Es ist eine Tragödie mit schrecklichen Details: Eine junge Familie kommt zu Hause im Feuer um. Erste Erkenntnisse deuten auf Brandstiftung hin. Nach den Tätern wird gefahndet.
Brandstiftung in Solingen mit vier Toten – Fahndung läuft

Nach dem mutmaßlich vorsätzlich gelegten Feuer in einem Solinger Mehrfamilienhaus, bei dem eine junge Familie getötet wurde, ist die Suche nach den Tätern angelaufen. Zur Klärung des Großbrands hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal auch die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Ein Hinweis-Telefon und ein Online-Portal wurden freigeschaltet. Ein Tatverdacht gegen eine konkrete Person bestand nach Angaben der Staatsanwalt zufolge zunächst nicht. Auch Anhaltspunkte für ein «fremdenfeindliches Motiv» lägen nicht vor.
Am Mittwoch präsentierte die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse eines vorläufigen Gutachtens von Brandsachverständigen zu dem verheerenden Feuer vom Montag. Laut den Ermittlern handelt es sich um vorsätzliche Brandstiftung. Im hölzernen Treppenhaus wurden eindeutig Reste eines Brandbeschleunigers festgestellt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Nun wird wegen Mordes oder versuchten Mordes ermittelt.
Eltern und zwei kleine Kinder tot
Bei dem Vorfall in der Nacht von Montag auf Dienstag konnte eine Familie, die wahrscheinlich aus Bulgarien stammte, nicht mehr aus dem Dachgeschoss entkommen. Die Eltern im Alter von 28 und 29 Jahren kamen zusammen mit ihrem knapp drei Jahre alten Kleinkind und einem erst fünf Monate alten Säugling ums Leben. Die Leiche des Babys wurde erst Stunden später im stark ausgebrannten Dachgeschoss entdeckt.
Eine Flucht über das Holz-Treppenhaus war nicht mehr möglich, die Flammen hatten sich aufgrund der hölzernen Konstruktion und des entstehenden Kamineffektes binnen weniger Minuten bis ins Dach gefressen. Beim Eintreffen der Feuerwehr hatte das Holz-Treppenhaus bereits lichterloh gebrannt.
Bewohner sprangen in Todesangst auf die Straße
Die Bewohner sprangen in Todesangst aus dem brennenden Altbau, der etwa 100 Jahre alt ist, auf die Straße. Mieter aus dem dritten Stock erlitten schwerwiegende Verletzungen durch das Feuer und den Sprung auf die Straße, so die Staatsanwaltschaft. Die Stadt Solingen gab bekannt, dass es sich um drei Schwerverletzte handelt. Fünf weitere Personen aus den unteren Stockwerken wurden ebenfalls verletzt, jedoch weniger schwer, so die Staatsanwaltschaft.
Das verheerende Feuer hatte bei vielen Solingern schreckliche Erinnerungen hervorgerufen: Im Mai 1993 wurden bei einem nächtlichen Brandanschlag mit rechtsextremem Hintergrund fünf türkischstämmige Frauen und Mädchen ermordet. Auch dabei war Brandbeschleuniger eingesetzt worden. Der Solinger Anschlag markierte damals den Tiefpunkt einer Welle rassistischer Angriffe auf Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland.








