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US-Notenbank vor erster Leitzins-Erhöhung seit Corona-Krise

Die hohe Inflationsrate zwingt die US-Notenbank zu handeln. Doch je entschlossener die Zentralbank agiert, desto größer die Gefahr eines wirtschaftlichen Einbruchs.

Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in Washington DC.
Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) entscheidet an diesem Mittwoch über die erste Erhöhung des Leitzinses seit Beginn der Coronavirus-Pandemie.

Der Leitzins liegt derzeit noch in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent. Experten rechnen wegen der anhaltend hohen Inflationsrate nun mit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Zudem wird ein Ausblick auf weitere Zinsschritte erwartet, mit denen die Notenbank die Teuerungsrate bremsen will.

Die Entscheidung der Fed wird nach der Sitzung des Zentralbankrats (19.00 Uhr MEZ) bekanntgegeben werden. Im Anschluss wird Notenbankchef Jerome Powell die Beweggründe der Fed erläutern und einen Ausblick auf den weiteren Kurs der Geldpolitik geben. Zudem wird die Notenbank neue Konjunktur-, Zins- und Inflationsprognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft vorlegen.

Powell erwägt 0,25 Prozentpunkte

Powell hatte Anfang des Monats im US-Kongress erklärt, er erwäge, seinen Kollegen eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte vorzuschlagen. Das Ziel der Fed sei es, einen «langen Aufschwung» zu ermöglichen, der weiter für einen starken Arbeitsmarkt sorgen werde, sagte Powell. «Und das ist nur möglich in einem Umfeld von Preisstabilität», betonte er mit Blick auf die Teuerungsrate. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro oder Dollar weniger kaufen können als zuvor.

Erhöhungen des Leitzinses bremsen die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Analysten rechnen in diesem Jahr noch mit weiteren Zinsschritten und einem zügigen Abbau der durch Corona-Notprogramme angeschwollenen Fed-Bilanz. Der Notenbank muss ein Balanceakt gelingen: Sie muss die Zinsen so stark anheben, dass der Anstieg der Verbraucherpreise gebremst wird, ohne dabei gleichzeitig die Wirtschaft abzuwürgen.

Eine weitere Herausforderung für die Zentralbank ist es, dass sie die Ursachen der Preissteigerungen nur begrenzt beeinflussen kann. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten und steigende Energiepreise reagieren nicht direkt auf den US-Leitzins. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wiederum dürfte Experten zufolge zu neuen Problemen der Lieferketten führen, genauso wie Corona-Lockdowns in China – wie etwa jüngst im Wirtschaftszentrum Shenzhen.

Brummende Wirtschaft

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die Wirtschaft wieder und der Arbeitsmarkt entwickelt sich sehr positiv. Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf niedrige 3,8 Prozent gefallen. Die Verbraucherpreise hingegen waren im Februar im Vergleich zum Vorjahr um knapp 8 Prozent gestiegen, dem höchsten Wert seit 40 Jahren. Die Entwicklung dauert seit Monaten an. Die Gefahr ist: Je länger die hohe Inflation anhält, desto schwieriger wird es, sie zu bekämpfen, weil Marktteilnehmer ihre Erwartungen anpassen. Sobald steigende Löhne, Preise und Mieten normal sind, droht die Inflation außer Kontrolle zu geraten.

Die Fed wird an diesem Mittwoch auch neue Wirtschaftsprognosen vorlegen. In der letzten Prognose vom Dezember erwartete die Fed für 2022 noch eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,6 Prozent. Nun ist mit einer Korrektur nach oben zu rechnen. Die Fed rechnete zudem mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,0 Prozent in diesem Jahr. Die Arbeitslosenquote soll demnach bis Jahresende auf 3,5 Prozent fallen – das entspräche dem niedrigen Niveau vor der Pandemie.

Straffe Geldpolitik statt Hilfsprogramme

Angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung und der hohen Inflation hatte die Fed schon Ende vergangenen Jahres eine wichtige Kehrtwende eingeleitet: Weg von den massiven Hilfsprogrammen im Kampf gegen die Corona-Krise und hin zu einer strafferen Geldpolitik. Monatliche Wertpapierkäufe von bis zu 120 Milliarden Dollar, um den Finanzmärkten Liquidität zu verschaffen und die Konjunktur zu stützen, liefen nach einer Drosselung bereits in diesem Monat aus. Dies galt als Vorausbedingung für die erste Leitzinserhöhung.

Auch Europas Währungshüter steuern inzwischen auf ein Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) fährt ihre milliardenschweren Anleihenkäufe früher zurück als geplant und stellt deren Ende im Sommer in Aussicht. Wann die Zinsen im Euroraum nach jahrelangem Rekordtief wieder steigen werden, ist noch unklar.

dpa