In Tierparks gibt es immer mehr betagte Tiere und zu wenig Platz für Nachwuchs. Forscher halten mehr gezielte Tötungen für nötig.
Auch Zoos haben ein Problem mit Überalterung

Laut einer Studie haben nicht nur Gesellschaften, sondern auch Zoos Probleme mit Überalterung. Das gefährdet die Erhaltung bedrohter Arten, warnt das Team um Marcus Clauss von der Universität Zürich. Gezielte Tötungen sind erforderlich, um Platz für Jungtiere zu schaffen und somit die Fortpflanzung zu gewährleisten.
«Wenn ich permanent neue Gehege bauen könnte, wäre diese Maßnahme vermutlich nicht nötig», sagte Clauss der Deutschen Presse-Agentur. «Aber wenn ich in einer Welt mit begrenzten Gehegeplätzen alle Tiere bis ins hohe Alter halte, habe ich keinen Platz für die nächste Generation.»
Durchschnittsalter steigt seit Jahrzehnten
Die Forscher haben 774 Säugetierpopulationen von Huftieren über Primaten bis zu Raubtieren in europäischen und nordamerikanischen Zoos über einen Zeitraum von 53 Jahren untersucht. In allen Arten stellten sie einen Anstieg von Populationen mit mehr älteren als jüngeren Tieren fest. Das Durchschnittsalter ist kontinuierlich angestiegen. Der Anteil reproduzierender Weibchen ist in Europa bei 69 Prozent und in Nordamerika bei 49 Prozent der in Zoos gehaltenen Arten gesunken.
Eine alternde Population sei weniger widerstandsfähig etwa gegenüber Tierseuchen, warnen die Experten. Kleinere Gruppen mit weniger als 150 Tieren und wenig Fortpflanzung könnten bei einem Ausbruch ganz verschwinden. «Die Gefahr ist nicht, dass in zehn Jahren alle Zoo-Tiere weg sind», sagte Clauss. «Aber der Trend ist so auffällig, dass man eine neue Strategie braucht.»
Akzeptanz in der Bevölkerung ist ein Problem
Es müsse mehr getan werden, damit gezielte Tötungen zum Wohl der nächsten Generation gesellschaftlich akzeptiert würden. «Die Zahlen zeigen, dass diese Option nicht oft genug gewählt wird», so Clauss. In Deutschland gab es im Sommer 2025 zum Beispiel Proteste, weil im Tiergarten Nürnberg zwölf Paviane wegen Platzmangels getötet wurden.
Erste Wahl sei es immer, ältere Tiere anderswo zu platzieren, aber die Zahl der Plätze sei begrenzt, teilte der Zoo Zürich mit. Deshalb seien gezielte Tötungen nötig. «Tötungen erfolgen immer gesetzeskonform, tierwohlgerecht und nach gründlicher Prüfung aller Optionen.»








