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Selbstständigkeit in Deutschland: Gründergeist schwach, Finanzwissen gefragt

Die Zahl der Existenzgründungen stieg um 3 Prozent, doch nur 24% würden Selbstständigkeit einer Anstellung vorziehen. Finanzielle Aspekte lassen Gründungspläne scheitern.

Ab einem Alter von 30 Jahren würde sich nur noch jeder fünfte für die Selbstständigjeit entscheiden.
Foto: Andreas Arnold/dpa

Nach einem Rückgang im Jahr 2022 haben im vergangenen Jahr wieder etwas mehr Menschen in Deutschland den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Laut dem veröffentlichten Gründungsmonitor der staatlichen Förderbank KfW stieg die Zahl der Existenzgründungen leicht um 3 Prozent. Insgesamt haben 568.000 Menschen den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit gewagt.

Für das laufende Jahr ist die KfW wenig optimistisch. Der Anteil derjenigen in der Bevölkerung, die aktiv eine Gründung planen, ist den Angaben zufolge von 4,5 Prozent im Jahr 2022 auf zuletzt 3,6 Prozent gesunken. «Die Gründungstätigkeit hängt in einem Tief fest», sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Vor allem finanzielle Aspekte ließen Gründungspläne scheitern. «Das Finanzwissen müssen wir unbedingt stärken.»

Vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld erwartet Köhler-Geib weiter wenig Rückenwind. «Zusammen mit einer deutlich gesunkenen Zahl an Gründungsplanungen im vergangenen Jahr dürfte dies leider wieder für einen Rückgang der Gründungstätigkeit 2024 sorgen». Jährlich werden den Angaben zufolge etwa doppelt so viele Gründungspläne abgebrochen, wie Gründungen verwirklicht werden.

Immer weniger Menschen wollen in die Selbstständigkeit

Insgesamt bleibt laut KfW der Gründergeist in Deutschland eher schwach: Nur 24 Prozent der 18- bis 67-Jährigen würden unabhängig von ihrer aktuellen Situation die Selbstständigkeit einer Anstellung vorziehen (Vorjahr: 23 Prozent). Zu Beginn des Jahrtausends war die Präferenz für eine Selbstständigkeit noch doppelt so hoch. Dabei spielten auch gesamtwirtschaftliche Trends eine Rolle, wie der Arbeitsmarktboom ab dem Jahr 2006.

Die Bevorzugung für ein eigenes Unternehmen sinkt ab einem Alter von 30 Jahren auf nur noch 20 Prozent, während bei den unter 30-Jährigen noch 36 Prozent diese Präferenz haben. Die Gesellschaft wird außerdem immer älter.

Laut der KfW bestehen die größten Vorbehalte gegen eine Selbstständigkeit hauptsächlich aufgrund von finanziellen Risiken (73 Prozent), bürokratischen Hürden (69 Prozent), geringer Einkommenssicherheit (64 Prozent), geringer sozialer Sicherheit (62 Prozent) und Sorgen bezüglich Finanzierungsproblemen (60 Prozent). Mehrfachantworten waren möglich. Die Datenbasis des KfW-Gründungsmonitors beruht auf repräsentativen Bevölkerungsbefragungen, bei denen jährlich 50.000 zufällig ausgewählte Personen in Deutschland interviewt werden.

dpa