Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Boeing unter Druck: Qualitätskontrollen in der Kritik

Boeing-Mitarbeiter als Whistleblower: Fehler bei Dreamliner-Produktion verringern Lebenszeit der Flugzeuge. US-Senat und FAA fordern Verbesserungen.

Beim Modell 787 «Dreamliner» soll Boeing gegen eigene Qualitätsvorgaben verstoßen - so behauptet es ein Whistleblower. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.
Foto: Mic Smith/AP/dpa

Die Qualitätskontrollen bei Boeing werden heute im Mittelpunkt einer Anhörung im US-Senat stehen. Im Unterausschuss für Ermittlungen wird unter anderem ein Boeing-Mitarbeiter aussagen, der nun als Whistleblower auftritt.

Er behauptet, dass Boeing bei der Herstellung des Modells 787 «Dreamliner» Fehler beim Zusammenfügen von Rumpfteilen toleriert habe, was die Lebenszeit der Flugzeuge verringern könne. Der Konzern wies die Vorwürfe mit Nachdruck zurück. Boeing steht nach einem Beinahe-Unglück im Januar, bei dem eine Maschine des Typs 737-9 Max im Flug ein Rumpfteil verlor, unter Druck, die Qualitätskontrollen zu verbessern.

Die US-Luftverkehrsaufsicht FAA fordert einen detaillierten Plan dafür und lehnt es ab, Boeing die Erweiterung der Produktion der 737-Baureihe zu genehmigen. Die Senatoren planen nun auch, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Hauptzeuge bei der Anhörung in Washington ist Sam Salehpour, der früher als Boeing-Ingenieur an der 787 und dem viel genutzten Langstreckenmodell 777 gearbeitet hat.

Boeing dementiert die Vorwürfe

Laut seinen Angaben hat Boeing bei der 787 zu große Spaltmaße zwischen den einzelnen Rumpf-Abschnitten zugelassen, was zu schnellerem Verschleiß führen könnte. Boeing widerspricht dieser Darstellung entschieden. Chef-Ingenieur Steve Chisholm betont, dass 671 Maschinen des Typs ihre Inspektionen nach sechs Betriebsjahren abgeschlossen haben und bei keinem Flugzeug Probleme festgestellt wurden.

Auch eine 787, bei der von 2010 bis 2015 die Belastung von 165.000 Flügen simuliert wurde, zeigte keine Anzeichen von Materialermüdung am Rumpf. Die FAA hat die Ergebnisse der Untersuchungen genehmigt. Boeing-Managerin Lisa Fahl betonte gleichzeitig, dass der Flugzeugbauer bei der Entwicklung der 787 äußerst vorsichtig war.

Die Vorgabe für den Abstand zwischen den Rumpfteilen wurde auf 0,005 Zoll (0,127 Millimeter) festgelegt, was ungefähr der Dicke eines menschlichen Haares entspricht, da es sich um das erste Flugzeug mit einem Rumpf aus Verbundmaterialien handelte. Es wurde jedoch festgestellt, dass auch größere Abstände akzeptabel sind, nachdem mehr Daten vorlagen. Boeing betont unter Berufung auf Inspektionsdaten, dass auch bei der 777 neue Produktionsmethoden keine Probleme verursacht haben.

Glücker Zufall bei Boeing-Zwischenfall

Während des Vorfalls Anfang Januar, der zu vielen unerwünschten Schlagzeilen für Boeing führte, löste sich kurz nach dem Start im Steigflug ein Rumpf-Fragment von einer 737-9 Max der Alaska Airlines. Die über 170 Menschen an Bord hatten Glück, da die beiden Sitze in der Nähe des Lochs im Rumpf zufällig leer waren. Zusätzlich befand sich das Flugzeug noch in vergleichsweise niedriger Höhe.

Die Unfallermittlungsbehörde NTSB hat bisherigen Untersuchungen zufolge festgestellt, dass vier Befestigungsbolzen an dem herausgebrochenen Rumpfteil fehlten. Alle anderen Maschinen des gleichen Typs wurden vorübergehend stillgelegt, konnten jedoch nach Inspektionen wieder in Betrieb genommen werden.

Die Probleme bei Boeing betreffen auch die US-Fluggesellschaften. Der Ausfall mehrerer Dutzend Maschinen des 737-9 Max im Flugplan im Januar kostete United Airlines rund 200 Millionen Dollar (188 Mio Euro). Aufgrund dessen verzeichnete die Fluggesellschaft im letzten Quartal einen Verlust von 124 Millionen Dollar. Zudem führt die verzögerte Produktionssteigerung bei Boeing dazu, dass die Airline weniger neue Flugzeuge als geplant erhalten wird. United plant nun, sich 2026 und 2027 bei Leasinggesellschaften 35 Maschinen des Boeing-Rivalen Airbus zu sichern. Die A321neo-Flugzeuge konkurrieren mit der 737.

dpa