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Deutsche Bahn Lokführer streiken erneut, Fahrgäste müssen mit großen Einschränkungen rechnen

Die Bahn hat einen Notfahrplan organisiert, um ein Fünftel des Zugverkehrs zu sichern. Auch der Regionalverkehr und die S-Bahnen sind betroffen.

Kundinnen und Kunden der Deutschen Bahn sind seit bald einem Jahr immer wieder Streiks ausgesetzt.
Foto: Jens Büttner/dpa

Die Lokführer der Deutschen Bahn haben erneut ihre Arbeit niedergelegt, was auf wachsende Kritik stößt. Der Streik im Personenverkehr begann um 2.00 Uhr am Dienstag und wird 24 Stunden dauern, wie eine Bahnsprecherin bestätigte. Fahrgäste müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Ein Notfahrplan wurde eingerichtet, der etwa ein Fünftel des Fernverkehrs sicherstellt. Auch der Regionalverkehr und die S-Bahnen der Deutschen Bahn sind betroffen, wobei das Angebot je nach Region variieren kann. Selbst nach dem Streikende am Mittwoch müssen Fahrgäste weiterhin mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Im Güterverkehr begann der Streik bereits am Montagabend.

Es ist bereits der sechste Arbeitskampf der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in der laufenden Tarifrunde. Die Bahn versuchte am Montag erfolglos, den Streik noch gerichtlich stoppen zu lassen – und kündigte daraufhin an, vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht in Berufung gehen zu wollen. «Die Streikankündigung ist viel zu kurzfristig, zudem gibt es rechtswidrige Forderungen», teilte Florian Weh, Hauptgeschäftsführer des Bahn-Arbeitgeberverbands AGV Move, nach der Entscheidung des Arbeitsgerichts mit. «Im Sinne unserer Kundinnen und Kunden tun wir deshalb alles, um den Wellenstreik noch zu stoppen.» 

Die Berufung wird erst am Dienstag gegen Mittag – also nach Streikbeginn – verhandelt. Wenn das Hessische Landesarbeitsgericht anders entscheidet als das Frankfurter Arbeitsgericht, müsste die GDL den Streik unterbrechen. Jedoch würde ein sofortiges Ende der Einschränkungen für Fahrgäste nicht bedeuten.

GDL fordert Verkürzung der Arbeitszeit

Erst am Freitag vergangener Woche war der vorige GDL-Streik zu Ende gegangen, am Sonntagabend kündigte die Gewerkschaft dann den nächsten Ausstand an. Wirtschaftsvertreter kritisierten die Aktionen als Missbrauch des Streikrechts und als Belastung für den Standort Deutschland. Die Bahn sprach von einer Zumutung für Millionen von Bahnreisenden und die Wirtschaft.

Die Gewerkschaft kämpft weiterhin um höhere Gehälter und weniger Arbeitszeit bei der Bahn. Der Knackpunkt des Konflikts bleibt die Forderung, dass Schichtarbeiter in Zukunft nur 35 Stunden statt bisher 38 Stunden für das gleiche Geld arbeiten müssen. Die Bahn hatte in einer Moderation einen Kompromissvorschlag angenommen, der vorsah, die Arbeitszeit bis 2028 in zwei Schritten auf 36 Stunden zu reduzieren. Die GDL lehnte dies ab und ließ die Verhandlungen scheitern. Neue Streiks werden nun kurzfristiger angekündigt, nicht mehr 48 Stunden im Voraus. Auch Streiks über Ostern sind nicht ausgeschlossen, so der Vorsitzende Claus Weselsky.

Die Deutsche Bahn-Kunden sind seit fast einem Jahr immer wieder Streiks ausgesetzt. Zuvor hatte die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft mit zwei Warnstreiks im vergangenen Frühjahr einen verbesserten Tarif erkämpft, während ein dritter Warnstreik gerichtlich gestoppt wurde. Im Herbst begannen dann die Arbeitskämpfe der GDL.

dpa