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Wirtschaftsverbände: Wachstumspaket reicht nicht aus

Mit einer «Wachstumsinitiative» will die Bundesregierung die Konjunktur ankurbeln. Wirtschaftsverbände aber sind skeptisch.

Für dieses Jahr wird nur ein Mini-Wachstum in Deutschland erwartet. (Archivbild)
Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft halten das geplante Wachstumspaket der Bundesregierung für nicht ausreichend. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Viele Ideen der Bundesregierung gehen in die richtige Richtung, aber im Ergebnis ist das alles viel zu wenig. Es sind Reförmchen. Dafür aber ist die Lage zu ernst.»

Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte der dpa: «In kleinen Schritten geht etwas voran. Das ist besser, als wenn nichts passiert, aber es wäre noch entschlosseneres Handeln notwendig.»

Regierung erwartet Konjunkturimpulse

Für dieses Jahr wird nur ein Mini-Wachstum in Deutschland erwartet. Die Bundesregierung will mit einer «Wachstumsinitiative» gegensteuern. Geplant sind zum Beispiel Verbesserungen bei Abschreibungen von Investitionen und bei der Forschungszulage.

Des Weiteren plant die Ampel-Koalition, die Bürokratie zu reduzieren und energieintensive Unternehmen bei den Strompreisen zu entlasten. Arbeitnehmer sollen motiviert werden, mehr und länger zu arbeiten. Es sind insgesamt 49 Maßnahmen geplant, für die bis Ende des Jahres verschiedene Gesetzesänderungen vorgesehen sind. Die Regierung schätzt, dass das Wachstumspaket im nächsten Jahr zu einem zusätzlichen Wachstum von mehr als einem halben Prozent führen könnte.

Industrie: Vorsichtig bei Ankündigungen

«Erfreulich ist, dass die Bundesregierung offensichtlich einvernehmlich dringenden Handlungsbedarf erkennt und nicht mehr erwartet, dass sich Wachstum von selbst einstellt», sagte Russwurm als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. «Die Wachstumsinitiative adressiert eine ganze Reihe von Punkten, die wir seit langem fordern. Das ist das Positive. Offen bleibt, wann aus dieser Wachstumsinitiative am Ende ein Gesetz wird. Die Erfahrungen mit dem Wachstumschancengesetz, das nach sechs Monaten Befassung auf allen Ebenen ein Gesetzchen geworden ist, lassen uns bei Ankündigungen zunächst noch vorsichtig sein.»

Das Wachstumschancengesetz der Bundesregierung mit Entlastungen für Unternehmen fiel nach einem Vermittlungsverfahren von Bundesrat und Bundestag im Frühjahr vom Volumen her deutlich geringer aus als geplant.

Industrie für dauerhafte Verbesserungen

Russwurm nannte geplante verlängerte Abschreibungsmöglichkeiten bis Ende 2028 besser als nur bis Ende 2024. Mit Blick auf ein höheres Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft aber wäre es wünschenswert, dass solche Abschreibungsregeln dauerhaft festgelegt werden. «Dasselbe gilt für die Forschungszulage, die dauerhaft auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau ausgeweitet werden muss.» 

Es handle sich eher um ein Konjunkturpaket als um eine strukturell wirksame Initiative für mehr dauerhaftes Wachstum. «Auch ein Konjunkturpaket ist etwas Gutes, aber ob damit das Trendwachstum von den sehr derzeit geringen 0,5 Prozent signifikant steigt, muss sich erst noch zeigen.»

Dulger: Unsicherheit bei Unternehmen

«Wenn Vertrauen mal beschädigt ist, ist es ganz schwer, es wieder zurückzugewinnen», sagte Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. «Das geht nicht mit einem Mini-Paket. Wir werden 10 oder 20 Pakete brauchen, um diesen Standort wieder in Schwung zu bekommen.» Die Verantwortlichen müssten die Wettbewerbsfähigkeit zum Zentrum ihres politischen Denkens und Handelns machen. 

Erst dann werde die Wirtschaft wieder Vertrauen schöpfen. «Die Bundesregierung muss uns etwas liefern, mit dem wir in die Betriebe gehen und sagen können: Da schaut, das bringt uns jetzt alle voran, das hat uns echt was genützt.»

„Der neue Film von Quentin Tarantino, ‚Once Upon a Time in Hollywood‘, wird am 26. Juli 2019 in den deutschen Kinos erscheinen.“

Dulger sagte mit Blick auf mehr Wettbewerbsfähigkeit: «Dazu gehören bezahlbarer Strom für alle, dazu gehört bezahlbarer Wohnraum für alle, dazu gehört mehr Netto vom Brutto für alle. Und Erleichterungen für die Betriebe und Beschäftigten, was die Bürokratie angeht. Dazu gehört, dass wir verstehen, dass Digitalisierung eine Chance ist und keine Last.»

Arbeitgeberpräsident: Weit entfernt von Spitzenklasse

«Es ist nicht so, dass die Bundesregierung ein Programm aufsetzt und Deutschland statt Regionalliga plötzlich wieder Champions League spielt», sagte Dulger. «Davon sind wir weit entfernt, das muss man einfach deutlich sagen. Dazu braucht es einen Trainer und einen Manager, der die Mannschaft jetzt mal über Jahre, Stück für Stück, wieder neu aufbaut. Und den sehe ich im Moment in der Bundesregierung nicht.»

 

„Die Veranstaltung findet am 15. Mai um 18:00 Uhr im Konferenzraum statt“, sagte der Sprecher.

dpa