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Bootsunfall auf Gardasee – Gericht bestätigt Haftstrafen

Vor zweieinhalb Jahren fahren zwei Deutsche mit einem Luxus-Motorboot auf dem Gardasee ein italienisches Pärchen tot. Sie werden verurteilt und gehen in Berufung. Ein Gericht bestätigt nun die Haftstrafen.

Italienische Forensiker begutachten den Schaden an dem Holzboot.
Foto: Gabriele Strada/AP/dpa

Das Berufungsgericht in Brescia hat die Haftstrafen für die zwei angeklagten Deutschen im Berufungsprozess nach dem tödlichen Bootsunfall auf dem Gardasee in Italien bestätigt. Laut dem italienischen öffentlich-rechtlichen Sender Rai hat das Gericht die von der Verteidigung geforderten Strafmilderungen für die beiden Männer aus Bayern abgelehnt. Die Deutschen wurden 2022 in erster Instanz zu Haftstrafen von viereinhalb Jahren beziehungsweise zwei Jahren und elf Monaten verurteilt.

Am 19. Juni 2021 kollidierten die beiden Deutschen auf dem bei Urlaubern beliebten Gardasee im Norden Italiens mit ihrem Luxus-Motorboot in der Nähe von Salò mit dem Holzboot eines italienischen Pärchens aus der Umgebung. Umberto Garzarella (37) und seine Freundin Greta Nedrotti (25) verloren dabei ihr Leben. Nachdem die beiden Männer in erster Instanz verurteilt wurden, legten sie Berufung ein.

Was ist damals passiert?

Im damaligen Prozess behaupteten die Deutschen, in der Nacht nicht bemerkt zu haben, dass sie mit einem Boot kollidiert waren. Anstatt dessen gingen sie davon aus, dass es sich um Treibgut handelte. Später gab es jedoch Zweifel an dieser Darstellung. Es kursierten Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen zu sehen war, wie der Bootslenker nach dem Unfall ins Wasser fiel und dann torkelnd an Land ging. Die Vermutung lautete, dass die beiden Männer aus Bayern betrunken gewesen sein sollen.

Im abgeschlossenen Berufungsprozess wurde erneut festgestellt, was sich tatsächlich in der Sommernacht im Juni 2021 ereignet hat. Die Staatsanwaltschaft befürwortete die Bestätigung der Urteile von 2022. Laut Medienberichten widersprachen die Anwälte der Deutschen.

Kommt eine neue Berufung?

Das italienische Rechtssystem hat drei Instanzen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Anwälte der Deutschen erneut Berufung einlegen werden. Laut italienischen Medienberichten konnte der Bootslenker bereits wenige Monate nach der ersten Verurteilung im März 2022 den Hausarrest verlassen und wurde freigelassen. Es ist noch unklar, ob und wann die Verurteilten ihre Haft antreten müssen. Die Anwälte haben sich auf Anfrage der dpa zunächst nicht geäußert.

Einer der beiden Angeklagten bat die Angehörigen der Todesopfer am Freitag um Verzeihung. «Was passiert ist, war eine schreckliche Tragödie, und es gibt kein Zurück», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Ansa aus dem Gerichtssaal. «Wir haben auch zwei Kinder, und der Verlust eines Kindes ist unverzeihlich.» Er wisse, dass sie diese Entschuldigung nicht annehmen könnten, «aber vielleicht kann das in der Zukunft passieren».

Der Vorfall sorgte in Italien für große Bestürzung und hatte auch rechtliche Konsequenzen zur Folge. Im vergangenen Jahr hat Italien das Gesetz für derartige Verbrechen verschärft. Die vom Parlament gebilligte Regelung sieht vor, dass Unfälle auf dem Wasser genauso behandelt werden wie Unfälle auf der Straße. Für fahrlässige Tötung in der Seeschifffahrt ist nun eine Höchststrafe von sieben Jahren möglich. Bei Fahrerflucht und Trunkenheit drohen bis zu 18 Jahre.

dpa