Ein neu entdeckter Asteroid könnte nach aktuellen Berechnungen den Mond treffen. Experten halten einen Einschlag zwar für unwahrscheinlich, doch im Fall der Fälle wäre ein starkes Mondbeben möglich. Welche Folgen hätte das – und besteht auch für die Erde Gefahr?
Asteroid 2024 YR4: Mögliches Einschlagszenario auf dem Mond

Der erst vor wenigen Monaten entdeckte Asteroid 2024 YR4 sorgt derzeit für Aufmerksamkeit in der astronomischen Fachwelt. Berechnungen internationaler Observatorien zeigen, dass der Himmelskörper in den kommenden Jahren in vergleichsweise geringer Distanz am Erde-Mond-System vorbeiziehen wird. Nach aktuellen Modellrechnungen besteht eine geringe, aber nicht völlig auszuschließende Wahrscheinlichkeit, dass der Asteroid den Mond treffen könnte.
Fachleute betonen jedoch: Für die Erde besteht nach derzeitigem Stand keine unmittelbare Gefahr.
Größe und Flugbahn des Asteroiden
Nach ersten Auswertungen wird 2024 YR4 auf einen Durchmesser von mehreren Dutzend Metern geschätzt. Damit zählt er nicht zu den global bedrohlichen Objekten, könnte bei einem Einschlag jedoch regional erhebliche Auswirkungen entfalten.
Die Bahnanalysen basieren auf Teleskopdaten mehrerer internationaler Beobachtungsstationen. Solche Bahnbestimmungen werden kontinuierlich präzisiert, da bereits geringe Messabweichungen große Unterschiede bei langfristigen Prognosen bewirken können. Astronomen rechnen daher damit, dass sich die Einschlagswahrscheinlichkeit mit weiteren Beobachtungen noch verändern kann.
Was würde ein Einschlag auf dem Mond bedeuten?
Sollte der Asteroid tatsächlich auf dem Mond einschlagen, rechnen Forscher mit einem deutlich messbaren Ereignis. Aufgrund der fehlenden Atmosphäre würde der Himmelskörper nahezu ungebremst auf die Mondoberfläche treffen und dort einen neuen Einschlagkrater erzeugen.
Ein solcher Aufprall könnte laut Wissenschaftlern ein sogenanntes Mondbeben auslösen. Diese „Moonquakes“ sind grundsätzlich bekannt – unter anderem wurden sie bereits während der Apollo-Missionen registriert. Ein größerer Impakt könnte jedoch stärkere seismische Wellen verursachen als gewöhnliche thermische Spannungsbeben.
Von einem „Rekordbeben“, wie es teils in populären Berichten genannt wird, sprechen Fachleute allerdings nur vorsichtig. Die tatsächliche Stärke hinge von Größe, Geschwindigkeit und Einschlagswinkel des Asteroiden ab.
Auswirkungen auf die Erde?
Ein Mond-Einschlag hätte für die Erde nach aktuellem Kenntnisstand keine gravierenden direkten Folgen. Zwar könnte ausgeworfenes Material – sogenannter Ejekta – ins All geschleudert werden, doch die Distanz zwischen Erde und Mond ist groß genug, dass größere Trümmerteile mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Erdoberfläche erreichen würden.
Möglich wäre hingegen, dass der Einschlag von der Erde aus als heller Lichtblitz sichtbar wäre – ähnlich wie bei kleineren beobachteten Mondimpakten in der Vergangenheit.
Planetare Verteidigung im Fokus
Der Fall 2024 YR4 verdeutlicht erneut die Bedeutung der sogenannten planetaren Verteidigung. Internationale Programme wie das NASA-Projekt „Planetary Defense Coordination Office“ oder europäische Initiativen zur Asteroidenüberwachung beobachten regelmäßig erdnahe Objekte (Near-Earth Objects, NEOs).
Ziel ist es, potenziell gefährliche Himmelskörper frühzeitig zu identifizieren und ihre Bahnen präzise zu berechnen. Im Ernstfall könnten Abwehrmaßnahmen – etwa durch Bahnablenkung – vorbereitet werden. Der erfolgreiche Test der NASA-Mission DART im Jahr 2022 zeigte erstmals praktisch, dass eine gezielte Kursänderung eines Asteroiden technisch möglich ist.
Ein wissenschaftlich spannendes Szenario
Für die Forschung wäre ein dokumentierter Einschlag auf dem Mond ein bedeutendes Ereignis. Er würde wertvolle Daten über Einschlagsdynamik, Kraterbildung und seismische Prozesse liefern. Moderne Mondsonden könnten die Entstehung eines neuen Kraters detailliert erfassen.
Gleichzeitig mahnen Experten zur Sachlichkeit: Die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Treffers ist nach derzeitigem Stand gering, und selbst bei einem Einschlag wären keine unmittelbaren Gefahren für die Erde zu erwarten.
Asteroid 2024 YR4 ist ein weiteres Beispiel dafür, wie aufmerksam die internationale Wissenschaftsgemeinschaft erdnahe Objekte beobachtet. Ein möglicher Einschlag auf dem Mond wäre spektakulär, aber für die Erde ungefährlich. Entscheidend bleiben fortlaufende Beobachtungen – denn erst mit präziseren Daten lässt sich das Risiko verlässlich bewerten.








