Die Unfallhäufigkeit in der Bauwirtschaft ist deutlich höher als in anderen Wirtschaftszweigen. Die Zahl der tödlich verunglückten Menschen blieb bei 76.
Arbeitsunfälle auf dem Bau rückläufig,aber noch immer zu hoch

Die Anzahl der Arbeitsunfälle auf Baustellen ist im letzten Jahr erneut gesunken. Die Zahl der tödlich Verunglückten blieb konstant bei 76 (2022: 74), wie die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) der dpa mitteilte. Die Anzahl der Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen betrug 96.153 nach 99.380 im Vorjahr.
«Der Trend ist definitiv rückläufig. Nichtsdestotrotz ist die Unfallhäufigkeit in der Bauwirtschaft deutlich höher als in anderen Wirtschaftszweigen», sagte Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG Bau. 2019 gab es noch fast 107.000 Arbeitsunfälle am Bau.
«Mission Zero» als Ziel
Verglichen mit der Arbeit im Büro oder in einer Fabrik, sind die Situationen auf einer Baustelle immer etwas anders und weniger vorhersehbar – und das erhöht die Unfallgefahr. Außerdem werden oft große Geräte verwendet, es wird an sehr hoch- oder auch sehr tiefgelegenen Stellen gearbeitet – die Kräfte, die bei einem Unfall wirken, sind entsprechend groß. Etwa 15 Prozent der Arbeitsunfälle auf Baustellen führen zu schweren und schwersten Verletzungen, die zu mehr als 16 Wochen Arbeitsunfähigkeit führen.
Immer wieder enden Unfälle auch tödlich: Laut BG Bau starben im vergangenen Jahr 76 Menschen bei Unfällen am Bau. «Jeder tödliche Unfall ist einer zu viel», sagte Arenz. Die BG Bau verfolge an dieser Stelle die «Mission Zero», also null Todesfälle.
Bewusstsein für Gesundheit spielt entscheidende Rolle
Bei der Zahl der Arbeitsunfälle insgesamt wolle man in den nächsten fünf Jahren die sogenannte Tausend-Personen-Quote auf unter 40 senken. Die Quote gibt die Zahl der Arbeitsunfälle je 1000 Arbeiter an. 2023 lag sie bei 44,6. «Die Quote ist nun seit Jahrzehnten zurückgegangen, sie lag auch mal über 100», sagte Arenz.
Er nannte die steigende Bedeutung von Sicherheit und Gesundheit in der Gesellschaft als wichtigen Grund für den Rückgang. Viele Arbeitnehmer legen mittlerweile mehr Wert auf ihren eigenen Schutz, was auch durch die Verwendung von FFP2-Masken auf Baustellen einen Schub durch die Corona-Pandemie erhalten hat.
«Ich würde mir wünschen, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung noch stärker ausgeprägt wird», sagte Arenz. Zuletzt hatte die BG Bau die Beschäftigten vor allem zu mehr Lärmschutz auf Baustellen aufmerksam gemacht. Der Verdacht auf Lärmschwerhörigkeit ist derzeit mit Abstand die häufigste Berufskrankheit auf dem Bau.
Weitere Zahlen der BG Bau für das Jahr 2023
– Der Anteil an Sturz-, Stolper- und Rutschunfällen ist groß und die Folgen oft verheerend. 37 Prozent der tödlichen Unfälle 2023 hatten laut Statistik mit einem «Absturz» zu tun. Laut Arenz war der Anteil in vorherigen Jahren meist noch größer.
– 33,3 Prozent der Verletzungen auf Baustellen betreffen die Hände der Arbeitnehmer, 17,7 Prozent die Füße und Sprunggelenke. Jede zehnte Verletzung betrifft den Kopf.
Die Kosten für Rehabilitationsmaßnahmen im Jahr 2023 belaufen sich laut BG Bau auf fast 800 Millionen Euro. Des Weiteren wurden 1,04 Milliarden Euro für Rentenleistungen nach Unfällen ausgegeben.








