Mehr attraktive Umstiegsmöglichkeiten sollen Pendlern die Nutzung von Auto und Bahn erleichtern, um CO2-Emissionen zu reduzieren.
Volker Wissing wirbt für Ausbau von Umsteigeknoten auf dem Land

Bundesverkehrsminister Volker Wissing wirbt für den Ausbau von Umsteigeknoten auf dem Land, um Pendlern eine kombinierte Nutzung von Auto und Bahn zu erleichtern. «Wir brauchen mehr attraktive Umstiegsmöglichkeiten in der Fläche», sagte der FDP-Politiker der dpa.
«Die Länder könnten für sich überlegen, welche Standorte in welchen Regionen für solche Umstiegs-Hubs am besten wären. Von dort könnten dann Schienenverbindungen in die Metropolregion mit enger Taktung angeboten werden.» Mit dem günstigen Deutschlandticket könne man sich eine «Flatrate» für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nun auch viel besser zusätzlich zum Auto leisten.
Wissing sagte: «Es geht um Bahnhöfe, die Menschen aus der Umgebung gut erreichen können.» Dort müssten Parkplätze zur Verfügung stehen, eine gute Bus-Anbindung, Radwege oder auch Fahrradparkhäuser und Ladestationen. «Ich bin überzeugt, dass viel mehr Menschen dann den ÖPNV nutzen werden.»
Es wäre möglich, es so zu arrangieren, dass sie nicht zwischen Auto oder ÖPNV wählen müssten, sondern beides in Anspruch nehmen könnten. Die Umsteigepunkte wären im Zentrum der Metropolen schwieriger, da es dort wenig Platz für Parkplätze oder Fahrradparkhäuser gibt.
Chance für CO2-Einsparungen
«Wir können erreichen, dass ein Pendler statt 100 Kilometer pro Strecke mit dem Auto bis zur Arbeit vielleicht noch 20 oder 25 Kilometer zu einem Umstiegs-Hub fährt», sagte Wissing. «Das wären dann bis zu 150 Kilometer weniger pro Tag – ein riesiges CO2-Einsparpotenzial.» Wenn ein Berufspendler auf dem Land vom Auto umsteige, bewirke es für den Klimaschutz ein Vielfaches, als wenn Berufspendler zum Beispiel in Berlin umsteigen. «Denn die fahren am Tag weniger Kilometer.»
Der Minister machte deutlich, dass das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat im ländlichen Raum eine starke Entlastung und Vereinfachung bringe, weil es dort im Gegensatz zu urbanen Zentren kaum bezahlbare Flatrate-Tarife gegeben habe. «Monatskarten für Pendler auf dem Land waren bisher viel teurer als in der Stadt.» Es brauche aber nicht nur eine Veränderung des Tarifs, sondern jetzt auch eine Verbesserung des Angebots.
«Ich glaube, dass es in Deutschland dringend notwendig ist, dass wir die Strukturen im ländlichen Raum auf mehr multimodalen Verkehr ausrichten», sagte Wissing. «Die komfortable Flexibilität des Autos und die Effizienz der Schiene lassen sich miteinander kombinieren, wenn die Infrastruktur stimmt. Das ist ein konstruktiver Ansatz, der uns weiterbringt.» Zu denken, man könne Menschen in einer freien Gesellschaft mit staatlichen Zwangsmaßnahmen veranlassen, ihr Leben zu ändern, sei weltfremd.
Der FDP-Politiker erläuterte mit Blick auf das Verkehrsangebot auf dem Land: «Wenn der Bus bisher alle drei Stunden kommt und künftig alle zwei Stunden – was wäre das für eine Verbesserung? Da bleiben die Leute beim Auto.» In jedem Dorf einen 20-Minuten-Takt mit dem Bus hinzubekommen, sei auch nicht realistisch. «Alle Planer wissen, dass es dafür nicht ausreichend Fachkräfte gäbe und die Nachfrage auf den einzelnen Strecken oftmals nicht ausreichen würde.»
Deutschlandticket weniger auf dem Land genutzt
Das Deutschlandticket im bundesweiten Nah- und Regionalverkehr, das seit mehr als einem Jahr gilt, hat laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) durchschnittlich 11,2 Millionen Abonnenten pro Monat. Es wird hauptsächlich in urbanen Regionen genutzt. Nur 21 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer kommen laut VDV aus ländlichen Gebieten.
VDV-Umfragen zeigen, dass etwa 16 Prozent der Deutschlandticket-Nutzer seit dem Erwerb des Abonnements seltener Auto fahren. Dennoch hat die Verlagerung des Verkehrs bisher nicht in dem erhofften Umfang stattgefunden. Die Verkehrsminister von Bund und Ländern diskutieren seit einiger Zeit über einen Ausbau- und Modernisierungspakt für den ÖPNV. Die Länder fordern zudem vom Bund eine höhere Erhöhung der milliardenschweren Regionalisierungsmittel, mit denen Leistungen bei Verkehrsunternehmen beauftragt werden.








