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Erneuter Vulkanausbruch auf Island

Die Vorwarnzeit betrug nur 40 Minuten. Dann schossen in Island erneut Lavafontänen aus einer Erdspalte. Die Lava nähert sich nun wieder einer Küstenstadt.

Glühende Lava fließt über eine Straße nach Grindavík.
Foto: Marco Di Marco/AP/dpa

Ein weiterer Vulkanausbruch auf Island: Bereits zum vierten Mal seit Dezember ist in derselben Region Lava aus einer Erdspalte ausgetreten. Die leuchtend rot-orangefarbenen Eruptionen nahe dem Küstenort Grindavík waren sogar von der nur 40 Kilometer nordöstlich gelegenen Hauptstadt Reykjavik aus sichtbar, wie Fotos auf der Website des Senders RUV zeigten. Die Vorwarnphase für den Ausbruch war sehr kurz: Die erste Warnung an das Ministerium für Katastrophenschutz ging nur 40 Minuten vor Beginn der ersten Eruption ein.

Die Blaue Lagune, eine Touristenattraktion, wurde evakuiert, da sich rund 700 Menschen dort befanden. Einige Bewohner von Grindavík, die zurückgekehrt waren, wurden sicherheitshalber wieder evakuiert. Es wurde betont, dass keine Gefahr für Menschen besteht. Nach Auswertung von Luftbildern wird angenommen, dass es sich um die bisher stärkste Eruption handelt.

Wissenschaftler versuchten, von einem Hubschrauber aus ein Bild der Lage zu machen. Der Ausbruch hatte sich erneut mit starker seismischer Aktivität angekündigt. Experten zählten etwa 80 Erschütterungen. Die Länge der aufgebrochenen Erdspalte war Experten zufolge rund 3,5 Kilometer lang. Rettungskräfte beschwerten sich über Touristen, die aus Sensationsgier in die Region aufgebrochen seien.

Lava nähert sich Fernwärmeleitung

Das isländische Wetteramt teilte mit, dass sich der Lavastrom nach verlangsamt habe. Allerdings sei eine Fernwärmeleitung gefährdet, sagte Einar Hjörleifsson vom isländischen Wetteramt dem Sender RUV. «Wenn die Aktivität nicht weiter abnimmt und der Lavastrom nicht aufhört, sollte er in den nächsten Stunden die Leitung erreichen.» Eigens errichtete Deiche würden die Lava aufhalten und umleiten, so dass es bisher keine Gefahr für Menschen gebe.

Während eines Ausbruchs im Februar wurde die Fernwärmeversorgung für über 20.000 Menschen unterbrochen, da Lavaströme Straßen und Pipelines zerstört hatten.

Ein Teil der Lava fließt auch in Richtung der Schutzbarrieren für die bereits im November evakuierte Küstenstadt Grindavík und ist nur noch etwa 200 Meter von ihnen entfernt.

Grindavík befindet sich auf der Reykjanes-Halbinsel etwa 55 Kilometer südwestlich von Reykjavik. Seit Mitte Dezember gab es auf der Halbinsel vier Vulkanausbrüche, wobei bei einem im Januar die Lava sogar drei Häuser am nördlichen Rand des 4000-Einwohner-Ortes erreichte. Die Zukunft der Gemeinde ist unsicher. Die Regierung hat bereits einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der es den Bewohnern ermöglichen soll, ihr Wohneigentum an ein staatliches Unternehmen zu verkaufen. Der Vulkan ist zum ersten Mal am 18. Dezember ausgebrochen, zum zweiten Mal am 14. Januar. Eine dritte, kleinere Eruption wurde am 8. Februar festgestellt.

dpa