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Lachgas als Partydroge: DGN warnt vor schweren neurologischen Folgen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie warnt vor den Folgen des Lachgaskonsums, der als Partydroge immer beliebter wird und schwere gesundheitliche Schäden verursachen kann.

Die Lachgas-Kartuschen enthalten Distickstoffmonoxid.
Foto: Gerard Bottino/Zuma Press/dpa

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnt davor, vermeintlich harmloses Lachgas zu konsumieren. Nach Angaben der DGN könnten nach dem Einatmen des Narkosegases schwere neurologische Beschwerden oder Blutbildstörungen auftreten.

«Lachgas erobert derzeit als Partydroge Deutschland», hieß es in der Mitteilung. «Es gilt als vermeintlich risikoarm, da die Wirkung bereits nach wenigen Minuten nachlässt – doch das ist ein massiver Trugschluss!»

Viele Betroffene verschwiegen in der Klinik, dass sie Lachgas konsumiert hatten. Das erschwere häufig eine schnelle Diagnose – und damit einen raschen Therapiebeginn mit größeren Chancen, Langzeitschäden zu vermeiden. Gemeinsam mit der Deutschen Hirnstiftung fordert die DGN eine Informationsoffensive gerade für Jüngere. Denn die Gefahr durch Lachgas werde unterschätzt: «Die wenigsten Menschen wissen, dass sie schwere, möglicherweise auch lebenslange Folgen davontragen können.»

Euphorie und Halluzinationen

Lachgas ist Distickstoffmonoxid (N2O). Mit dem in höheren Mengen betäubend wirkenden Gas wurde vor mehr als 200 Jahren erstmals schmerzfreies Operieren möglich. Inzwischen sind meist andere Narkosemittel im Einsatz. Schon früh sei Lachgas auch als Partydroge genutzt worden, hieß es von der DGN. «Bereits vor 200 Jahren wurde es auf Jahrmärkten zur Vergnügung konsumiert – und erlebt derzeit eine unheilvolle Renaissance.»

Das Narkosegas wird immer häufiger verwendet, um die Stimmung aufzuhellen und Glücksgefühle sowie Halluzinationen bis hin zur Euphorie zu erzeugen. Der Konsum steigt vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In Nordrhein-Westfalen hat sich beispielsweise die Anzahl der dem Landeskriminalamt bekannten Missbrauchsfälle von 2022 bis 2023 mehr als verdreifacht.

Laut DGN ist es gefährlich, dass die Kartuschen bei Verwendung bis zu minus 55 Grad kalt sind. Direkte Inhalation kann zu schwersten Verletzungen an Fingern oder Lippen führen, aber auch zu Lungenrissen aufgrund des hohen Drucks des komprimierten, sich ausdehnenden Gases. Besonders besorgt sind Neurologinnen und Neurologen über die möglichen neurologischen Folgen. Diese reichen von Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffverdrängung in der Lunge bis hin zu Lähmungserscheinungen und Hirnschäden.

Verkauf und Konsum legal

Chronischer Konsum könne zudem einen B12-Mangel zur Folge haben, der wiederum schwere Blutbildstörungen verursache. Zudem seien neurologische Störungen wie die sogenannte funikuläre Myelose (Rückenmarkschaden) und periphere Neuropathie (Störung eines oder mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems) möglich. «Wird der B12-Mangel nicht rechtzeitig erkannt, sind diese Folgen mitunter nicht mehr reversibel», hieß es.

«Wir sehen in der Klinik immer mehr Menschen, die mit neurologischen Akut-, Subakut- oder Spätfolgen ärztlichen Rat suchen», erklärte Gereon Fink, Vorstandsmitglied der Deutschen Hirnstiftung und ehemaliger Präsident der DGN. «Den Lachgaskonsum erwähnen sie in der Regel bei Erstvorstellung nicht, wohl auch, weil die meisten gar keinen Zusammenhang herstellen, erst recht, wenn es sich um Spätfolgen handelt.»

In Deutschland ist der Verkauf und Konsum von Lachgas nicht illegal. In anderen Ländern wie den Niederlanden und Großbritannien wird es jedoch bereits als Droge eingestuft, so die DGN. In Frankreich ist der Verkauf an Minderjährige verboten.

dpa