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Größte Umsiedlung von Wisenten: Deutschland nach Aserbaidschan

Wisente aus Berlin und NRW werden in den Kaukasus verlegt, um dort langfristig ausgewildert zu werden.

Schnell raus aus der Kiste - das Leben in Freiheit ist für die Tiere neu (Handoutbilder).
Foto: Emil Khalilov/Zoo Berlin/dpa

18 Wisente aus Deutschland wurden per Frachtflugzeug und Lkw in den Kaukasus in Aserbaidschan umgesiedelt. Von den Tieren stammen zwölf aus dem Tierpark Berlin und sechs aus einem Wisentprojekt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen, berichteten der WWF Deutschland und der Tierpark Berlin.

Die Wisente, die bis zu 1.000 Kilogramm wiegen, werden zunächst in einem Auswilderungsgehege im Shadagh Nationalpark im Norden Aserbaidschans gehalten, wie eine Sprecherin des Tierparks erklärte. Nach einigen Monaten werden sie dann vollständig in die Freiheit entlassen.

Folgen von Wilderei und Abholzung 

Der WWF und der Tierpark Berlin führen seit 2019 ein Wiederansiedlungsprojekt für Wisente durch. Der aktuelle Umzug von 18 Tieren ist die größte einzelne Umsiedlung seit Beginn des Projekts. Der Nationalpark ist eines der größten Schutzgebiete des Kaukasus und bietet mit seinen ausgedehnten Berg-, Wald- und Offenlandstrukturen ideale Voraussetzungen für eine langfristig stabile Wisentpopulation.

Früher waren Wisente in ganz Europa verbreitet, wie Tierpark und WWF erklärten. Doch im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden die Tiere in der Wildnis Europas ausgerottet und überlebten ausschließlich in zoologischen Einrichtungen. 1927 sei der letzte Wisent im Kaukasus erschossen worden. Auch die Abholzung von Wäldern habe den Tieren geschadet.

Rückkehr in die Wälder

Laut WWF gibt es weltweit heute wieder rund 10.000 Wisente, die mithilfe von Schutz- und Zuchtprogrammen in zoologischen Einrichtungen, Naturreservaten und in der Wildnis existieren. Das Wiederansiedlungsprojekt von Tierpark und Zoo brachte bislang 64 Wisente nach Aserbaidschan, wo sie sich erfolgreich vermehrten. Im Jahr 2025 wurden allein neun Kälber geboren. Mit dem Zuwachs aus Berlin und NRW leben nun etwa 90 Wisente in dem Nationalpark.

«Die Rückkehr des Wisents in die Urwälder des östlichen Großen Kaukasus ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung nationaler, regionaler und internationaler Naturschutzziele zum Erhalt der Biodiversität», erklärte Projektleiter Aurel Heidelberg, Referent für die Ökoregion Kaukasus beim WWF Deutschland.

Schwergewichtige Europäer

Gemäß dem WWF sind Wisente die größten Landsäugetiere Europas. Männliche Tiere können bis zu 1.000 Kilogramm wiegen, weibliche bis zu 700 Kilogramm. Die wilden Rinder erreichen eine Schulterhöhe von bis zu zwei Metern. Sie leben in Herden mit etwa zehn bis zwölf Tieren.

Die Bullen sind ab einem Alter von drei Jahren als Einzelgänger unterwegs. Wisente sind Wiederkäuer und ernähren sich von Gräsern, frischem Laub, Baumrinde und Sträuchern. Ein ausgewachsener Wisent braucht laut WWF pro Tag rund 60 Kilogramm Nahrung.

Wisent oder Bison?

Wisente (Bos bonasus) und amerikanische Bisons (Bos bison) ähneln sich nicht nur sehr, sondern sind tatsächlich eng miteinander verwandt. Es gibt jedoch Unterschiede: Bisons leben in der Prärie, während Wisente feuchte Laubmischwälder bevorzugen. Darüber hinaus sind Wisente etwas schlanker und haben längere Beine als Bisons.

Laut dem WWF verfügt der Kaukasus über eine außerordentlich hohe biologische Vielfalt. Es gibt Berge, Wälder, Gletscher und trockene Steppen. Nicht nur Wisente sind dort beheimatet: Es wird berichtet, dass in der Region auch die letzten Leoparden Europas zu finden sind. Zudem beherbergt sie Braunbären, Wölfe und Luchse.

dpa