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VW baut 20.000-Euro-Stromer ab 2027 in eigenem Werk

VW will im Alleingang ein Elektroauto für 20.000 Euro entwickeln. Auf eine Partnerschaft mit Renault wird verzichtet. Wo das Auto 2027 gebaut wird, ist aber noch offen.

VW-Vorstandsvorsitzender Thomas Schäfer mit der im März 2023 vorgestellten Elektro-Kleinwagen-Studie ID.2all. 2027 soll ein noch kleinerer ID.1 folgen.
Foto: Marcus Brandt/dpa

Volkswagen plant, seinen Elektro-Kleinstwagen für 2027 ohne Partnerschaft mit anderen Herstellern zu entwickeln. Das Fahrzeug soll rund 20.000 Euro kosten und die Weltpremiere ist für 2027 geplant, wie Europas größter Autobauer nach einer Vorstandsitzung in Wolfsburg am Dienstag bekannt gab. Eine geplante Zusammenarbeit mit Renault kam nicht zustande.

Hergestellt werden solle das Fahrzeug in Europa. «Damit verbinden wir ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Europa», sagte Konzernchef Oliver Blume laut Mitteilung. «Es geht um elektrische Einstiegsmobilität aus Europa für Europa.» Einen konkreten Produktionsstandort nannte VW noch nicht.

Der Konzern setzt große Hoffnung auf das Modell, mit dem die Wolfsburger ihre Elektropalette nach unten abrunden und in das elektrische Einstiegssegment vorstoßen wollen. «Damit sich die Elektromobilität in der Breite durchsetzt, braucht es attraktive Fahrzeuge, gerade im Einstiegssegment», sagte der Chef der Kernmarke Volkswagen, Thomas Schäfer. «Unser Markenversprechen lautet: Elektromobilität für alle. In der Markengruppe Core wird dieses Versprechen nun eingelöst.»

Neben einem VW-Modell mit dem Arbeitstitel ID.1, das Schäfer bereits im März angekündigt hatte, ist laut «Business Insider» auch eine Version von Škoda geplant. Der derzeit günstigste VW-Stromer ID.3 startet bei knapp 40.000 Euro, der 2026 geplante ID.2all soll rund 25.000 Euro kosten. Den E-Up für unter 30.000 Euro hatte VW im vergangenen Jahr eingestellt. Diese Lücke soll nun der ID.1 schließen. Ab 2033 will die Kernmarke VW in Europa nur noch Elektro-Autos verkaufen.

Entwicklung läuft bereit

Die Arbeit am ID.1 ist laut VW bereits weit fortgeschritten. «Wir sind schon mittendrin, wissen, wie das Auto aussehen muss», sagte Markenchef Schäfer bereits im März. Trotz günstigen Preises wolle man dabei «Maßstäbe im Einstiegssegment setzen». Der angepeilte Preis stelle aber eine große Hürde dar. «Das ist wirtschaftlich extrem herausfordernd», so Schäfer.  «Diese Aufgabe ist aufgrund der steigenden Energie-, Material- und Rohstoffkosten anspruchsvoller geworden.» Aufgrund der hohen Batteriekosten lasse sich ein Preis von 20.000 Euro nur mit sehr großen Stückzahlen erreichen. 

Daher prüfte VW auch eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, um größere Volumina zu erreichen. Eine geplante Kooperation mit Renault kam jedoch nicht zustande. Der französische Hersteller hatte bestätigt, dass es Gespräche über eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform für Elektro-VW und den Renault Twingo gab. Renault-Chef Luca de Meo sagte jedoch vor einer Woche der Agentur Reuters, dass die Gespräche gescheitert seien. Laut Konzernkreisen sprach sich insbesondere VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo dagegen aus, dass das Modell ausschließlich bei der Renault-Tochter Dacia in Rumänien hergestellt werden sollte.

VW hat bisher keine Stellungnahme zu den Gesprächen mit Renault abgegeben. Im Frühjahr hatte der Konzern lediglich von vier geprüften Szenarien für die Produktion des Kleinstwagens gesprochen. Konzernchef Blume hatte dabei die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit einem anderen Automobilhersteller nicht ausgeschlossen, jedoch keine Namen genannt.

Fertigung in Deutschland unwahrscheinlich

VW hat noch nicht bekannt gegeben, wo genau in Europa der ID.1 gebaut werden soll. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Produktion in Deutschland stattfindet. Bereits den ID.2all hatte VW aus Kostengründen an die Konzerntochter Seat in Spanien vergeben, wo er ab 2025 zusammen mit Schwestermodellen von Cupra und Škoda produziert werden soll.

Die hohen Preise für Elektroautos gelten unter Experten als größtes Hindernis für einen weiteren Ausbau der Elektromobilität. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte auf der Münchener Automesse IAA Mobility im vergangenen September an die Hersteller appelliert, günstigere Modelle ins Programm zu nehmen. Der Hochlauf der E-Mobilität «wird nicht funktionieren, wenn es nicht auch Angebote gibt, die für ganz viele Bürger bezahlbar sind», so der SPD-Politiker. Und daran hätten die Hersteller «über den Preis natürlich einen wichtigen Anteil». 

dpa