Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass jeder vierte Beschäftigte in Deutschland in den nächsten zehn Jahren in Rente geht. Zuwanderung spielt eine entscheidende Rolle, um den Arbeitsmarkt abzusichern und den Rückgang der Arbeitskräfte zu kompensieren.
Zuwanderung als Schlüssel zur Stabilität: Herausforderungen durch den Rentenabgang der Babyboomer

Die zentrale Fragestellung, die sich aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung ergibt, ist die Rolle der Zuwanderung im deutschen Arbeitsmarkt. Angesichts der bevorstehenden Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge, auch bekannt als Babyboomer, wird deutlich, dass der Arbeitsmarkt ohne ausländische Arbeitskräfte vor erheblichen Herausforderungen steht.
Demografische Veränderungen und ihre Auswirkungen
In den kommenden zehn Jahren wird jeder vierte der 35,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland in den Ruhestand treten. Dies hat zur Folge, dass das Angebot an Arbeitskräften bis 2040 um zehn Prozent und bis 2060 sogar um ein Viertel zurückgehen könnte, so die Studienautoren. „Der deutsche Arbeitsmarkt ist also auf Zuwanderung angewiesen“, betonen sie.
Branchen im Fokus
Besonders betroffen sind Branchen mit einem niedrigeren Anforderungsniveau. Die Studie unterscheidet zwischen vier Beschäftigungsprofilen: Experten, Spezialisten, Fachkräfte und Helfer. Während der Anteil der Experten unter deutschen Beschäftigten bei 15,5 Prozent liegt, beträgt er bei ausländischen Beschäftigten nur 10,1 Prozent. Bei Personen aus Asylherkunftsländern liegt dieser Anteil sogar bei lediglich 6,4 Prozent.
Häufige Beschäftigungsarten von Ausländern
- Helfer: 44,9 Prozent
- Fachkräfte: 44,3 Prozent
- Spezialisten: 4,1 Prozent
Im Vergleich dazu sind unter deutschen Beschäftigten nur 12,2 Prozent als Helfer tätig, während 55,2 Prozent Fachkräfte und 16,6 Prozent Spezialisten sind.
Herausforderungen bei der Integration
Die Studie weist darauf hin, dass ausländische Beschäftigte häufig in niedrig qualifizierten Positionen arbeiten, selbst wenn sie über höhere Qualifikationen verfügen. Deutsche Beschäftigte hingegen sind oft überqualifiziert für ihre Positionen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, darunter sprachliche Barrieren und Diskriminierung.
Verteilung der ausländischen Beschäftigten
Insgesamt haben 17 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der höchste Anteil an ausländischen Beschäftigten findet sich in folgenden Branchen:
- Reinigungsberufe: 47,5 Prozent
- Lebensmittelherstellung und -verarbeitung: 43,7 Prozent
- Tourismus, Hotel- und Gastronomie: 36,3 Prozent
- Hoch- und Tiefbau: 33,6 Prozent
- Pflegeberufe: 20,6 Prozent
Diese Zahlen verdeutlichen die Abhängigkeit bestimmter Sektoren von ausländischen Arbeitskräften.
Unterschiedliche Beschäftigungsquoten
Während die Zahl der deutschen Beschäftigten in sozialversicherungspflichtigen Jobs zurückgeht, steigt der Anteil der ausländischen Beschäftigten. Dennoch können diese den Rückgang der deutschen Arbeitskräfte nicht vollständig ausgleichen, sondern lediglich abfedern. Die Beschäftigungsquote von Personen aus Asylherkunftsländern liegt bei 44 Prozent, während sie bei EU-Ausländern 59,1 Prozent beträgt.
Potenziale der ausländischen Frauen
Ein besonders auffälliger Unterschied zeigt sich bei geflüchteten Frauen. Nach neun Jahren in Deutschland sind lediglich 35 Prozent von ihnen in abhängiger Beschäftigung, während 76 Prozent der geflüchteten Männer in dieser Zeit sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt sind. Die Studienautoren sehen hier großes Potenzial, das durch gezielte Integrationsmaßnahmen erschlossen werden könnte.
Empfehlungen zur Verbesserung der Integration
Um die Integration von Zugewanderten zu fördern, sind laut den Autoren der Studie umfassende Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören:
- Verlässliche Finanzierung von Sprachförderung
- Verknüpfung von Qualifizierung und Kinderbetreuung
- Berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten
Zusätzlich wird auf die bürokratischen Hürden bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse hingewiesen, die dringend abgebaut werden müssen.
Quellen: n-tv








