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Politprominenz tanzt und diskutiert auf dem Bundespresseball

Gesundheitsminister entspannt bei möglichem Kiffen, AfD nicht eingeladen, Diskussionen über Demokratie und Extremismus, kritische Stimmen zur Veranstaltung.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier tanzt mit seiner Ehefra Elke Büdenbender den offiziellen Eröffnungswalzer.
Foto: Monika Skolimowska/dpa POOL/dpa

Auch wenn die meisten Gäste beim 71. Bundespresseball in Berlin aus der etablierten Politik und den Medien stammten, wollte das Hotel Adlon wohl sichergehen. «No Cannabis. Thank you», stand groß und deutlich auf einem Schild am Eingang zu einer Raucher-Terrasse.

Der zuständige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kommentierte denn auch ein mögliches Kiffen in verborgenen Ecken des Balls ganz entspannt: «Das würde mich schon wundern, wenn wir hier so weit wären. Aber erzürnen würde es mich nicht.» Zumindest in den ersten Stunden des Events war auch nichts Entsprechendes zu entdecken.

Ansonsten bemühte sich der Bundespresseball, politischer als früher zu wirken. Das Motto lautete: «Für die Pressefreiheit. Demokratie schützen». In den Eröffnungsreden ging es um den Kampf für Demokratie und gegen Extremisten. Die AfD wurde vom Veranstalterverein Bundespressekonferenz, dem Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, bewusst nicht eingeladen – weil sie nicht für Pressefreiheit und damit auch nicht für die Demokratie stehe.

Politik-Prominenz

Der bekannteste unter den rund 2200 Gästen aus Medien, Politik und Wirtschaft war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der mit seiner Frau erschien und später am Abend den offiziellen Eröffnungswalzer tanzte. Aus der Bundesregierung waren unter anderem Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Familienministerin Lisa Paus (Grüne) und Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit seiner neuen Freundin anwesend.

Lauterbach gab auf dem roten Teppich zu: «Alles was ich heute trage, der Smoking, das Hemd, die Fliege, die Manschettenknöpfe, alles ist nur in Kreuzberg geliehen, nichts ist besessen.» Prompt sagte seine Freundin: «Aber ich finde, es steht ihm gut. Er sollte das öfter machen.» Erwiderung Lauterbach: «Das wird nicht stattfinden.»

Die Politik war auch vertreten mit Ball-Stammgästen wie Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz und der Grünen-Vorsitzenden Ricarda Lang. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und seine Freundin, Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (beide CDU), waren zum ersten Mal anwesend. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatten abgesagt.

Die Absage an die AfD wurde von Kubicki kritisiert. «Halte ich für einen Fehler. Die sind Mitglied des Deutschen Bundestags. Wenn sie nicht kommen, ist es gut. Aber das ist kein guter Stil. Das muss der Veranstalter aber selbst entscheiden.» Andere verstanden es gut.

Collien Ulmen-Fernandes hält Eröffnungsrede

Die Schauspielerin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, die neben dem Bundespräsidenten saß, trotz Abendkleid-Gebot für die Frauen eine silberne Glitzerhose in doppelter Übergröße trug und die Eröffnungsrede im Ballsaal hielt, lobte das Motto zur Demokratie als gut gewählt. «Das ist natürlich enorm wichtig, Demokratie stärken. Ich habe eben mit Eckart von Hirschhausen gesprochen, der sagte, es gebe zwei Feinde der Demokratie: Diejenigen, die sie nicht achten und diejenigen, die sie für selbstverständlich halten.»

Ulmen-Fernandes, die familiäre Wurzeln in verschiedenen Ländern hat, sagte, sie sei nach einem Bekenntnis gegen Rechtsextremismus auf einem «Stern»-Titelbild massiv angefeindet worden. «Ich hatte 2000 Hassnachrichten und habe sehr viel diskutiert über dieses Thema.» Trotzdem sei sie bei der Ausladung der AfD hin- und hergerissen. Ebenso bei der Debatte um ein Verbot. «Ich bin nicht ganz so sicher, ob das der richtige Weg ist.» Entscheidend sei aber, Themen wie Rassismus und Intoleranz mit aller Macht aufzuhalten.

Für den Abend waren nicht nur Asia-Food, afrikanische Speisen, Lamm, Fisch, Maultaschen, Raclette und Currywurst angekündigt, sondern auch die Auftritte des Zauberweltmeisters Marc Weide. Verschiedene Bands sorgten für die Musik. DJ Noah Becker, der Sohn des ehemaligen Tennisstars Boris Becker, sollte kurz vor und nach Mitternacht auflegen. Die wildeste Party wurde wie immer in der engen Raucherbar erwartet. Ansonsten schlenderten die Gäste zwischen den Bars und den Sponsorenständen, an denen sich auch freundliche Leibwächter des Bundeskriminalamts (BKA) mit den Gästen fotografieren ließen.

Der Deutsche Taxiverband kritisierte die Ball-Veranstalter deutlich, da sie Uber als Sponsor wählten und Gäste mit dessen Wagen nach Hause brachten anstatt Taxis zu nutzen.

Hoffnung hegte die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang für den weiteren Verlauf der Nacht und das Thema Cannabis-Rauchen. «Ich weiß nicht, ob das hier so dazu passt, aber wenn ja, wäre es sicher ein lustiger Anblick», sagte Lang laut lachend. «Vielleicht überrascht uns ja Friedrich Merz hier heute Abend noch. Aber vermutlich nicht.»

dpa