Den Zustand der Welt verbessern – das ist der Anspruch des Weltwirtschaftsforums in Davos. Kriege, Krisen und KI bewegten das WEF in diesem Jahr.
Weltwirtschaftsforum endet: Fünf Schlüsselsätze

Das Weltwirtschaftsforum wird als das Treffen der politisch-ökonomischen Weltelite angesehen und dient auch immer als Indikator für den Zustand der Welt. In diesem Jahr wurde es als geopolitisches Krisenforum angekündigt: Gründer Klaus Schwab brachte hochrangige Gäste aus den aktuellen Kriegsgebieten in die schneebedeckten Schweizer Berge.
Das Weltwirtschaftsforum ist nicht wirklich das Machtzentrum, das es früher sein wollte. Dennoch ist das Treffen eine Art Runder Tisch der Welt. Der Austausch ist wichtig, auch wenn er die Weltlage nicht unmittelbar verändert.
Ein Resümee in diesem Jahr könnte lauten: Friedensbemühungen haben es schwer. Und viele Menschen sind müde von Krisen. Nicht Israels Präsident Izchak Herzog füllte den großen Saal im Davoser Kongresszentrum. Stattdessen warteten die WEF-Teilnehmer geduldig in der Schlange, um mit Sam Altman, dem Entwickler von ChatGPT, über seine Visionen zur künstlichen Intelligenz zu sprechen.
Was waren also die Beweggründe des WEF 2024? Hier sind fünf ausgewählte Schlüsselsätze:
«Irgendwann wird Russland verstehen, dass sie einen zu hohen Preis zahlen.»
„Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg“
Der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erhielt viel Aufmerksamkeit – das ist wichtig für die Ukraine. Denn die Unterstützung des Westens für das von Russland angegriffene Land könnte bröckeln. Unter diesem Eindruck reiste Selenskyj an, um Politikern und Unternehmern ins Gewissen zu reden. «Putin ist ein Raubtier, das sich nicht mit Tiefkühlprodukten zufrieden gibt», sagte er. Diese Reaktion auf Forderungen nach einem «Einfrieren» des Krieges dürfte in Erinnerung bleiben.
Es bleibt abzuwarten, ob Selenskyj konkrete Ergebnisse mit nach Hause bringt. Die ukrainische Seite wurde enttäuscht, da es anscheinend nicht zu einem Treffen mit Chinas Ministerpräsident Li Qiang kam. Die Ukraine hofft schon seit langem, China auf ihre Seite im Kampf gegen Russland zu ziehen. Jedoch war China auch bei einem internationalen Treffen zu Selenskyjs Zehn-Punkte-Friedensplan nicht vertreten.
«Die Israelis haben ihr Vertrauen in die Friedensprozesse verloren, weil sie sehen konnten, dass der Terror von unseren Nachbarn verherrlicht wird.»
(Israels Präsident Izchak Herzog)
Der Weltrettungsanspruch des WEF wurde nie wörtlich genommen. Dennoch hatten einige die Hoffnung, dass das Pulverfass Naher Osten in Davos etwas beruhigt werden könnte. Nahezu alle beteiligten Mächte waren mit ihren Führungspersonen vor Ort: Israel, der Iran, der Irak, Pakistan und die Golfstaaten. Es kam zwar nicht zu einem Handschlag, aber Aufsehen erregte, als der saudiarabische Außenminister Faisal bin Farhan in Aussicht stellte, Israel anzuerkennen, falls den Palästinensern ein eigener Staat gewährt wird.
Nach Herzogs Ansicht müssen Länder, die eine Zweistaatenlösung fordern, aber zunächst klären, wie Israels Sicherheit gewährleistet werden kann. Im Moment sei die Bereitschaft zum Nachdenken über ein Friedensabkommen gering. Ein weiterer markanter Satz Herzogs: «Es gibt ein Imperium des Bösen, das von Teheran ausgeht.» Das WEF-Publikum reagierte eher verhalten: Solidarität mit Israel ist angesichts der humanitären Lage komplizierter als Unterstützung für die Ukraine.
«Der Staat ist nicht die Lösung, der Staat ist das Problem.»
(Argentiniens Präsident Javier Milei)
Das WEF ist dafür bekannt, auch umstrittene Gäste freundlich zu empfangen. Dazu zählte der iranische Außenminister Hussein Amirabdollahian, der die Hamas, die von der EU als Terrorgruppe eingestuft wird, als Freiheitsbewegung bezeichnete. Die politisch-ökonomische Elite verfolgte jedoch besonders gespannt den Auftritt des neuen, ultraliberalen argentinischen Präsidenten Javier Milei.
Dieser hielt eine flammende Rede für den Kapitalismus – womit er bei den Globalisierungsanhängern und Wirtschaftsliberalisten auf dem WEF eigentlich offene Türen einrennt. Doch manche Geschäftsleute konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen – bei Aufforderungen wie: «Lasst euch nicht einschüchtern, weder von der politischen Klasse, noch von den Parasiten, die vom Staat leben.»
«Künstliche Intelligenz auf menschlichem Niveau steht nicht vor der Tür.»
Yann LeCun, der führende KI-Wissenschaftler von Meta,
Wer nur auf Krisen schaue, übersehe irgendwann den Fortschritt, sagte Bill Gates der «Wirtschaftswoche». Glaubt man dem WEF, bedeutet Fortschritt gerade besonders Künstliche Intelligenz. Kein anderer Begriff wurde so häufig genannt, kaum ein Redner war gefragter als Altman von der ChatGPT-Firma OpenAI. Die KI-Branche bemühte sich, ein positives Image zu hinterlassen – auch wenn das WEF vor Desinformation im Superwahljahr 2024 gewarnt hatte.
KI sei von der Intelligenz eines Menschen noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte weit entfernt, versuchte Meta-Wissenschaftler Yann LeCun zu beruhigen. Wenn man schon solche Vergleiche heranziehen wolle, dann könne KI im Moment weniger als eine Katze. Altman beschrieb ein System, «das manchmal richtig liegt, manchmal kreativ ist, oft aber völlig falsch».
«Deutschland ist ein müder Mann nach einer kurzen Nacht.»
Finanzminister Christian Lindner
Im Jahr 2023 sah sich die Weltwirtschaft mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert: Inflation, steigende Zinsen, Probleme in den Lieferketten, eine Immobilienkrise in China und zunehmende Spannungen zwischen Washington und Peking. Viele Länder erwarten für 2024 eine gewisse Erholung. In Davos herrschte Optimismus – außer wenn man nach Deutschland schaut.
Die deutsche Wirtschaft ist Europas Schlusslicht geworden. Daran ändert sich auch nichts, wenn Finanzminister Christian Lindner ihr Widerstandsfähigkeit attestiert. Deutschland sei nicht der kranke Mann Europas, sondern müde nach langer Nacht. Die schlechten Wachstumsprognosen seien ein Weckruf. «Und jetzt trinken wir eine gute Tasse Kaffee, was strukturelle Reformen bedeutet, und werden dann wirtschaftlich wieder erfolgreich sein», versprach Lindner. Europa, das sich um seinen Wachstumsmotor sorgt, würde das freuen.








