Gestiegene Zinsen, Konjunktursorgen und risikoscheuere Investoren belasten die deutsche Start-up-Szene. Die Zahl der Gründungen ist 2023 gesunken. Dafür schneiden forschungsnahe Standorte gut ab.
Weniger neue Start-ups – «Gründungsmotor stottert»

Trotz schwieriger Finanzierungsbedingungen gab es im Jahr 2023 weniger Start-ups in Deutschland. Laut dem Startup-Verband sank die Anzahl der Neugründungen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf knapp 2500. Besonders in den Zentren Berlin und München war die Branchenkrise zu spüren. Im Vergleich zum Rekordjahr 2021, in dem bundesweit 3196 Start-ups gegründet wurden, betrug der Rückgang sogar gut ein Fünftel (22 Prozent).
Laut dem Startup-Verband ist der positive Trend aus dem ersten Halbjahr 2023 vorbei. Fast alle Branchen sind von einem Rückgang der Gründungen betroffen, nur der Software-Bereich hat zugelegt. Besonders schlecht lief es bei den Gründungen im Online-Handel – hier macht sich das schwache Konsumklima bemerkbar. Die Analysefirma Startupdetector hat für die Studie Handelsregisterdaten ausgewertet.
Gründermetropolen unter Druck
Mit 468 Gründungen 2023 blieb Berlin unangefochten auf Platz eins vor München (187). Die beiden Start-up-Hochburgen verzeichneten jedoch Rückgänge um 7 bzw. 13 Prozent zum Vorjahr, während Hamburg mit 158 Gründungen um 10 Prozent zulegte. «Der Gründungsmotor in den zentralen Hotspots stottert», stellte der Startup-Verband in Berlin fest. Die stellvertretende Vorsitzende Magdalena Oehl sprach von insgesamt robusten Zahlen trotz globaler Krisen. Der Rückgang zeige aber, «wie schwierig aktuell das Finanzierungsumfeld ist», gerade in den kapitalintensiven Gründerhochburgen.
In der Corona-Pandemie hat die deutsche Start-up-Branche von einer beschleunigten Digitalisierung und den damals niedrigen Zinsen profitiert. Lieferdienste und Finanzbroker haben beispielsweise einen Aufschwung erlebt. Allerdings zögern Investoren aufgrund der gestiegenen Zinsen und Konjunktursorgen nun bei der Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Wachstumsunternehmen. Start-ups haben daher Schwierigkeiten, an Geld zu gelangen, und viele mussten Stellen abbauen.
Obwohl ein Drittel aller Gründungen auf Berlin, München und Hamburg entfällt, ist ihr Anteil seit 2019 kontinuierlich gesunken, so die Studie. Hingegen haben Flächenländer wie Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen im Jahr 2023 deutlich zugelegt. Allerdings dominieren auch in den ländlichen Gebieten Hotspots wie München in Bayern oder Dresden und Leipzig in Sachsen, sagte Arnas Bräutigam, Mitbegründer von Startupdetector.
Bei den Gründungen pro Kopf schnitten forschungsnahe Standorte wie Darmstadt, Karlsruhe und Heidelberg besonders gut ab, sie folgten direkt auf Berlin und München. «Um deutsche Universitäten entstehen zunehmend innovative Start-ups, die wissenschaftliche Durchbrüche schnell in die unternehmerische Praxis bringen», hieß es.








