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Zahl der Ost-West-Pendler erreicht Rekord

Vor dem Job in den Zug oder auf die Straße: Für Hunderttausende aus den östlichen Bundesländern liegen die beruflichen Chancen nach wie vor im Westen. Ihre Zahl wächst.

Studien belegen, dass insgesamt mehr Berufstätige pendeln.
Foto: Oliver Berg/dpa

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit steigt die Anzahl der Berufspendler von Ost nach West. Fast 447.000 Menschen hatten im letzten Jahr ihren Hauptwohnsitz in den östlichen Bundesländern und arbeiteten im Westen, etwa 50.000 mehr als vor zehn Jahren. Dies geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor, die vom Linken-Bundestagsabgeordneten Jan Korte abgefragt wurden. Auch in umgekehrter Richtung ist die Zahl deutlich gestiegen: von knapp 118.000 im Jahr 2013 auf rund 235.000 zehn Jahre später.

«Die Zahl der Ost-West-Pendler ist auf einen neuen Rekordstand geklettert», sagte Korte und schloss daraus: «Immer mehr Menschen sind gezwungen weite und lange Fahrten auf sich zu nehmen, um zur Arbeit zu kommen.» Damit entpuppten sich die Versprechen von blühenden Landschaften im Osten als Luftnummer, meinte der Linken-Abgeordnete mit Wahlkreis in Sachsen-Anhalt.

Studien zeigen tatsächlich, dass die Anzahl der berufstätigen Pendler insgesamt gestiegen ist. Laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung waren am Stichtag 30. Juni 2022 20,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte pendelnd, was einem Anteil von 60 Prozent entspricht. Davon fuhren 7,1 Millionen mehr als 30 Kilometer und 3,9 Millionen sogar über 50 Kilometer – jedoch nicht unbedingt jeden Tag im Homeoffice. Die Experten damals sagten, dass flexiblere Arbeitsmodelle kleinere Städte als Wohnorte attraktiver machen.

Linken-Politiker Korte verwies jedoch auf negative Folgen des Pendelns: «Die Zahlen zeigen, dass wir uns eher weiter von einer nötigen Mobilitätswende entfernen, als ihr näher zu kommen.» Das System der Pendlerpauschalen sei ungerecht, weil es Besserverdiener begünstige. «Anstelle der Pendlerpauschale brauchen wir ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld, das als fester Betrag pro Kilometer Arbeitsweg für alle Pendler gleich hoch ist», forderte Korte.

Zugleich brauche es einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in der Fläche und Strukturförderung im Osten, «damit wir den Pendlerverkehr verringern und weg vom Auto hin zu Bussen, Bahn und Fahrrad bekommen», meinte der Bundestagsabgeordnete.

dpa