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Schwierige Zeiten für Baumärkte: Umsatzrückgang und geringere Nachfrage

Regen und Kälte verhageln Gartensaison, Umsatz sinkt um 1,5 Prozent – Hoffnung auf Fußball-EM

Schlechtes Wetter im Mai und Juni verhagelte den Händlern 2024 das Geschäft.
Foto: Oliver Berg/dpa

Die Verunsicherung der Kunden und schlechtes Wetter während der Gartensaison haben den Baumärkten im vergangenen Jahr das Geschäft verdorben. Regen, Kälte und Schneegraupel hätten die Lust auf Garten-Aktivitäten verhagelt, sagte der Vorstandssprecher des Branchenverbandes BHB, René Haßfeld. «Die Menschen agieren vorsichtig und legen ihr Geld eher für zukünftige Ausgaben beiseite, statt in Konsum zu investieren.» 

Der viele Regen hatte jedoch einen positiven Effekt auf eine Produktgruppe. Laut Verband wurde bei Gartenchemie, Erden und Saatgut zuletzt ein Umsatzplus von 8,2 Prozent verzeichnet, das stärkste und einzige signifikante Wachstum. Die feuchten Bedingungen und Schneckenplage haben die Nachfrage nach diesen Produkten erhöht.

Die Fliesen waren der größte Verlierer in den Sortimenten, was auch durch die Baukrise bedingt war. Die Umsätze lagen hier 13,1 Prozent niedriger als 2023. Auch bei Gartenmöbeln (-8,1 Prozent) und Wohnen/Dekoration (-7,5 Prozent) lief es deutlich schlechter.

Boom in Coronazeit

Im letzten Jahr haben die Bau- und Gartenfachmärkte in Deutschland insgesamt einen Umsatz von rund 20,9 Milliarden Euro erzielt. Dies entsprach nominal, also ohne Berücksichtigung von Preissteigerungen, einem Rückgang um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zumindest stiegen die Onlineumsätze wieder leicht an (+2,1 Prozent).

Die Branche verzeichnete während der Corona-Pandemie außergewöhnlich starke Zuwächse. Viele Menschen richteten sich zu Hause ein und investierten in ihre eigenen vier Wände und den Garten. Da Reisen und Restaurantbesuche wegfielen, wurde der Kauf von Grills, Pools und Gartenmöbeln vorgezogen. Nach dem Ende der Pandemie konnten die Baumärkte jedoch nicht an den Boom anknüpfen.

2024 sollte eine Verbesserung bringen. Die Händler hatten auch auf einen belebenden Effekt durch die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land gehofft. Allerdings brachte das Jahr keine Erholung. Die Umsätze waren zum zweiten Mal in Folge rückläufig, lagen aber nominal immerhin rund 7,5 Prozent höher als vor der Pandemie.

Die Bau- und Gartenfachmärkte hätten sich in einem schwierigen Umfeld vergleichsweise achtbar behauptet, sagt Haßfeld. Im Hinblick auf das laufende Jahr ist der Branchenverband nur mäßig optimistisch. 2025 sei eher als «Durchhaltejahr» zu sehen.

Steigende Preise für Baustoffe, hohe Kosten für Heimwerker

Die Firmen stehen vor verschiedenen Herausforderungen. Die Baukrise führt zu einer sinkenden Nachfrage nach Baumaterialien und Werkzeugen. Kunden verschieben nach wie vor größere Renovierungsprojekte. Die steigenden Preise für Baustoffe wie Holz oder Dämmstoffe erhöhen die Kosten für Heimwerker.

Der Verband beobachtet jedoch einen positiven Effekt. Aufgrund hoher Handwerkerpreise und langer Wartezeiten übernehmen viele Menschen Renovierungs- und Reparaturarbeiten selbst. Das führt zu einem Anstieg der Besucherzahlen in Baumärkten.

Laut Verband gibt es in Deutschland 2.030 Fachmärkte mit einer Größe von über 1.000 Quadratmetern. Die Anzahl der Beschäftigten beträgt etwa 480.000, einschließlich Lieferanten.

Hornbach zeigt sich trotz mauer Konsumstimmung zufrieden

Der Baumarktkonzern Hornbach hatte auch im Ende Februar beendeten Geschäftsjahr 2024/25 mit der Kaufzurückhaltung der Kunden zu kämpfen. Trotzdem gelang es dem Management, die Kosten im Griff zu behalten und von niedrigeren Rohstoffpreisen zu profitieren, wodurch das Unternehmen seinen operativen Gewinn überraschend deutlich steigerte. Das bereinigte Ergebnis (bereinigtes Ebit) erhöhte sich im Jahresvergleich um 6 Prozent auf 270 Millionen Euro, wie die Hornbach Holding auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt gab.

Der Umsatz betrug 6,2 Milliarden Euro, was leicht über dem Vorjahr lag. Das Baumarktgeschäft verzeichnete im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 1,2 Prozent, während die Baustoff-Sparte aufgrund der schwachen Branchenkonjunktur in Deutschland Einbußen von gut sechs Prozent hinnehmen musste.

dpa