Er soll Männern gegen Bezahlung in seinem Wohnzimmer unter anderem Hoden entfernt haben. Jetzt steht der 74-Jährige wegen dieser Eingriffe vor Gericht. Der Fall weckt Erinnerungen.
74-Jähriger soll Männer in seinem Wohnzimmer kastriert haben

Ein 74-jähriger Mann ohne medizinische Ausbildung wird beschuldigt, Kastrationen und andere operative Eingriffe gegen Bezahlung angeboten und durchgeführt zu haben. Aus diesem Grund steht der Mann aus Sömmerda in Thüringen seit heute wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Erfurt.
Um die Opfer zu schützen, wurde die Anklage in Abwesenheit der Öffentlichkeit verlesen. Der 74-Jährige soll in acht Fällen Eingriffe vorgenommen haben. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft soll es sich um sieben Männer aus verschiedenen Regionen Deutschlands handeln. Der 74-Jährige ist unter anderem wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, da die Betroffenen angeblich dauerhaft ihre Fortpflanzungsfähigkeit verloren haben sollen.
Kastrationen im Internet angeboten
Der Beschuldigte wird beschuldigt, seine Dienste in Internetforen angeboten und die Eingriffe im Wohnzimmer seiner Wohnung durchgeführt zu haben. Es wird behauptet, dass es dabei unter anderem um die Amputation von Hoden und Penis gegangen sei. Die betroffenen Männer sollen für die Eingriffe zwischen 500 und 2200 Euro gezahlt haben.
Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass die Taten strafbar sind, obwohl die betroffenen Männer sich freiwillig dazu bereit erklärt haben. Falls es zu einer Verurteilung kommt, beträgt der Strafrahmen laut Staatsanwaltschaft zwischen drei und 15 Jahren.
Beim Beginn des Prozesses schwieg der Angeklagte selbst. Allerdings erklärte sein Verteidiger, dass der Mann möglicherweise im weiteren Verlauf der Verhandlung Stellung nehmen werde. Es ist unklar, wann der Prozess fortgesetzt wird. Der Angeklagte ist selbst krank und beabsichtigt, sich einer Operation zu unterziehen.
Erinnerungen an Fall aus Bayern
Die Eckdaten erinnern an einen Fall aus Bayern: Im Dezember 2021 wurde am Landgericht München II ein damals 67 Jahre alter Elektriker wegen schwerer, gefährlicher und einfacher Körperverletzung zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt. Er hatte zugegeben, in Sadisten-Foren im Internet «Kastrationen» angeboten zu haben. Mehrere Männer zahlten ihm demnach Geld dafür, dass er sie beispielsweise folterte und die Hoden entfernte. Einer der Männer starb nach dem Eingriff – woran, konnte das Gericht nicht mehr ergründen.








