Europäische Unternehmen brauchen Sicherheit für politische Klima- und Energieambitionen, um Vertrauen zu schaffen und Investitionen freizusetzen.
Europäische Energiekonzerne bereit für Milliarden-Investitionen in Windparks

Europäische Energiekonzerne sind laut Vattenfall-Chefin Anna Borg bereit für weitere Milliarden-Investitionen in Windparks in Nord- und Ostsee. «Europäische Unternehmen brauchen dafür Sicherheit, dass an politischen Klima- und Energieambitionen festgehalten wird», sagte Borg in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. «Das wäre ein Signal, das Vertrauen schafft und Investitionen freisetzt.»
«Ich denke, nicht allein die Energiebranche wartet auf ein Signal, sondern sogar die Wirtschaft insgesamt», sagte Borg anlässlich des Nordsee-Gipfels, einem Treffen von Staats- und Regierungschefs, Energieministern und Wirtschaftsvertretern. Denn Borg zufolge plant die Industrie allein mit Strom, der zur Verfügung steht. «Letztendlich geht es um die Wettbewerbsfähigkeit Europas.»
Borg sagt, es brauche eine andere Risikoverteilung
Borg befürwortet die Einführung eines Regelwerks auf nationaler und europäischer Ebene, um den finanziellen Schutz des Ausbaus der Offshore-Windkraft zu gewährleisten. Insbesondere seien staatliche Bürgschaften für Direktlieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs), geeignet.
PPAs sind langfristige Verträge zwischen einem Energieproduzenten und einem Abnehmer. Die Preise sind in den Verträgen festgelegt. Laut Vattenfall haben PPAs normalerweise eine Laufzeit von zehn bis fünfzehn Jahren.
«Die Langfristigkeit der Verträge führt dazu, dass es für beide Seiten ein hohes Kreditrisiko gibt», sagte Borg, die den staatseigenen schwedischen Energiekonzern seit November 2020 leitet. «Das ist auch ein Grund, warum wir derzeit nicht viele neue Windprojekte sehen.» In der gesamten Windkraftbranche sei Zurückhaltung zu beobachten.
Laut Vattenfall bietet Frankreich Garantien für PPAs an. Die Europäische Investitionsbank prüft dies ebenfalls.
Interesse an Ausschreibungen hat abgenommen
Bei der letzten Ausschreibung von Windkraftflächen in der deutschen Nordsee haben Unternehmen im August des letzten Jahres kein einziges Gebot abgegeben, wie bekannt wurde.
Gemäß einem aktuellen Bericht der Boston Consulting Group wurden im vergangenen Jahr in der Nordsee 64 Prozent der von Anrainerstaaten ausgeschriebenen Flächen vergeben. Im Jahr 2024 lag der Anteil laut dem Bericht bei 73 Prozent.








