Der Klimawandel zeigt sich immer deutlicher. Der Deutsche Wetterdienst ist beunruhigt. Auch 2024 war ein Jahr der Rekorde.
DWD: Klimawandel beschleunigt sich
Der Leiter der DWD-Abteilung Klimaüberwachung, Andreas Becker, gab bei der Vorstellung des Klimastatusberichts bekannt, dass 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der regelmäßigen Messungen in Deutschland, Europa und weltweit gewesen sei. Der Deutsche Wetterdienst beobachtet eine besorgniserregende Beschleunigung des Klimawandels.
Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,9 Grad in Deutschland wurde der bisherige Rekord von 10,6 Grad aus dem Vorjahr erreicht. Wie bereits 2023 gab es auch 2024 einen ungewöhnlich milden Winter und ein mildes Frühjahr. Im Vergleich zum Zeitraum von 1961 bis 2020 war jeder Monat des Jahres besonders warm.
Sommertag schon im April
2024 war jedoch ein Jahr mit überdurchschnittlich viel Niederschlag, etwa 902 Millimeter. Laut Becker waren seit 1881 nur elf Jahre feuchter. Sowohl 2024 als auch das ebenfalls niederschlagsreiche Jahr 2023 haben dem nach vielen trockenen Jahren stark gesunkenen Grundwasserspiegel geholfen.
Der Grundwasserspiegel gerät derzeit durch die trockenen Monate Februar und März erneut unter Druck. „Es ist deutlich zu trocken“, sagte Tobias Fuchs, Leiter der Klima- und Umweltberatung im DWD. Allerdings könne man bisher nicht von einer sich abzeichnenden Dürre sprechen.
2024 gab es mit im Mittel 1.675 Stunden überdurchschnittlich viel Sonnenschein. Der erste Sommertag – mit einer Temperatur über 25 Grad Celsius – wurde bereits am 5. April erreicht. Einen Tag später wurden in Ohlsbach in Baden-Württemberg sogar mehr als 30 Grad Celsius registriert. «So früh im Jahr war es noch nie so heiß», sagte Becker. «Extremtage sind immer häufiger Zahltage für Versäumnisse im Klimaschutz», sagte Becker.
Außerdem waren es 2024 relativ wenige Eistage – also Tage mit einem Höchstwert unter 0 Grad – und Frosttage, also Tage mit einem Mindestwert unter 0 Grad.
Neues Verfahren macht Änderung im Klimawandel sichtbarer
Der Anstieg der Jahresmitteltemperatur habe sich im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt, sagte Becker. «In den letzten 50 Jahren ist der Anstieg so groß wie im gesamten Zeitraum seit 1881», sagte Becker.
Um die Auswirkungen des Klimawandels besser zu visualisieren, hat der DWD die bisherigen statistischen Methoden um das Loess-Verfahren erweitert, das nicht nur von der Weltorganisation für Meteorologie empfohlen wird, sondern auch in Ländern wie Österreich, der Schweiz und den Niederlanden verwendet wird. Experten sind der Meinung, dass es genauer ist, da es sowohl Warmphasen als auch Abkühlungsperioden realistischer darstellt.
Die lineare Regressionsmethode wurde vom DWD durch das nichtlineare Loess-Verfahren ersetzt, da die lineare Methode die beschleunigte Erwärmung und Rekordtemperaturen unterschätzte. Mit dem Loess-Verfahren werden für jeden Zeitpunkt Mittelwerte gebildet, was die Dynamik der Temperatur besser erfasst.
Mit der bisherigen Methode stieg die Temperatur in Deutschland seit 1881 um etwa 1,9 Grad Celsius. Mit der neuen Methode ergibt sich eine Gesamterwärmung von 2,5 Grad seit der frühindustriellen Zeit.