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«Wahre Kosten»-Aktion bei Penny mit Überraschungen

Der Discounter kassiert eine Woche lang bei einigen Produkten Preise, in denen auch Umweltschäden berücksichtigt werden. Die Aufschläge sind teils deutlich, was sich in den Verkaufszahlen widerspiegelt.

Bei der «Wahre-Kosten-Aktion» des Discounters Penny gab es interessante Ergebnisse.
Foto: Oliver Berg/dpa

Bei der «Wahre-Kosten-Aktion» des Discounters Penny sind die Verkaufszahlen nicht so stark gesunken wie erwartet. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald. Für die Untersuchung waren 2255 Personen vor und nach der Aktionswoche zu ihrem Kaufverhalten befragt worden.

Der Discounter Penny hatte Ende Juli 2023 für eine Woche bei neun ausgewählten Produkten die «wahren» Preise kassiert – also den Betrag, der bei Berücksichtigung aller durch die Produktion verursachten Umweltschäden eigentlich berechnet werden müsste. Die Produkte vom Käse bis zum Wiener Würstchen wurden dadurch um bis zu 94 Prozent teurer. Bio-Produkte erhielten niedrigere Aufschläge. Die Handelskette wollte damit nach eigenen Angaben mehr Bewusstsein für die Umweltbelastungen durch die Lebensmittelproduktion schaffen.

Spenden für Klimaschutz

Die Studienautoren erklären, dass die Verkaufszahlen trotz der hohen Preisaufschläge nicht so stark gesunken sind, wie erwartet wurde. Dies wird auf die begleitende Wissenschaftskommunikation und die Verbindung mit der Spende zurückgeführt. 84 Prozent der Kunden, die trotz der Preiserhöhung die Produkte gekauft haben, gaben an, dass die Spende ein entscheidender Grund dafür war. Die zusätzlichen Einnahmen, ergänzt um eine Unternehmensspende von 50.000 Euro, wurden von der zur Rewe-Gruppe gehörenden Kette für ein Klimaschutz- und Bauernhofprojekt im Alpenraum gespendet. Insgesamt wurden laut Penny mehr als 370.000 Euro gesammelt.

Gemäß der Untersuchung sind die Verkäufe der Produkte in ganz Deutschland zurückgegangen. Die Kunden haben die Produkte hauptsächlich aufgrund des Preises nicht gekauft: 85 Prozent gaben an, dass er zu hoch war. In den neuen Bundesländern war der Rückgang der Verkaufszahlen besonders stark, mit bis zu 70 Prozent. In West- und Süddeutschland sind die Verkäufe der Aktionsprodukte im Vergleich dazu am wenigsten gesunken, an vielen Orten waren es nur bis zu 50 Prozent. Die Wissenschaftler schreiben, dass diese regionalen Unterschiede auf verschiedene Faktoren wie Einkommen oder Interesse an Nachhaltigkeit zurückzuführen sein könnten.

Laut der Studie haben 64 Prozent der Befragten von der Penny-Aktion erfahren. Bei der Hälfte von ihnen führte dies zu einem Bewusstsein für die wahren Kosten von Lebensmitteln. 46 Prozent gaben an, dass die Kampagne nur Marketing sei und keine positiven Auswirkungen habe.

«Nach der Kampagnenwoche sind zwar die Schätzungen der Mehrkosten für die wahren Kosten gestiegen, sowohl bei Produkten, die vorher überschätzt, als auch bei denen, die unterschätzt wurden. Dies zeigt, dass die Befragten realisiert haben, dass die wahren Kosten höher sind als ursprünglich angenommen», sagte der Projektleiter und Ressourcenökonom der Technischen Hochschule Nürnberg, Tobias Gaugler. Dennoch finde bei den Kunden unverändert keine Differenzierung zwischen verschiedenen Produkten statt.

dpa