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Langsame Digitalisierung: Bundesbürger nutzen Online-Behördendienste kaum

Trotz steigendem Angebot haben die meisten Bundesbürger noch nie digitale Verwaltungsdienste genutzt. Das Hauptproblem: nur Teile sind digital verfügbar, ein Besuch auf dem Amt ist oft nötig.

Es kann so einfach sein - ein paar Klicks und etwas Tippen, und fertig ist der Behördenantrag.
Foto: Helena Dolderer/dpa

Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox haben die meisten Bundesbürger trotz des langsam steigenden Angebots noch nie Online-Behördendienste genutzt. Von 1023 Menschen im Alter von 18 bis 79 Jahren verneinten rund 59 Prozent, dass sie bereits digitale Verwaltungsdienste in Anspruch genommen haben, sei es für die Ummeldung der Wohnanschrift, die Verlängerung des Personalausweises oder die Beantragung einer Geburtsurkunde oder eines Führungszeugnisses.

Etwa 40 Prozent stimmten zu, während die anderen es nicht wussten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie überhaupt nicht mehr zum Amt gehen mussten: 25 Prozent gaben an, dass die Umsetzung ihres Anliegens nur teilweise digital verlief. Bei 15 Prozent verlief es ihren Angaben zufolge komplett digital.

«Die Erfahrungen der Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen das Hauptproblem der schleppenden Digitalisierung auf», sagte Verivox-Experte Jörg Schamberg. Oft seien nur Teile eines Dienstes digital verfügbar und im Verlauf werde dann doch ein Besuch auf dem Amt verlangt. «Ein kompletter Verwaltungsvorgang findet immer noch viel zu selten von A bis Z im digitalen Raum statt.»

Gesetz regelt Hunderte Verwaltungsdienste

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) soll den Kontakt der Bürger mit den staatlichen Institutionen vereinfachen. Allerdings seien fast zwei Drittel der OZG-Leistungen digital bislang gar nicht nutzbar (364), heißt es von Verivox. Digital vollständig nutzbar gewesen seien im Dezember 110, das seien nur neun mehr als ein Jahr zuvor. Teilweise online abrufbar seien 102 gewesen. «Das Digitalisierungsvorhaben geht ins zehnte Jahr und der Berg an offenen Aufgaben ist weiterhin riesig», sagt Verivox-Fachmann Schamberg. «Im letzten Jahr wurden nur neun Leistungen neu digitalisiert. Das ist viel zu wenig.»

Warum werden die Online-Dienste nicht mehr genutzt?

Unter den etwa 600 Befragten, die noch nie einen Online-Verwaltungsdienst genutzt haben, nannten 39 Prozent die mangelnde Verfügbarkeit als Grund. 22 Prozent gaben an, den persönlichen Kontakt auf dem Amt zu schätzen, und 13 Prozent wussten nicht, wie das Online-Verfahren funktioniert. 12 Prozent wollten nicht noch mehr Dinge digital erledigen müssen, und 11 Prozent hatten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Mehrfachnennungen waren möglich.

Neues Bundesministerium soll Tempo machen

Die schwarz-rote Bundesregierung hat das Ziel, die Verwaltung weiter zu digitalisieren und die Online-Zugänge und Verwaltungsdienstleistungen für Bürger zu verbessern und zu vereinfachen. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung wird sich darum kümmern. Ein wichtiger Bestandteil ist die sogenannte Wallet, eine digitale Brieftasche. Ab dem 2. Januar 2027 können Bürger ihren Personalausweis im Smartphone hinterlegen und sich damit auch online ausweisen. Das Onlinezugangsgesetz wird auf Bundesebene sowie von den Ländern und Kommunen umgesetzt.

dpa