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USA verbietet russische Antiviren-Software Kaspersky

Kaspersky hatte einst international einen guten Ruf beim Virenschutz. Doch die Sorge, das Programm könnte ein Einfallstor für russische Geheimdienste sein, führt nun zum Aus in den USA.

Das russische IT-Unternehmen Kaspersky, einst ein international respektierter Spezialist für PC-Sicherheit, hat schon seit Jahren einen schweren Stand im Westen.
Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Die US-Regierung hat die russische Virenschutzsoftware Kaspersky verboten. Eine gründliche Untersuchung hat ergeben, dass dies der einzige Weg ist, um Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit auszuräumen, teilte eine Unterbehörde des US-Handelsministeriums mit. Kaspersky bestreitet die Vorwürfe und plant, dagegen vorzugehen.

Der Verkauf von Kaspersky-Software an Unternehmen und Verbraucher in den USA wird ab dem 20. Juli verboten. Ab dem 29. September darf Kaspersky auch keine Updates mehr durchführen – dadurch würde die Software gegen neu auftretende Bedrohungen weitgehend nutzlos sein. Ab diesem Zeitpunkt ist auch der Weiterverkauf untersagt. Die Übergangsfrist soll es den Kunden ermöglichen, zu anderen Anbietern zu wechseln, erklärte das Büro für Industrie und Sicherheit.

Der Grund für das Verbot liegt in den Cyberangriffs-Fähigkeiten der russischen Regierung und ihrer Fähigkeit, die Aktivitäten von Kaspersky zu beeinflussen. Die Software des Unternehmens kann Informationen von US-Unternehmen und Bürgern sammeln, die von der russischen Regierung missbraucht werden könnten, warnte die Behörde. Es drohen jedoch keine Strafen für Verbraucher und Unternehmen, die weiterhin Kaspersky-Software nutzen.

Unternehmen äußert sich zur Entscheidung

Kaspersky kündigte in einer ersten Reaktion ein rechtliches Vorgehen zum Schutz des Geschäfts an. Man gehe davon aus, dass die Entscheidung «auf Basis des aktuellen geopolitischen Klimas und theoretischer Besorgnis» getroffen worden sei – und nicht aufgrund einer Analyse der Software und Dienste der Firma. «Kaspersky betreibt keine Aktivitäten, die die nationale Sicherheit der USA bedrohen», hieß es in einer Stellungnahme auf der Online-Plattform X.

Kaspersky, einst ein auch international angesehener Experte für PC-Sicherheit, hat seit langem Schwierigkeiten im Westen. In Deutschland warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der Verwendung der Software. In den USA ist die Installation auf Regierungsgeräten bereits seit 2017 verboten.

Eine Episode, bei der mutmaßliche Spionage-Software des US-Geheimdiensts NSA in die Hände von Kaspersky geraten war, gilt als Auslöser. Die Firma erklärte damals, der Quellcode sei als eine bisher unbekannte Variante von Schadsoftware auf einem PC entdeckt und zur Analyse auf einen Kaspersky-Server geladen worden.

EU warnt seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine

US-Medienberichten zufolge hat ein Mitarbeiter des US-Abhördienstes die geheime Software unerlaubt auf seinen privaten Computer heruntergeladen, auf dem Kasperskys Antiviren-Software installiert war. Das Unternehmen bestätigte, dass die Dateien gelöscht wurden, nachdem ein Analyst den Firmenchef Eugene Kaspersky über den Fund informiert hatte. Sie wurden mit niemandem geteilt. In den USA wird jedoch vermutet, dass die NSA-Werkzeuge beim russischen Geheimdienst gelandet sind.

Das «Wall Street Journal» schrieb damals unter Berufung auf amerikanische Behördenkreise, Kaspersky-Software habe gezielt nach Begriffen wie «Top Secret» sowie nach Namen geheimer US-Programme gesucht.

Im März 2022 warnte das BSI vor der Verwendung von Kaspersky-Software im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Behörde argumentierte, dass ein russischer IT-Hersteller in einer solchen Situation entweder selbst offensive Operationen durchführen oder möglicherweise auch ohne sein Wissen als Werkzeug für Cyberangriffe missbraucht werden könne. Kaspersky konterte damals auch, dass die Warnung politisch motiviert sei.

dpa