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Verbraucher in der Preisfalle? Inflation sinkt nur langsam

Ihren Höhepunkt hat die Inflation in Deutschland schon vor einer Weile überschritten. Doch jüngste Daten zeigen: Die hohe Teuerung ist zäher als gedacht.

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht erste Zahlen zur Entwicklung der Teuerungsrate in Deutschland.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Im vergangenen Jahr hat sich das Leben in Deutschland erneut erheblich verteuert. Obwohl die allgemeine Teuerungsrate von 8,7 Prozent zu Jahresbeginn 2023 deutlich zurückgegangen ist, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher immer noch mehr für Lebensmittel und Energie ausgeben als im Vorjahr. Laut vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im Jahr 2023 durchschnittlich um 5,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Dies war die zweithöchste Inflation in einem Gesamtjahr seit der Wiedervereinigung Deutschlands, nach den 6,9 Prozent im Jahr 2022.

Was hat die Teuerung angetrieben?

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 erhöhten sich vor allem die Preise für Energie und Lebensmittel drastisch. Die Inflation schien nur eine Richtung zu kennen: nach oben. In den letzten fünf Monaten hat sich die Inflationsrate stetig abgeschwächt. Im Dezember stieg die Inflation jedoch wieder auf 3,7 Prozent an. Der Grund dafür ist, dass der Staat im selben Monat des Vorjahres einmalig die Kosten für den Abschlag der Gas- und Fernwärmekunden übernommen hatte. Dieser Effekt, der die Preise dämpfte, wird bei der Berechnung für Dezember 2023 nicht mehr berücksichtigt.

Inwiefern sorgt der Staat für Entlastung?

Die Bundesregierung hat versucht, die Auswirkungen der gestiegenen Kosten für Verbraucher und Unternehmen durch Preisbremsen für Strom und Gas abzumildern. Die Preisbremsen wurden im März 2023 eingeführt und galten rückwirkend auch für Januar und Februar. Ursprünglich war geplant, sie bis Ende März 2024 zu verlängern. Das Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November hat jedoch einen Strich durch die Rechnung der Bundesregierung gemacht: Die Preisbremsen liefen daher zum Jahresende 2023 aus.

«Inzwischen sind überall in Deutschland wieder Strom- und Gastarife verfügbar, die zwar deutlich höher liegen als vor der Krise, aber meist unterhalb der Obergrenzen, die wir für die Preisbremsen gezogen haben, und ebenfalls spürbar unterhalb der Preise im vergangenen Herbst und Winter», argumentierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ende November. «Unsere Gasspeicher haben wir zudem so gut gefüllt, dass wir nicht mit plötzlichen Preissprüngen rechnen.»

Arbeitgeber können ihren Beschäftigten noch bis Ende 2024 eine zusätzliche steuer- und sozialversicherungsfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von bis zu 3000 Euro auszahlen, um ihnen angesichts allgemein gestiegener Preise zu helfen.

Wie geht es weiter mit der Inflation?

Volkswirte prognostizieren, dass die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum insgesamt tendenziell weiter abnehmen wird. Beispielsweise erwartet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung («Wirtschaftsweise») für 2024 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,6 Prozent in Deutschland. Das Ifo-Institut geht von einem Durchschnittswert von 2,2 Prozent für dieses Jahr aus.

Die Bundesbank geht davon aus, dass der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), den die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre Geldpolitik heranzieht, für Deutschland 2024 auf 2,7 Prozent zurückgehen wird. «Die Teuerung von Energie lässt stark nach und ist auch bei Nahrungsmitteln deutlich rückläufig», prognostizierte die Bundesbank Mitte Dezember. Auch die EZB-Geldpolitik wirke zunehmend. Für das Gesamtjahr 2023 hat das Statistische Bundesamt für Deutschland einen HVPI-Wert von 6,0 Prozent errechnet.

Was tut die Europäische Zentralbank?

Im Sommer 2022 haben die Währungshüter ihren Kurs geändert, um die hohe Inflation zu bekämpfen: Null- und Negativzinsen wurden abgeschafft und seitdem hat die EZB zehn Mal in Folge die Leitzinsen im Euroraum erhöht. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage drosseln und der hohen Inflation entgegenwirken kann. Die EZB strebt mittelfristig stabile Preise bei einer Inflation von 2,0 Prozent für den Währungsraum der 20 Staaten an. Inzwischen scheint der Höhepunkt der Zinsen erreicht zu sein: Der EZB-Rat hat die Zinsen bei seinen Sitzungen im Oktober und Dezember unverändert gelassen. Der Leitzins, zu dem Banken frisches Geld von der Notenbank erhalten können, liegt derzeit bei 4,5 Prozent. Wenn Geldinstitute Geld bei der EZB parken, erhalten sie auf diese Einlagen 4,0 Prozent Zinsen.

Was bedeutet hohe Inflation für meine Ersparnisse?

Aufgrund der erhöhten Leitzinsen gibt es auch wieder höhere Zinsen für Tages- und Festgeld. Allerdings übersteigt der Gewinn nicht in jedem Fall die Inflation. Oftmals ist der Realzins, also der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate, immer noch negativ.

Heizen steigende Löhne die Inflation wieder an?

Das ist durchaus möglich. Der Nachholbedarf sei immens, sagt der Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, Thorsten Schulten: Nach drei Jahren mit Reallohnverlusten stehe die Kaufkraft derzeit auf dem Stand des Jahres 2016. Entsprechend sind zweistellige Prozentwerte in den Tarifforderungen der Gewerkschaften keine Seltenheit. Es gebe nach wie vor Inflationsrisiken, warnte jüngst Ifo-Präsident Clemens Fuest: «Das sind vor allem die derzeit kräftig steigenden Löhne, die insbesondere bei Dienstleistungen zu höheren Preisen führen.»

dpa