Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Verkehrswende wird bei weiterem Zögern deutlich teurer

Mit den bisherigen Maßnahmen ist die Verkehrswende laut einer Studie nicht zu schaffen. Demnach sind mehr Anstrengungen der Regierung nötig. Wenn sie bald damit anfange, könne sie sogar Geld sparen.

Autos, Lastwagen und Lieferfahrzeuge fahren auf dem Kaiserdamm in der Hauptstadt stadteinwärts. «Wenn wir schnell und entschlossen handeln, kann der Verkehrssektor bis 2045 klimaneutral werden», sagte die stellvertretende Direktorin der Agora Verkehrswende, Wiebke Zimmer.
Foto: Michael Kappeler/dpa

Je länger die Politik mit Maßnahmen für einen klimaneutralen Verkehr zögert, umso teurer wird die Verkehrswende einer Studie zufolge schließlich werden. «Politisches Zögern hat einen Preis», heißt es in der Analyse der Agora Verkehrswende, einer gemeinnützigen Organisation für wissenschaftliche Politikberatung.

«Der Preis bemisst sich entweder in Geld oder in Treibhausgasen, mit all den damit verbundenen Risiken.» Mit einer zeitnahen ambitionierten Klimapolitik für den Verkehrssektor könnte die Bundesregierung hingegen sogar etwas sparen im Vergleich zu einem verkehrspolitischen Weiter-so.

Aktuelle Maßnahmen verfehlen Ziele

Die Organisation hat in der Studie drei verschiedene Szenarien im Verkehrssektor untersucht, die sich in ihrem Umfang an Klimaschutzmaßnahmen unterscheiden. Als Referenzszenario wurde die aktuelle Verkehrswende-Politik herangezogen, einschließlich geplanter, aber noch nicht beschlossener Maßnahmen.

«In diesem Referenzszenario sinken die Treibhausgasemissionen des Verkehrs bis 2030 auf 111 Millionen Tonnen und bis 2045 auf rund 15 Millionen Tonnen», schreiben die Autoren. Damit werde sowohl das Klimaziel für den Verkehrssektor für 2030 sowie das Nullemissionsziel für 2045 verfehlt.

Zwei weitergehende Szenarien beruhen auf der Annahme, dass ambitioniertere Klimaschutz-Programme ab 2025 (Szenario «Wende 2025») beziehungsweise ab 2030 («Wende 2030») aufgelegt werden. In diesen beiden Varianten würde die Klimaneutralität im Verkehr bis 2045 erreicht. Das «Wende 2030»-Szenario wäre dabei aber mit deutlich höheren Ausgaben verbunden – auch im Vergleich zum Referenzszenario, in dem alles so bleibt, wie aktuell. Schließlich müssten dort in kürzerer Zeit mehr Anstrengungen unternommen werden, um die Klimaneutralität noch zu erreichen.

Alternativszenarien gehen von weniger Autoverkehr aus

Die drei Szenarien basieren alle auf der gleichen Menge an Mobilität. Allerdings wird diese in Abhängigkeit von der jeweiligen Variante unterschiedlich auf die verschiedenen Verkehrsträger verteilt.

In den Szenarien 2025 und 2030 spielt der öffentliche Verkehr – also der Bus-, Bahn-, Fahrrad- und Fußverkehr – langfristig eine deutlich größere Rolle als beim Referenzszenario. Die Bedeutung des Autoverkehrs nimmt bis 2045 sogar zu. Hier geht es nicht um die Verringerung des Autoverkehrs, sondern um den Ersatz von Verbrennern durch Elektroantriebe.

Dabei liegt der Elektroanteil beim «Wende 2025»-Szenario deutlich höher als im Referenzszenario und am höchsten in der Variante «Wende 2030». Beide Wege gehen aber von einer deutlichen Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs aus.

Wenn die Bundesregierung alles so weitermachen würde wie bisher, müsste sie bis 2045 rund 9,7 Billionen Euro für die Verkehrswende ausgeben – einschließlich der indirekten Kosten für Klimaschäden aufgrund des weiteren CO2-Ausstoßes. Trotz dieser enormen Summe würde sie die Klimaziele im Verkehrssektor verfehlen.

Sie könnte etwas billiger davonkommen, wenn sie bis spätestens 2025 Maßnahmen ergreift, um das Nullemissionsziel im Verkehr innerhalb der nächsten 20 Jahre noch zu erreichen. Aufgrund der geringeren Klimaschäden sparte die Regierung in diesem Szenario rund 60 Milliarden Euro.

Spätes Umlenken wird teuer

Ab 2030 wird ein Umlenken deutlich teurer. Trotzdem könnte das Klimaziel immer noch erreicht werden. Allerdings erfordert dies größere und vor allem teurere Anstrengungen. Die Bundesregierung müsste dafür mehr als eine halbe Billion Euro zusätzlich aufbringen im Vergleich zur Situation, in der sich nichts an der Planung ändert.

«Wenn wir schnell und entschlossen handeln, kann der Verkehrssektor bis 2045 klimaneutral werden», sagte die stellvertretende Direktorin der Agora Verkehrswende, Wiebke Zimmer. «Das gelingt ohne Mehrkosten im Zeitraum bis 2045.» Anfangs brauche es höhere Investitionen, in Summe aber nicht mehr Geld. «Vor allem braucht es mehr politischen Willen», betonte Zimmer.

dpa