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Wirecard: Dritter Angeklagter laut Gutachten unauffällig

Drei ehemalige Spitzenmanager stehen im Wirecard-Prozess vor Gericht: Zwei beschuldigen sich gegenseitig, der dritte schweigt. Doch könnte nun Bewegung in das Mammutverfahren kommen.

Im Wirecard-Prozess stehen der ehemalige Vorstandschef und zwei weitere frühere Manager vor Gericht.
Foto: Peter Kneffel/dpa

In einem entscheidenden Zwischenschritt des Münchner Wirecard-Prozesses haben Psychiater und Psychologe den bisher schweigsamen dritten Angeklagten E. als seelisch unauffällig eingestuft. Der 49-jährige ehemalige Chefbuchhalter des im Jahr 2020 zusammengebrochenen Dax-Konzerns wird laut den beiden Gutachtern Norbert Nedopil und Maximilian Wertz weder als autistisch veranlagt noch anderweitig psychisch auffällig betrachtet.

E. könnte eine entscheidende Rolle im weiteren Verlauf des Prozesses spielen, da er der einzige der drei Angeklagten ist, der schweigt. Bisher steht Aussage gegen Aussage: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Wirecard, Markus Braun, bestreitet entschieden den Hauptanklagevorwurf des Milliardenbetrugs. Der ehemalige Manager des Konzerns in Dubai, Oliver Bellenhaus, hat hingegen sowohl Braun als auch E. beschuldigt, Mittäter gewesen zu sein.

E. überlegt mittlerweile jedoch, sein Schweigen zu durchbrechen. In den kommenden Wochen ist ein weiteres Rechtsgespräch seiner Verteidiger mit der Kammer geplant. Der Nachkomme eines alten Adelsgeschlechts hatte die Gutachten selbst angefordert, um eine mögliche autistische Störung klären zu lassen – eine solche Störung wäre für die Beurteilung der Schuldfähigkeit relevant.

«Er war weitgehend unauffällig, unauffällig gekleidet, unauffällig im Verhalten», sagte der psychiatrische Sachverständige Nedopil. Psychologe Wertz bescheinigte E. einen IQ von 110 im oberen Normbereich und «keine hinreichenden Hinweise auf eine Autismusspektrumsstörung». Im Laufe des Verfahrens hatten viele Zeugen den langjährigen Leiter der Wirecard-Buchhaltung als kundigen und kompetenten Finanzmann beschrieben, mit Hang zu Wutausbrüchen  

Gemäß der Anklage soll E. zusammen mit dem ehemaligen Wirecard-Vorstandsvorsitzenden Markus Braun und dem Kronzeugen Oliver Bellenhaus Teil einer Betrügerbande in der Führungsebene von Wirecard gewesen sein, die über Jahre hinweg nicht existierende Scheinumsätze in Milliardenhöhe erfunden hat.

dpa