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Erdbeben, Tsunami: Griechenland übt den Ernstfall

Die Mittelmeer-Anrainer sind Erdbeben gewöhnt – doch wie reagiert der Staat, wenn es zum großen Wumms kommt? Das wollen die Griechen mit einer umfassenden Übung auf der Insel Kreta testen.

Eine zerstörte griechisch-orthodoxe Kirche nach dem Erdbeben im September 2021 im Süden der Insel Kreta.
Foto: Harry Nakos/AP/dpa

Das Szenario: Die Stadt Chania auf der Insel Kreta wird von einem starken Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert, und innerhalb von 24 Stunden folgt ein weiteres Erdbeben der Stärke 7,3 in der Stadt Heraklion. Wohnhäuser und Schulen stürzen ein, in der Samaria-Schlucht kommt es zu Erdrutschen, Touristen sitzen fest. Der Tunnel wird geschlossen, Menschen sind in ihren Autos eingeschlossen, es folgt ein Tsunami.

Diese katastrophale Situation zu meistern, gehört zu der großangelegten Übung «Minos», mit der die griechischen Behörden am Montag und Dienstag auf Kreta den Ernstfall proben wollen, wie das Ministerium für Katastrophenschutz mitteilte.

Es gehe vor allem darum, Behörden, Rettern und Helfern, Polizei, Katastrophenschutz und allen anderen Beteiligten vor die größten Herausforderungen zu stellen, sagte Kostas Synolakis, Professor für Naturkatastrophen und Koordinator des Stresstests, in griechischen Medien. «Die Idee ist, dass die Übung scheitern muss, denn es geht darum, herauszufinden, wo der Staatsapparat nicht reagieren kann. Es geht darum, Lücken und Schwächen zu identifizieren.» 

Die griechischen Medien berichteten, dass die Verantwortlichen bei der Vorbereitung auf ein Szenario mit einem eingestürzten Schulgebäude auf etliche Abstimmungslücken gestoßen sind. Beispielsweise wer die Kinder rettet, wer sie ins Krankenhaus transportiert, ob die Verletzten Vorrang bei der Behandlung haben und wer die Eltern informiert.

Das Szenario wurde gut sechs Monate lang vorbereitet, um so real wie möglich zu sein – auch die Bürger sind eingebunden, sie erhalten Warn-SMS-Nachrichten, wie es sie in Griechenland seit mehreren Jahren gibt. Allerdings sind die Nachrichten mit dem Hinweis «Übung» versehen. Dennoch nehmen die meisten Menschen die Warn-SMS sehr ernst – denn auf Kreta bebt die Erde immer wieder.

dpa