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US-Notenbank könnte Zinsen senken

Fed-Chef Powell spricht von möglicher Senkung im September, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Fed-Chef Jerome Powell stellt eine Zinssenkung für September in Aussicht - solange die Wirtschaftsdaten das hergeben.
Foto: Jose Luis Magana/AP/dpa

Die Federal Reserve der USA könnte im September erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie die Zinsen senken. Fed-Chef Jerome Powell betonte jedoch, dass dies von den Wirtschaftsdaten abhängig sei. Gleichzeitig erwähnte er die Möglichkeit ausdrücklich.

In ihrer Sitzung am Mittwoch hielt die Federal Reserve den Leitzins unverändert auf dem höchsten Niveau seit mehr als 20 Jahren mit einer Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent.

Mehrere Zinssenkungen 2024 – oder gar keine

Powell betonte, dass bereits jetzt über Argumente für eine Senkung diskutiert wurde. Er hielt sich jedoch bezüglich der Zukunft bedeckt: „Ich könnte mir für den Rest des Jahres mehrere Zinssenkungen vorstellen – oder auch gar keine.“ Die Fed werde die Daten analysieren und von Sitzung zu Sitzung entscheiden.

Die Notenbanker müssen einen Balanceakt hinbekommen. Senke man die Zinsen zu früh oder zu stark, könne die Inflation wieder aufflammen, betonte Powell. Lockere die Fed hingegen die Geldpolitik zu spät oder zu zaghaft, könne dies Konjunktur und Arbeitsmarkt schwächen. Dieses Risiko sei «jetzt real», sagte der Notenbank-Chef. In den vergangenen Jahren stand hingegen die rasante Inflation im Fokus.

Hohe Zinsen bremsen Haus- und Autokäufe

Geschäftsbanken können sich Zentralbankgeld zu dem Zinssatz der Fed leihen. Eine Zinssenkung führt somit zu günstigeren Krediten für Verbraucher und Unternehmen.

Die kürzlich gestiegenen Zinssätze haben die Käufe von Häusern und Autos gebremst. Selbst bei Investitionen in Start-ups waren Geldgeber zuletzt wählerischer als in Zeiten des billigen Geldes.

Powell hat in den letzten Monaten immer wieder betont, wie riskant eine hohe Inflation ist, da sie die Kaufkraft schwächt und besonders arme Menschen stark betrifft.

Die Federal Reserve senkte den Leitzins zuletzt im März 2020, um die Wirtschaft in der beginnenden Corona-Pandemie anzukurbeln. Danach blieben die Zinsen vorerst auf dem Nullpunkt, bis die Fed im März 2022 mit Erhöhungen in rekordverdächtigem Tempo begann und den Zinssatz vor einem Jahr auf das aktuelle Niveau anhob.

Wirtschaftsdaten werden günstiger für Zinssenkung

In den Vereinigten Staaten hat sich die Inflation zuletzt abgeschwächt. Dies gibt der Federal Reserve im Grunde genommen mehr Spielraum für Zinssenkungen. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft in einigen Bereichen abkühlt – und niedrigere Zinsen zur Stimulierung gut gebrauchen könnte. Unter anderem gab es in den letzten Monaten einige Warnsignale bei den Verbraucherausgaben – dem Motor der US-Wirtschaft.

Viele Analysten hatten bereits seit einiger Zeit eine Zinssenkung bei der nächsten Fed-Entscheidung im September für wahrscheinlich gehalten. Nach der Zinsentscheidung wies Powell die Journalistenfrage ab, ob eine Absenkung um 0,5 Prozentpunkte möglich wäre. Über solche Details mache man sich bei der Fed derzeit keine Gedanken.

Trump: Keine Zinssenkungen kurz vor der Wahl

Wenige Monate vor der Präsidentenwahl versuchte Ex-Präsident Donald Trump bereits, Zinsentscheidungen zu politisieren. Er behauptete, die Fed dürfe die Zinsen nicht vor der Wahl im November senken, da dies die Stimmung zugunsten der aktuellen Regierung des demokratischen Präsidenten Joe Biden verbessern würde. Trump plant, für die Republikaner ins Weiße Haus zurückzukehren.

Powell betonte, dass die Fed unabhängig sei und niemals ihre Macht nutzen würde, um eine Partei oder einen Politiker zu unterstützen oder zu untergraben.

Trump hatte Powell während seiner Amtszeit als US-Präsident für die erste Amtszeit als Fed-Chef vorgeschlagen, jedoch später wegen Zinserhöhungen kritisiert. In einem Interview im Februar erklärte er, dass er Powell nicht erneut nominieren würde.

dpa