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Zahl der Aktionäre in Deutschland wieder gesunken

Der Höhenflug war nur von kurzer Dauer: Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist wieder geschrumpft. Von einer Trendwende nach unten will das Aktieninstitut aber nichts wissen.

Im vergangenen Jahr gab es weniger Aktionärinnen und Aktionäre als zuvor. Dennoch geht das Deutsche Aktieninstitut davon aus, dass in den kommenden Jahren mehr Deutsche auf Aktien, Aktienfonds und ETFs setzen.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Ist der Börsenboom in Deutschland bereits vorbei? Nachdem er im Jahr 2022 seinen Höhepunkt erreicht hatte, ist die Anzahl der Aktionärinnen und Aktionäre im letzten Jahr wieder auf etwas weniger als 12,32 Millionen gesunken. Ein Jahr zuvor hatten etwas über 12,89 Millionen Menschen Aktien, Aktienfonds oder börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in ihrem Depot – das war die höchste Anzahl seit 1997, als das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mit der Erhebung begonnen hat. War das nur ein kurzlebiger Erfolg?

Der Rückgang um etwa 570.000 ändere «nichts am langfristigen Trend nach oben», betonte das Aktieninstitut. Im vierten Jahr in Folge liege die Zahl der Aktiensparer stabil über der Marke von zwölf Millionen.

«Angesichts von Zinswende, anhaltend hoher Inflation und eingetrübten wirtschaftlichen Aussichten ist die Zahl der Aktiensparer ein gutes Ergebnis», bilanzierte die Chefin des Aktieninstituts, Christine Bortenlänger. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren war den Berechnungen zufolge 2023 gut jeder Sechste (17,6 Prozent) am Aktienmarkt engagiert. Die höchste Quote in Deutschland gab es 2001 mit 20 Prozent.

Inflation und gestiegene Sparzinsen als Bremse

Das Institut führt den Rückgang der Aktionäre von 2022 auf 2023 unter anderem auf die Teuerung zurück, wodurch viele Menschen weniger Geld zum Anlegen hatten. Laut vorläufigen Berechnungen lagen die Verbraucherpreise im Durchschnitt des Jahres 2023 um 5,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Zudem dürften die gestiegenen Sparzinsen Anleger von der Börse weggelockt haben. «Tages- und Festgeld feierten ein Comeback. Vor diesem Hintergrund ist die stabile Zahl der Aktiensparer ein gutes Ergebnis», konstatierte das Aktieninstitut. Mancher Anleger nutzte wohl auch den Rekordstand des Deutschen Aktienindex zum Jahresende dafür, Gewinne mitzunehmen. Der Dax war Mitte Dezember bis auf 17.003 Zähler gestiegen.

Viele Jüngere verkauften Aktien

Vor allem bei Jüngeren sank die Zahl der Aktionäre im vergangenen Jahr: Von den unter 40-Jährigen verkauften 514.000 ihre Aktieninvestments. Insgesamt zeigen die aktuellen Zahlen nach Interpretation des Aktieninstituts jedoch: «Die Anlegerinnen und Anleger haben verstanden. Aktien, Aktienfonds und ETFs sind unverzichtbar für Vermögensaufbau und Altersvorsorge, denn ein breit gestreutes Aktienportfolio bringt langfristig sechs bis neun Prozent Ertrag im Jahr.»

Einer Analyse der DZ Bank zufolge sorgten Kurssteigerungen maßgeblich dafür, dass die privaten Haushalte in Deutschland im vergangenen Jahr in Summe reicher wurden: «Im Geldvermögen der deutschen Bevölkerung machte sich das in Wertzuwächsen von rund 200 Milliarden Euro bei Aktien, Fonds und Zertifikaten bemerkbar.» Allerdings stecken demnach nur gut 1,8 Billionen der insgesamt mehr als 7,9 Billionen Euro Geldvermögen in Aktien und Fonds. Spareinlagen und Bargeld machen nach DZ-Bank-Berechnungen 3,2 Billionen Euro aus.

Institut: Politik muss Aktienkultur fördern

Seit Jahren wird in Deutschland darüber diskutiert, wie man die Aktienkultur stärken kann. Doch der Start eines sogenannten Generationenkapitals, das die gesetzliche Rente mit Aktienrenditen stärken soll, wurde verschoben. «Auf Berliner Fluren spukt weiterhin das falsche Narrativ der Zockerei am Aktienmarkt», kritisierte das DAI. «Der entsprechende Gesetzentwurf wandert weiter zwischen den Ressorts hin und her. Ein fatales Signal.» Im Gegensatz zu anderen Industrienationen verpasse Deutschland somit die Chance, «den Schalter für eine bessere Altersvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger umzulegen». In den USA zum Beispiel fördert schon lange der Staat die Altersvorsorge über den Kapitalmarkt stärker.

Es ist daher nicht überraschend, dass die Mehrheit der Anteilseigner der 40 Unternehmen in der ersten deutschen Börsenliga aus dem Ausland stammt: Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens EY für 2022 sind bei 24 Dax-Konzernen ausländische Investoren in der Überzahl. Im Durchschnitt werden demnach 20 Prozent der Aktien eines Dax-Konzerns von Aktionären aus Nordamerika gehalten. Das bedeutet auch, dass ein großer Teil der erwarteten Rekordausschüttung der Unternehmen im Index für das Geschäftsjahr 2023 – laut Berechnungen der Dekabank fast 55 Milliarden Euro – ins Ausland fließen wird.

DAI-Chefin Bortenlänger mahnte: «Die Regierung darf jetzt nicht länger zögern und muss das Generationenkapital in diesem Jahr endlich einführen.»

dpa