Nach langem Streit hat ein Runder Tisch auf der Suche nach Lösungen für eine Wisent-Herde im Herbst 2023 Empfehlungen vorgelegt. Aber für das Projekt haben sich die Chancen noch verschlechtert.
Düstere Aussichten für Deutschlands einzige Wisent-Herde

Die Zukunft der einzigen frei lebenden Wisent-Herde in Deutschland und des einst europaweit beachteten Artenschutzprojekts sieht düster aus. Trotz langwieriger Auseinandersetzungen und eines Runden Tisches im vergangenen Herbst gibt es immer noch keine Lösung in Sicht. Die Aussichten für eine Rettung des Projekts haben sich sogar noch verschlechtert.
Die 40 Tiere befinden sich aktuell «in einem neu errichteten, rund 25 Hektar großen Managementgatter auf dem Gebiet der Stadt Bad Berleburg, sodass die Freisetzungsphase zurzeit beendet ist», sagte ein Sprecher des Kreises Siegen-Wittgenstein der Deutschen Presse-Agentur.
Nach anhaltendem Patt hatten die früheren Umweltminister Ursula Heinen Esser (CDU) und Johannes Remmel (Grüne) am Runden Tisch empfohlen, die herumziehende Herde schnellstmöglich einzufangen und auf 20 bis 25 Tiere zu verkleinern – also mehrere Wisente zu Herden an anderen Orten in Europa zu transportieren. Mit der aufwendig vorzubereitenden Umsetzung sei bisher nicht begonnen worden, es liefen auch noch Abstimmungen «mit interessierten anderen Projekten im In- und Ausland», hieß es bei der Kreisverwaltung.
Tiere wurden für «herrenlos» erklärt
Unabhängig davon kam erschwerend hinzu: Der Eigentümer der Grundstücke, über die sich das Wisentgebiet im Kreis Siegen-Wittgenstein erstrecken sollte, hat dem Kreissprecher zufolge inzwischen mitgeteilt, dass seine Flächen unter den gegebenen Umständen für eine Fortführung des Projekts nicht mehr zur Verfügung stehen.
Eine Herde von anfangs acht Tieren wurde im Wittgensteiner Land im Rothaargebirge freigelassen – basierend auf einem Vertrag zwischen dem Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein, dem Kreis Siegen-Wittgenstein und der Bezirksregierung Arnsberg. Die Herde verließ das geplante Projektgebiet und verursachte nach Angaben von Waldbauern erhebliche Schäden an Bäumen.
Streitigkeiten wurden teilweise auch vor Gericht ausgefochten. Im Herbst 2022 erklärte der Trägerverein die Tiere für «herrenlos» – und sich selbst für nicht mehr zuständig. Kreis und Land NRW zeigten sich verärgert, das Aus drohte schon damals.








