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Staatlicher Rückzug aus Meyer Werft noch unklar

Die Zukunft des Unternehmens in privaten Händen ist noch ungewiss. Der Zeitpunkt für den Verkauf ist abhängig von den Bedingungen.

Bund und Land hatten der angeschlagenen Meyer Werft die Rettung im August in Papenburg zugesagt. (Archivbild)
Foto: Markus Hibbeler/dpa

Der Zeitplan für einen Rückzug des Staates aus der gerade geretteten Meyer Werft ist für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil noch völlig offen. «Für Bund und Land steht fest: Wir wollen uns dort nicht auf Dauer engagieren, sondern das Unternehmen nach einem gewissen Zeitraum in private Hände geben. Bis dahin muss das Unternehmen wieder flott gemacht werden», sagte der SPD-Politiker. «Es muss beispielsweise Vertrauen zurückgewonnen werden, das bei den Banken teilweise verloren gegangen ist.»

Anschließend werde es auch wesentlich leichter sein, private Investoren zu gewinnen, sagte Weil. «Ob das im Jahr 2027, 28, 29 oder wann auch immer sein wird, kann ich nicht sagen. Die Bedingungen müssen stimmen.»

Auf die Frage, ob er den Verkauf noch selbst als Ministerpräsident mit in die Wege leiten wolle, sagte der Regierungschef, der in seiner letzten Amtszeit ist: «Das ist davon unabhängig. Keiner kann den Zeitpunkt jetzt vorhersagen. Es müssen schlichtweg die Bedingungen stimmen.» Er sei aber zuversichtlich, dass das staatliche Engagement der Meyer Werft eine gute Entwicklung ermögliche. Weil will bei der nächsten Landtagswahl, die voraussichtlich 2027 stattfindet, nicht erneut kandidieren.

Staat übernimmt 80 Prozent der Meyer Werft

Das Rettungspaket beinhaltet, dass der Bund und das Land zusammen 400 Millionen Euro investieren, um rund 80 Prozent der Anteile zu übernehmen. Zusätzlich stellen sie dem Unternehmen Bürgschaften in Höhe von jeweils etwa einer Milliarde Euro zur Verfügung, um Bankkredite abzusichern.

Die mehr als 200 Jahre alte Meyer Werft ist vor allem für Kreuzfahrtschiffe bekannt. Ihre Auftragsbücher sind gut gefüllt, allerdings ist sie in eine schwere finanzielle Schieflage geraten, weil einige Verträge für Kreuzfahrtschiffe, die noch vor der Corona-Pandemie geschlossen worden waren, keine Anpassung an die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise vorsehen. Hinzu kommt, dass im Schiffbau üblicherweise 80 Prozent des Baupreises erst bei Ablieferung des Schiffes gezahlt werden. So muss die Meyer Werft zur Finanzierung von Schiffsneubauten bis Ende 2027 fast 2,8 Milliarden Euro aufbringen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gab vergangene Woche bekannt, dass die Werft voraussichtlich erst 2026 wieder voll ausgelastet sein wird, laut einem Sanierungsgutachten jedoch erst 2028 wieder ein positives wirtschaftliches Ergebnis erzielen wird. Heute findet in Papenburg eine Betriebsversammlung der Werft statt.

dpa