Gewerkschaft ruft zu Solidaritätsstreik für Discover-Piloten auf, obwohl Tarifvertrag besteht. Lufthansa kritisiert Streikaufruf als "befremdlich".
Discover-Pilotenstreik führt zu Flugausfällen und Solidaritätsstreik bei Lufthansa

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter Discover hat zu weiteren Flugausfällen geführt. Am Sonntag wurden in Frankfurt und München 8 von 19 geplanten Abflügen gestrichen. Die Airline plant entweder Jets anderer Konzerngesellschaften einzusetzen oder die betroffenen Passagiere umzubuchen. Vor dem dreitägigen Streik hatte das Unternehmen angekündigt, zwei Drittel aller Flüge anbieten zu wollen. Der Streik der Vereinigung Cockpit soll bis einschließlich Montag, 23:59 Uhr, dauern.
Die Gewerkschaft VC hat für Montagvormittag auch Piloten der Muttergesellschaft Lufthansa zu einem Solidaritätsstreik für die Discover-Kollegen aufgerufen. Über einen Zeitraum von vier Stunden werden nur Flugzeuge vom Typ Boeing 787 bestreikt, von denen die Lufthansa bisher nur fünf Exemplare besitzt. Laut Airline sind während des geplanten Streikzeitraums vier Abflüge potenziell betroffen, jedoch wird erwartet, dass diese Abflüge wie geplant stattfinden. Andere Flugzeugtypen sind nicht von dem Streik betroffen.
Lufthansa-Organisationschef Karl Brandes reagierte mit Unverständnis auf den Streikaufruf zu einem «betriebsfremden Solidaritätsstreik». In einem Schreiben an die Piloten wies er darauf hin, dass Lufthansa mit der VC einen langfristigen Tarifvertrag abgeschlossen hat. «Auch mit dem Ziel, dass wir bei Lufthansa Airlines einen längerfristigen Tariffrieden ohne Streiks haben, um in den nächsten Jahren unser geplantes Wachstum gemeinsam mit Ihnen umzusetzen.» Der VC-Aufruf sei «mehr als befremdlich».
Die Ferienfluggesellschaft Discover, die mit 24 Airbus-Jets und etwa 420 Piloten relativ klein ist, hebt nur von Frankfurt und München ab und soll hauptsächlich Condor im touristischen Geschäft Konkurrenz machen.
Gewerkschaft will den Arbeitskampf weiterführen
Die VC strebt an, einen ersten Tarifvertrag bei der im Sommer 2021 gegründeten Airline zu erzwingen. Die Piloten haben seit Dezember bereits einen fünfstündigen Warnstreik und zwei reguläre Streiks durchgeführt. Innerhalb der Lufthansa-Gruppe hat die VC eine gemeinsame Tarifkommission für die deutschen Gesellschaften eingesetzt.
Discover gibt an, dass sie bereits höhere Pilotengehälter zahlt, die jedoch mit dem Betriebsrat und nicht mit der Gewerkschaft vereinbart wurden. Die neuen Gehälter entsprechen genau den Forderungen der VC, wie beide Seiten bestätigt haben.
Die Gewerkschaft plant, den Arbeitskampf fortzusetzen, obwohl ihre materiellen Forderungen größtenteils erfüllt zu sein scheinen. Die VC hatte kritisiert, dass eine Betriebsvereinbarung nicht die gleiche Rechtssicherheit wie ein Tarifvertrag mit der Gewerkschaft bietet. Darüber hinaus verlangte das Unternehmen eine Sozialpartnerschafts-Charta als Vorbedingung, die die grundlegenden Rechte der Gewerkschaft einschränken würde.
Solidaritäts- oder Unterstützungsstreiks sind gemäß dem deutschen Arbeitsrecht grundsätzlich erlaubt, solange sie angemessen sind und dazu geeignet erscheinen, den Hauptarbeitskampf zu unterstützen.








