Ist es nicht süß, wie das Mädchen den Hund feste drückt? Das mag so wirken – doch Betrachtern niedlicher Fellnasen-Videos entgeht, wie unglücklich Vierbeiner in derlei Situationen mitunter sind.
Analyse von Videos: Hundeverhalten wird oft missverstanden

Hundevideos sind beliebt in sozialen Medien. Doch vielfach fühlen sich die gezeigten Tiere keineswegs so wohl, wie viele Zuschauer, die eifrig Likes verteilen, offenbar annehmen, warnen Experten. Wie gestresst der Hund tatsächlich sei, werde besorgniserregend häufig gar nicht wahrgenommen – offensichtlich auch nicht von den Besitzern, was kritische Situationen zur Folge haben könne. «Wir plädieren für eine verstärkte Aufklärung sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern in Bezug auf die Kommunikation mit Hunden», erläutert die Forschergruppe im Fachjournal «Applied Animal Behaviour Science».
Hunde verfügen über ein umfangreiches Repertoire an Körpersprache, Signalen und Lautäußerungen, um zu kommunizieren. Von vielen Menschen würden diese Hinweise aber oft missverstanden oder gar nicht erst bemerkt, heißt es weiter. In vielen der in sozialen Medien präsentierten Videos fühle sich der Hund sichtlich nicht wohl, dennoch äußerten Zuschauer ein «Gefällt mir» mit ihrem Like.
Das Team von Elizabeth Ann Walsh vom Cork Pet Behaviour Centre in Irland hat 190 Videos mit vielen Likes auf Social-Media-Plattformen analysiert, in denen Hunde spielen, gestreichelt oder umarmt werden. Es wurde untersucht, welche Signale die Hunde über ihr Verhalten ausdrücken, um ihre Stimmung zu verstehen.
Die Tiere zeigen häufig Unbehagen, Furcht, Verwirrung und Angst, die der Mensch, der mit ihnen interagiert, jedoch offensichtlich nicht bemerkt, wie die Forscher erklären. Zu den typischen Stressindikatoren gehören das Abwenden des Kopfes, Blinzeln, Erstarren, Gähnen, Abschlecken des Menschen, Zurücklegen der Ohren und Hecheln.
Es ist alarmierend, wie Menschen mit ihren pelzigen Gefährten umgehen, ohne ihre Körpersprache oder Lautäußerungen zu verstehen. Ein typisches Beispiel in Videos ist das Umarmen und Festhalten, das für Hunde manchmal schwer zu deuten und zu verstehen ist: Wenn Hunde ihre Pfoten auf einen anderen Hund legen – analog zum menschlichen Umarmen – soll dies oft einschüchternd wirken.
In vielen Fällen bedeutet Unterwürfigkeit jedoch ein Lecken am Mund – und ist keineswegs immer ein Ausdruck von Liebe und Zuneigung. Viele Menschen finden es amüsant, wenn ein Hund herzhaft gähnt, mit den Lefzen schmatzt oder den Kopf abwendet – obwohl dies Signale für Unbehagen, Stress, Angst oder Nervosität sein könnten.
Die Personen im Video und die Zuschauer bemerkten oft nicht, wie unglücklich oder unwohl sich der Hund in der gezeigten Situation tatsächlich fühlt. Dies kann nicht nur Leid für den Hund bedeuten, sondern auch ein Risiko für den Besitzer darstellen, da das Tier in einigen Fällen irgendwann aggressiv reagieren könnte, wenn es sich zum Beispiel durch Umarmen und Drücken zu sehr bedrängt fühlt.








