Die Straße von Hormus ist eine entscheidende Handelsroute für den globalen Ölmarkt und steht im Fokus geopolitischer Spannungen. Eine Blockade könnte gravierende wirtschaftliche Folgen nicht nur für den Iran, sondern auch für die Golfstaaten und den internationalen Ölhandel nach sich ziehen.
Welche Bedeutung die Straße von Hormus für den Welthandel hat

Die Straße von Hormus stellt eine der zentralen Verkehrsadern für den globalen Ölhandel dar und ist derzeit ein bedeutender Brennpunkt im Konflikt mit dem Iran. Laut Berichten der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim ist die Meerenge durch die Blockade des Schiffs- und Tankerverkehrs „praktisch geschlossen“.
Infolge dieser Blockade haben mehrere Reedereien, Ölgesellschaften und Handelsunternehmen ihre Transporte durch die Straße von Hormus eingestellt. Dies betrifft sowohl Rohöl als auch Treibstoff und Flüssigerdgas (LNG). Auch deutsche Reedereien sind direkt betroffen, was für viele Mitgliedsunternehmen des Verbands Deutscher Reeder eine „akute operative Krise“ darstellt, die über eine abstrakte geopolitische Entwicklung hinausgeht.
Militärische Spannungen und regionale Stabilität
Die Straße von Hormus war in der Vergangenheit bereits mehrfach Schauplatz von Konflikten, die den Schiffsverkehr beeinträchtigten. In dieser Region sind die Marineeinheiten der iranischen Revolutionsgarden aktiv, die in der Vergangenheit immer wieder ausländische Schiffe festsetzten.
Geografische Lage der Straße von Hormus
Die Meerenge verbindet den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten und liegt zwischen Oman und dem Iran. An ihrer engsten Stelle misst die Straße von Hormus lediglich etwa 50 Kilometer in der Breite. Die für den Schiffsverkehr nutzbare Fahrrinne ist jedoch noch schmaler und beträgt nur etwa drei Kilometer.
Bedeutung der Meerenge für die Weltwirtschaft
Die Straße von Hormus zählt zu den bedeutendsten Seefahrtsrouten weltweit. Sie stellt die einzige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer dar und ist somit der Zugang für die wichtigen Ölländer der Region zum internationalen Handel. Dies betrifft insbesondere den Iran, aber auch Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Wirtschaftsjournalist Marcus Wolf beschreibt die Meerenge als ein Nadelöhr der Weltwirtschaft, das für die Öl- und Gasexporte der Region von entscheidender Bedeutung ist. Obwohl es nicht die einzige Handelsroute ist, zählt sie zu den wichtigsten.
Im Jahr 2024 passierten im Durchschnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus, was nahezu 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs entspricht. Der Großteil dieses Öls wird nach Asien exportiert, insbesondere nach China und Indien. Im Falle einer Blockade könnten Pipelines nur einen Bruchteil der benötigten Ölmenge transportieren. Zudem verläuft etwa ein Fünftel des globalen Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) durch diese Meerenge, hauptsächlich aus Katar.
Langfristige ökonomische Folgen einer Sperrung
Die Auswirkungen einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus wären erheblich, auch für den Iran selbst. Die Golfstaaten wären nicht mehr in der Lage, Öl zu exportieren. Lediglich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über alternative Exportrouten via Pipelines, die maximal rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag transportieren können. Katar, Kuwait, der Irak und der Iran sind auf den Transport über die Golf-Häfen angewiesen.
Eine Sperrung der Straße von Hormus würde somit auch die iranische Wirtschaft stark belasten. Israel und die USA wären nur indirekt betroffen, vor allem durch einen Anstieg der Ölpreise. Zudem müsste der Iran mit diplomatischen Spannungen zu seinen Nachbarländern rechnen, insbesondere zu wichtigen Handelspartnern wie China, das über 90 Prozent des iranischen Öls importiert.
Einfluss auf den Ölmarkt
Eine anhaltende Blockade könnte auch die Öl- und Benzinpreise erheblich beeinflussen. Der Ölpreis hat bereits auf die aktuellen Entwicklungen in der Region reagiert: Der Preis für Brent-Öl ist um etwa zwei Prozent pro Fass gestiegen.
Acht Ölförderländer haben angekündigt, ihre Produktionsmengen ab April deutlich zu erhöhen, mehr als ursprünglich von Analysten erwartet. Die Kerngruppe des Ölkartells Opec+ plant, die Tagesproduktion um 206.000 Barrel (je 159 Liter) zu steigern. Die globale Ölproduktion belief sich zu Jahresbeginn auf 106,6 Millionen Barrel pro Tag, so die Internationalen Energieagentur.
Obwohl die Opec+-Staaten, angeführt von Saudi-Arabien und Russland, den aktuellen Konflikt im Nahen und Mittleren Osten nicht direkt erwähnten, begründeten sie die Produktionssteigerung mit einem stabilen Ausblick auf die globale Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten. Analysten der Commerzbank weisen jedoch darauf hin, dass die Opec+ nicht über ausreichende Produktionskapazitäten verfügt, um die Auswirkungen einer Blockade der Straße von Hormus auszugleichen.
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Bildquelle: Lara Jameson auf Pexels








