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Verbraucherkredite im Test – Bafin sieht teils Defizite

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen auf Pump – Möbel, Elektrogeräte oder Kleidung. Wie schwer ist es, dafür einen Kredit zu bekommen? Das wollte die Finanzaufsicht Bafin wissen.

«Wir beobachten, dass Banken immer wieder Kredite vergeben, die für Verbraucherinnen und Verbraucher in der finanziellen Überforderung oder Überschuldung enden.»
Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Finanzaufsicht Bafin sieht bei der Vergabe von Konsumentenkrediten teils Defizite. Einige Anbieter seien bei der Gewährung der Kredite offenbar nicht besonders kritisch, hieß es einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel im «Bafin-Journal». Bei einer Stichprobe im Spätsommer 2023 wurden fast 80 Prozent der Kreditanfragen von den getesteten Banken oder Finanzierungspartnern des Handels bewilligt. Die Hälfte der Testkäuferinnen und Testkäufer habe allerdings eine eher schlechte Bonität vorgewiesen.

Speziell geschulte Tester und Testerinnen haben im Auftrag der Bafin so getan, als würden sie Möbel, Elektrogeräte und Kleidung finanzieren lassen wollen. Insgesamt wurden 48 Testkäufe bei 4 Online-Shops und 2 stationären Einzelhändlern mit ihren jeweiligen Finanzierungspartnern durchgeführt. Zusätzlich wurde bei zwei Banken direkt angefragt. Die Tester haben im Rahmen der sogenannten Mystery-Shopping-Aktion Finanzierungen oder Kredite abgeschlossen, die später widerrufen wurden.

Mehr als die Hälfte der Tester fühlte sich nicht gut informiert

Insgesamt fühlte sich mehr als die Hälfte der Tester den Angaben zufolge nicht gut über die angefragte Finanzierung informiert. «Bemängelt wurde insbesondere, dass Beraterinnen und Berater nicht alle Produkteigenschaften erläuterten, zu kurz auf die persönliche Situation eingingen, unsicher wirkten und Beratungsgespräche zu schnell abwickelten».

Die Finanzaufsicht betonte, dass die Stichprobe relativ klein sei und lediglich eine Momentaufnahme darstelle. Wie bei jedem Mystery-Shopping könnten die Ergebnisse nicht einfach auf den gesamten deutschen Finanzsektor übertragen werden. Dennoch ermöglichen die Aktionen einen direkten Einblick in die Marktrealität.

Etwa ein Drittel der Testkäufe zeigte laut Bafin, dass die finanzielle Situation der Verbraucher nicht erhoben wurde. In anderen Fällen wurde oft oberflächlich vorgegangen. Nur die Hälfte der Anträge verlangte detaillierte Angaben zu Einnahmen und Ausgaben wie Miet- und Lebenshaltungskosten. Lediglich 17 Prozent der Anbieter fragten nach bereits bestehenden Krediten.

Verbraucherschützer fordern mehr Schutz vor Überschuldung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, die Menschen schon im Prozess der Kreditvergabe besser vor möglicher Überschuldung zu schützen. «Kredite können Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, Vorhaben wie einen Auto- oder Küchenkauf zu realisieren oder finanzielle Engpässe zu überbrücken. Wir beobachten jedoch, dass Banken immer wieder Kredite vergeben, die für Verbraucherinnen und Verbraucher in der finanziellen Überforderung oder Überschuldung enden», sagte Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt beim vzbv jüngst.

Die Finanzaufsicht bewertete positiv, dass bei den meisten Finanzierungen Zinssatz und Laufzeit gemäß der Werbung vereinbart wurden. Nur in einigen Fällen war nicht klar, dass die beworbenen günstigen Konditionen an bestimmte Voraussetzungen gebunden waren, wie z.B. eine bestimmte Laufzeit.

Tester nehmen Online-Werbung für Investmentfonds unter die Lupe

Bei einer weiteren Mystery-Shopping-Aktion hat die Bafin festgestellt, dass die getesteten Finanzinstitute bei der Online-Werbung überwiegend transparent und fair vorgegangen sind. Tester haben von Juni bis Oktober 2023 die Websites, Apps und Social-Media-Auftritte von zehn Banken und Sparkassen überprüft. Der Schwerpunkt lag auf der Produktwerbung für regulierte Investmentfonds. Seit 2021 hat die Finanzaufsicht mehrere Mystery-Shopping-Aktionen zu verschiedenen Finanzthemen durchgeführt.

dpa