell.
Foto: Susan Walsh/AP

Die US-Notenbank Fed signalisiert für das laufende Jahr lediglich eine Zinssenkung anstelle der bisher geplanten drei Zinsschritte. Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass alle einig seien, dass das weitere Vorgehen von den Daten abhängen werde.

Vorher hatte die Notenbank der größten Volkswirtschaft der Welt den Leitzins im Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise zum siebten Mal in Folge in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent belassen. Die Fed veröffentlichte zugleich neue Wirtschaftsschätzungen – und erhöhte ihre Inflationsprognosen leicht. Die Konjunkturprognose für die USA beließ die Notenbank hingegen auf dem Niveau von März.

Derzeit gehen sieben Währungshüter von einem Zinsschritt aus, acht von zwei und vier erwarten keine Zinssenkung im Jahr 2024. Die Entscheidungsträger der Fed prognostizieren für dieses Jahr im Durchschnitt einen Leitzins von 5,1 Prozent (März: 4,6 Prozent), was auf einen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten hindeutet. Fed-Chef Powell betonte jedoch, dass es sich um eine Prognose und nicht um einen festen Plan handelt. Er sagte, dass es möglicherweise länger dauern wird, bis die Fed das erforderliche Vertrauen hat, um mit einer Lockerung der Geldpolitik zu beginnen. Im Gegensatz zur Fed hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits letzte Woche die Zinswende eingeleitet und den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt.

«Alles in allem gibt es nichts, was eine Zinssenkung im September ausschließen würde. Es hängt alles von den künftigen Daten ab», resümierte Paul Ashworth, Analyst bei Capital Economics, nach der Fed-Sitzung. Er schließt auch zwei Zinssenkungen in diesem Jahr in diesem Jahr nicht aus. Elmar Völker, Analyst bei der LBBW, urteilte, dass der «enorm wechselhafte Eindruck», welchen die US-Makrodaten insgesamt in den zurückliegenden Wochen hinterlassen hätten, die Sicht sowohl für Prognostiker als auch für die US-Notenbanker vernebele. Sofern das Pendel in den kommenden drei Monaten zu einer verlässlichen Wiederaufnahme des Disinflationstrends ausschlage, liege die Option einer Zinswende im September auf dem Tisch.

Viel dürfte dabei von den weiteren Inflationsdaten abhängen. Aus dem US-Arbeitsministerium kamen Stunden vor der Fed-Sitzung zunächst positive Signale. Demnach hat sich in den USA der Preisauftrieb unerwartet etwas abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai zum Vorjahresmonat um 3,3 Prozent. Im April hatte die Rate 3,4 Prozent betragen. Die Fed lieferte kurze Zeit später allerdings etwas pessimistischere Zahlen und hob ihre Prognose der Inflationsrate leicht an. Die Notenbank rechnet in diesem Jahr in den USA mit einer etwas höheren Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent (März: 2,4 Prozent). Für das Jahr 2025 geht die Fed von einer Inflationsrate von 2,3 Prozent aus (März: 2,2 Prozent). Powell nannte die Zahlen «konservative» Schätzungen.

Notenbanken erhöhen die Zinsen, um die Nachfrage zu drosseln. Wenn die Zinsen steigen, müssen Privatpersonen und Unternehmen mehr für Kredite zahlen – oder sie nehmen weniger Geld auf. Das Wachstum verlangsamt sich, Unternehmen können nicht endlos höhere Preise verlangen – und im besten Fall sinkt die Inflationsrate. Für die Fed ist der Kampf gegen die steigenden Verbraucherpreise ein Balanceakt. Zu hohe Zinsen könnten zu einer Rezession führen. Trotz hoher Zinsen ist die US-Wirtschaft überraschend robust.

dpa