Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen vier Polizisten erhoben, die einen Mann geschlagen und misshandelt haben sollen, der einen Diebstahl melden wollte.
Vier Polizisten wegen Misshandlung eines Mannes vor Gericht

Vier Polizisten der Wache am Berliner Alexanderplatz sollen einen Mann misshandelt haben, der einen Diebstahl melden wollte. Rund zweieinhalb Jahre später sollen die Männer nun vor Gericht kommen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen die damaligen Beamten der «Alex»-Polizeiwache, wie die Behörde mitteilte.
Den Mann sollen sie am 16. Juli 2021 geschlagen haben, wodurch er teilweise bewusstlos wurde. Um die Geschichte zu vertuschen, sollen die Polizisten später eine erfundene Geschichte erzählt haben. Die Anklage wirft ihnen unter anderem Körperverletzung im Amt, Verfolgung Unschuldiger, Nötigung im Amt und Freiheitsberaubung vor.
Laut Anklage ist der Hauptbeschuldigte ein 35-Jähriger, der bereits vor Gericht stand und mittlerweile freiwillig aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist. Mitangeklagt sind drei seiner früheren Kollegen im Alter von 26, 27 und 30 Jahren. Gemäß der Staatsanwaltschaft wurden sie zunächst versetzt.
Mit kraftvollem Schlag zu Boden gebracht
Nach den Ermittlungen suchte das spätere mutmaßliche Opfer die «Alex-Wache» in der Tatnacht gegen 2.00 Uhr auf, weil sein Portemonnaie weg war. Der Hauptangeklagte soll dem Mann die Tür geöffnet haben, ihm dann aber den Arm nach unten geschlagen haben – möglicherweise, um dessen Gestikulieren zu unterbinden. Daraufhin soll der Mann einen anderen Polizisten angesprochen und auf den 35-Jährigen gedeutet haben. Dieser habe ihn mit einem kraftvollen Schlag zu Boden gebracht und dort weiter angegangen. Die drei Kollegen sollen dieses Vorgehen gesichert haben, so dass der 35-Jährigen den Mann weiter misshandeln konnte.
Später sollen die Polizisten nach den Ermittlungen angeblich eine Version der Ereignisse vereinbart haben: Demnach soll der Mann versucht haben, sie mit einem Feuerzeug und einem Handy zu bewerfen. Aus diesem Grund wurde ein Ermittlungsverfahren wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte gegen ihn eingeleitet.
Laut den Ermittlungen soll das vermeintliche Opfer angeblich festgehalten und gefesselt worden sein. Anschließend soll die Rufbereitschaft der Staatsanwaltschaft kontaktiert worden sein, um eine Blutentnahme zur Alkoholmessung anzuregen. Dabei soll der diensthabende Jurist belogen worden sein, sodass letztendlich dem vermeintlichen Opfer ohne rechtliche Grundlage oder Zustimmung Blut abgenommen wurde.
Ex-Polizist verurteilt zu zwei Jahren und drei Monaten Haft
Der Hauptangeklagte steht nicht zum ersten Mal im Fokus der Ermittler. Laut Staatsanwaltschaft wurde der ehemalige Polizist im August 2022 wegen der Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, da der 35-Jährige Berufung eingelegt hat. Das Landgericht Berlin muss über diese Berufung entscheiden. Es ist auch für die aktuelle Anklage zuständig.
Die «Alex-Wache» wurde im Dezember 2017 eingerichtet. Zuvor war der Alexanderplatz durch eine Reihe von Schlägereien, Messerstechereien und Taschendiebstählen in Verruf geraten. Die Behörden verstärkten deshalb ihre Maßnahmen mit einer eigenen Polizei-Ermittlungsgruppe «Alex», der «Alex-Wache» und einem speziell abgestellten Staatsanwalt. Durch diese Maßnahmen wollen Polizei und Justiz die dort aktiven Tätergruppen besser im Auge behalten sowie schneller und effektiver ermitteln.








