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Corona-Krise belastet Fahrradbranche weiterhin

Hohe Rabatte drücken Durchschnittspreise – E-Bikes günstiger, herkömmliche Räder teurer. Gesamtabsatz und Umsatz rückläufig.

E-Bikes halten im Schnitt länger als gedacht.
Foto: Arne Dedert/dpa

Die Fahrradbranche hat immer noch mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen. Laut dem Zweiradindustrieverband in Berlin wurden im letzten Jahr in Deutschland erneut weniger Fahrräder verkauft und produziert als im Vorjahr. Der Gesamtumsatz sank um 10,3 Prozent auf 6,33 Milliarden Euro.

Hohe Rabatte

Unter anderem haben hohe Rabatte dazu beigetragen, dass die Bruttopreise schnell gesenkt wurden, um die vollen Lager zu leeren. Vor allem E-Bikes sind im Durchschnitt günstiger geworden: Über alle Vertriebskanäle hinweg sank der Durchschnittspreis um 300 Euro auf 2.650 Euro, so der Verband. Für ein Fahrrad ohne Motor zahlten die Kunden im Schnitt 500 Euro, was einer Steigerung um 30 Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Zum zweiten Mal in Folge wurden in Deutschland mit 2,05 Millionen mehr E-Bikes verkauft als herkömmliche Räder, die auf 1,8 Millionen Stück kamen. Der Gesamtabsatz ging im Vergleich zu 2023 um 2,5 Prozent zurück. Gegenüber dem von der Pandemie geprägten Rekordjahr 2020 hat die Branche aber ein gutes Fünftel oder rund 1,1 Millionen Räder weniger verkauft.

Der Umsatz sank aufgrund niedrigerer Endpreise um 10,3 Prozent, blieb aber aufgrund des hohen E-Bike-Anteils mit 6,33 Milliarden Euro deutlich über dem Vor-Corona-Jahr 2019, in dem nur 4,0 Milliarden Euro erzielt wurden.

Mehr Räder als Menschen

Ein Großteil des Handels meldet weiterhin volle Lager, da Räder aus den Vorjahren nicht komplett verkauft werden konnten. Die deutschen Hersteller und Importeure lieferten im Jahr 2024 nur noch 3,16 Millionen Räder an den deutschen Handel aus, im Vergleich zu 4,36 Millionen im Vorjahr. Die inländische Produktion sank um 13,8 Prozent auf 2 Millionen Fahrzeuge, wovon 1,4 Millionen einen Elektroantrieb hatten.

Ein potenzielles Hindernis für den zukünftigen Absatz könnte die längere Lebensdauer der verkauften Fahrräder sein. Laut Industrie halten die Batterien und somit die gesamten E-Bikes deutlich länger als erwartet und werden dementsprechend später entsorgt. Dadurch ist der Bestand an E-Bikes in Deutschland im vergangenen Jahr auf 15,7 Millionen Stück angestiegen. Das sind über drei Millionen Räder mehr als in früheren Prognosen seit 2014 angenommen wurde. Der Verband schätzt die durchschnittliche Lebensdauer nun auf acht bis neun Jahre.

In Deutschland gibt es bereits mehr Fahrräder (88,7 Mio) als Menschen (83,6 Mio). Dennoch ist laut ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork eine Marktsättigung noch weit entfernt.

dpa