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Niedrigste Inflationsrate seit über drei Jahren in Deutschland

Verbraucherpreise stiegen im August nur um 1,9 Prozent, Energie deutlich billiger, Autoversicherungen stark verteuert.

Die Preise für Obst und Gemüse im Supermarkt steigen nicht mehr so schnell.
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren ist die deutsche Inflationsrate im August unter der 2-Prozent-Marke geblieben. Die Verbraucherpreise stiegen mit einer Rate von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat so langsam wie seit März 2021 nicht mehr, bestätigt das Statistische Bundesamt seine vorläufige Schätzung.

Insbesondere Energie war 5,1 Prozent günstiger als vor einem Jahr, während die Preise für Dienstleistungen überdurchschnittlich um 3,9 Prozent gestiegen sind. Die Preisentwicklung bei Autoversicherungen war besonders stark, da sie um mehr als ein Viertel teurer wurden. Auch die Preise für Dienstleistungen in sozialen Einrichtungen (+7,8 Prozent) oder in Gaststätten (+6,7 Prozent) stiegen deutlich an. Dies ist unter anderem auf die deutlich höheren Gehälter der Beschäftigten zurückzuführen.

Lebensmittel sind im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,5 Prozent teurer geworden, was ein hohes Niveau darstellt. Allerdings haben sich einige Produkte wie Olivenöl (+35,0 Prozent) stark verteuert, aufgrund von Missernten in den Mittelmeerländern. Süße Produkte wie Honig, Marmelade, Zucker und andere Süßwaren sind um 5,0 Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu waren Molkereiprodukte günstiger als im Vorjahr.

Der Druck auf die Verbraucherpreise nimmt nach mehreren Jahren mit sehr hohen Inflationsraten ab. Im Juli wurde ein Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 Prozent verzeichnet, nach 2,2 Prozent im Juni. Im März 2021 wurde zuletzt eine niedrigere Teuerungsrate gemessen als im August, als die Preise auch um 0,1 Prozent niedriger waren als im Juli. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel sank um 0,1 Punkte auf 2,8 Prozent.

Falls die Inflation im Laufe des Jahres in Deutschland und im Euroraum insgesamt abnehmen sollte, würde dies der Europäischen Zentralbank Raum für Zinssenkungen geben. Im Juni senkte sie erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Im Juli hielt die EZB die Zinssätze stabil und ließ die Möglichkeit einer Zinssenkung bei der Ratssitzung am 12. September offen. An den Finanzmärkten wird mit einer Zinssenkung gerechnet. Die Inflationsrate im Euroraum wurde für August auf 2,2 Prozent geschätzt.

Volkswirte prognostizieren aufgrund der Basiswerte aus dem Vorjahr, dass die Inflationsrate bis zum Jahresende wieder steigen wird. „Selbst wenn die Inflationsrate im September und Oktober unter zwei Prozent bleiben sollte, ist das Problem noch nicht gelöst“, warnt beispielsweise Volkswirt Sebastian Becker von Deutsche Bank Research. Auch das Wirtschaftsinstitut ZEW aus Mannheim betrachtet dies lediglich als Zwischenerfolg, jedoch nicht als Durchbruch in Richtung Preisstabilität.

Laut der japanischen Bank Nomura werden die Erwartungen des Marktes hinsichtlich des Ausmaßes und des Zeitplans möglicher Zinssenkungen steigen. Es wird jedoch kein Wachstum geben, das vom privaten Konsum getragen wird.

[Niedrigste Inflationsrate seit über drei Jahren in Deutschland],[Verbraucherpreise stiegen im August nur um 1,9 Prozent, Energie deutlich billiger, Autoversicherungen stark verteuert.]

 

dpa