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Dänemarks laufender Langzeit-Kronprinz wird König

Dänemark steht der erste Thronwechsel seit genau 52 Jahren bevor. Kronprinz Frederik, der künftig als Frederik X. an der Spitze des Königreichs stehen wird, punktet bei seinen Landsleuten mit Volksnähe und Sportlergeist.

Kronprinz Frederik von Dänemark und Kronprinzessin Mary im September 2022 bei einem Galabankett in Schloss Christiansborg.
Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix/AP/dpa

Als Dänemark zum letzten Mal einen Thronwechsel erlebte, war die Welt noch anders: Anstelle des Ukraine- und Gazakriegs war der Vietnamkrieg von Bedeutung, die Situation in Nordirland verschärfte sich, und die Bundesrepublik und die DDR blieben noch für viele Jahre durch eine Mauer voneinander getrennte Staaten.

König Frederik IX. verstarb damals im Staat Dänemark nach 25 Jahren Regentschaft. Am 14. Januar 1972 wurde seine erst 31-jährige Tochter Margrethe seine Nachfolgerin auf dem Thron. Zu dieser Zeit hatte sie zwei kleine Söhne: den dreijährigen Frederik und den zwei Jahre alten Joachim. Seitdem leitet Königin Margrethe II. mit Hingabe, Humor und auch der einen oder anderen Zigarette in der Hand Deutschlands nördlichen Nachbarn.

Ganze 52 Jahre später wird der ältere von Margrethes Söhnen nun ihr Thronerbe antreten. Kronprinz Frederik wird an diesem Sonntag neuer König von Dänemark, nachdem Margrethe am Silvesterabend zur großen Überraschung des dänischen Volkes ihre Abdankung angekündigt hatte. «Am 14. Januar 2024 – 52 Jahre nachdem ich meinen geliebten Vater beerbte – werde ich als Königin von Dänemark zurücktreten. Ich werde den Thron an meinen Sohn Kronprinz Frederik, übergeben», hatte die Monarchin in ihrer Neujahrsansprache verkündet.

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Historische Sätze einer pragmatischen Monarchin

Diese historischen Aussagen hatten einen größeren Einfluss, als jeder Silvesterböller, wenige Stunden vor dem Jahreswechsel. Im Königreich Dänemark gibt es normalerweise keine Abdankung, seit fast 900 Jahren hat niemand dort freiwillig auf den Thron verzichtet. Auch Margrethe hatte immer wieder betont, dass sie bis zum Tod auf dem Thron bleiben möchte.

«Sie hat immer gesagt: Ich bleibe, bis ich sterbe», sagt die dänische Botschafterin in Berlin, Susanne Hyldelund. «Die Ankündigung hat mich wie viele andere Dänen schon emotional berührt.» In der Tat haben Millionen Däninnen und Dänen Zeit ihres Lebens nur ein Staatsoberhaupt ihres Königreiches erlebt – die Königin eben.

Margrethe bewies jedoch erneut ihren Pragmatismus und ihren eigenen Willen bei der Ankündigung: Eine größere Rückenoperation im Februar 2023 führte nicht nur dazu, dass die Königin das Rauchen aufgab. Sie gab an, dass sie durch die Operation auch zum Nachdenken angeregt wurde, ob es nicht an der Zeit sei, die Verantwortung an die nächste Generation weiterzugeben. Ihr Entschluss: Ja, so ist es.

Am Sonntag beendet Margrethe nun, wie angekündigt, ihre Herrschaft. Bei einem Treffen mit der dänischen Regierung wird sie am frühen Nachmittag ihre Abdankung unterschreiben – zu diesem Zeitpunkt wird der Thronwechsel offiziell durchgeführt. Um 15.00 Uhr wird der neue König Frederik X. dann von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf dem Balkon von Schloss Christiansborg als neuer Monarch verkündet.

52 Jahre Vorbereitung

Dänemark bekommt einen neuen König, der seit 52 Jahren eine Art Langzeit-Kronprinz war. Frederik musste sich in jungen Jahren erst an seine königliche Rolle gewöhnen und hatte lange Zeit Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit und den Erwartungen, die an ihn gestellt wurden.

Er entdeckte seinen Weg durch sportliche Aktivitäten und andere physische Herausforderungen. Dadurch konnte der junge Prinz in der Öffentlichkeit auftreten und gleichzeitig er selbst bleiben. Seinen ersten Marathon absolvierte er im Jahr 1992 in einer beeindruckenden Zeit von drei Stunden und 23 Minuten. Er durchlief die anspruchsvolle Ausbildung zum Kampfschwimmer beim Militär und nahm im Jahr 2000 an einer Schlittenexpedition durch Grönland teil, die knapp 2800 Kilometer lang war.

Frederiks Begeisterung für den Sport hat ihm auch das generell sportbegeisterte dänische Volk nähergebracht. Anlässlich seines 50. Geburtstags hat er den Volkslauf Royal Run ins Leben gerufen, bei dem seitdem jedes Jahr Zehntausende Menschen an verschiedenen Orten in Dänemark starten – selbstverständlich auch Frederik selbst. Die nächste Ausgabe findet am 20. Mai statt – dann nicht mehr mit Frederik als Kronprinz im Teilnehmerfeld, sondern als König.

Frederiks größter Trumpf beim Volk ist jedoch seine Familie, insbesondere seine Frau, Kronprinzessin Mary, die nun Königin sein wird. Er hatte die Australierin während der Olympischen Spiele 2000 in Sydney in einer Bar kennengelernt und vier Jahre später in Kopenhagen geheiratet. Im Jahr 2005 wurde ihr erstes Kind, Prinz Christian, geboren, der nun mit 18 Jahren zum Kronprinzen wird. Es folgten drei weitere Kinder, Isabella (16) und die Zwillinge Vincent und Josephine (beide 13).

Die Kronprinzenfamilie ist bei den Dänen als nah am Volk und beliebt bekannt, und smarte Eltern mit einer süßen Kinderschar. Gelegentlich wurde sogar beobachtet, wie Frederik mit dem Lastenrad unterwegs war, genau wie andere Eltern in Kopenhagen mit ihren Kindern an Bord. Im vergangenen November gab es einen unbestätigten Bericht eines spanischen Mediums über eine angebliche Nacht mit einer Mexikanerin in Madrid, der jedoch keinen Einfluss auf die Beliebtheit der Royals hatte.

Die Kulturfreundin und der Sportsfreund

In vielerlei Hinsicht ist Frederik anders als seine königliche Mutter. «Der Kronprinz ist eher ein Mann des Volkes», berichtet Botschafterin Hyldelund. «Er stellt sehr viele Fragen und ist neugierig, was seine Gesprächspartner zu sagen haben. Diese Nähe zum Volk mag er.» Die Gegensätze zwischen ihm und seiner Mutter sind Frederik durchaus bewusst. «Wir beide haben uns immer ergänzt», sagte er im September 2022 in einer Rede zu Margrethes nachgefeiertem 50. Thronjubiläum.

«Du bist eine Frau. Ich bin ein Mann. Du malst. Ich bewege mich», verglich Frederik. «Du meisterst das Wort. Mir fehlt es daran manchmal. Du stehst auf Klassik, ich auf Rock.» Die Monarchin und sich beschrieb er als ein hervorragendes Team mit einigen gemeinsamen Jahren auf dem Buckel – so vielen, dass sie sich gewiss sein könne, dass er das Schiff schon weitersteuern werde, wenn die Zeit dafür komme. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass er schon 16 Monate später das Ruder an der Spitze des Königreiches übernehmen wird.

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dpa