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Deutsche Rabea Rogge startet als erste Frau ins Weltall

Die Berlinerin hebt mit «Fram2» zu einer neuen Umlaufbahn ab, um Grenzen zu überwinden und Wissenschaft voranzutreiben.

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Nach zwölf Männern nun eine deutsche Frau im All
Foto: Peter Balicki/melter.ch/dpa

Die Berlinerin Rabea Rogge ist als erste deutsche Frau ins Weltall gestartet. An Bord einer «Dragon»-Kapsel hob Rogge vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab, wie auf Live-Bildern zu sehen war. Der Start erfolgt mit einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk.

«Fram2» – benannt nach einem norwegischen Polarforschungsschiff aus dem 19. Jahrhundert – ist geplant, für etwa vier Tage auf einer neuen Umlaufbahn über den Polarregionen der Erde zu fliegen. Währenddessen werden aus einer Höhe von 425 bis 450 Kilometern unter anderem Himmelsleuchten untersucht, und es könnten die ersten Röntgenbilder von Menschen im Weltall entstehen, so SpaceX. Insgesamt sind laut SpaceX 22 wissenschaftliche Studien geplant.

«Crew ist stark und will Grenzen überwinden»

Für die Mission namens «Fram2» hat erneut ein Milliardär das Unternehmen SpaceX aus privatem Interesse mit der Durchführung eines Allflugs beauftragt. Diesmal war es der in China geborene Malteser Chun Wang, der mit Kryptowährungen reich geworden und auch mit an Bord ist. Rogge hatte den Milliardär einst bei einem Expeditionstraining auf Spitzbergen kennengelernt. Später fragte er sie dann, ob sie bei dem Flug dabei sein wolle.

Teil der Crew sind neben Rogge zudem auch die Filmemacherin Jannicke Mikkelsen aus Norwegen sowie der Polar-Guide Eric Philips aus Australien. Monatelang haben sie sich mit intensivem Training auf die Mission vorbereitet. «Unsere Crew ist stark, unser Training intensiv und unser Ziel ist es, nicht nur Grenzen zu überwinden, sondern auch neue Möglichkeiten für die Raumfahrt und die Wissenschaft zu schaffen», sagte Rogge vorab der Deutschen Presse-Agentur. 

Dritte zivile Crew im All – noch nicht einmal Pilotenschein

Nach «Inspiration4» 2021 und «Polaris Dawn» 2024 – beide ebenfalls von SpaceX durchgeführt – ist es der dritte All-Ausflug mit einer Crew, zu der kein ausgebildeter Astronaut zählt. Noch nicht einmal einen Pilotenschein habe einer von ihnen, so Rogge. «Es geht nun darum, den Weltraumflug zugänglicher zu machen, anstatt ihn als exklusiv zu betrachten. Nur so können wir neue, noch interessantere Weltraummissionen planen und die Grenzen verschieben.»

Gemäß dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gab es bisher zwölf deutsche Männer, jedoch keine deutsche Frau im Weltall. Es gab zwar mehrere Anwärterinnen und Reserve-Raumfahrerinnen, aber bisher ist noch keine Frau tatsächlich geflogen.

Fünf Frauen gleichzeitig im All 

Während der Mission werden fünf Frauen gleichzeitig im All sein: Rogge und Mikkelsen bei «Fram2» sowie auf der Internationalen Raumstation ISS die US-Astronautinnen Anne McClain und Nichole Ayers sowie Wang Haoze auf der chinesischen Station «Tiangong» (Himmelspalast). 

Als erste Frau war Valentina Tereschkowa am 16. Juni 1963 mit dem Raumschiff «Wostok 6» ins All geflogen. Für ihren fast dreitägigen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit gilt die Russin, Funkname «Tschaika» (Möwe), in Moskau heute als lebende Legende. Die Sowjetunion feierte im kosmischen Wettlauf gegen die USA damals einen Triumph.

Im Gepäck: Lilienthal-Medaille, Freiheitsglocke, Kamera

Die 29-jährige Rogge ist bei der «Fram2»-Mission offiziell als wissenschaftliche Spezialistin dabei. Sie hat an der ETH Zürich Elektrotechnik und Informationstechnologie studiert. Für ihre Doktorarbeit wechselte sie an die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens.

Rogge hat unter anderem eine Gedenkmedaille an Flugpionier Otto Lilienthal (1848-1896) und eine kleine Nachbildung der Freiheitsglocke im Rathaus in Berlin-Schöneberg – dem Bezirk, in dem sie geboren wurde, ins All mitgenommen. Außerdem hat sie eine analoge Kamera dabei: «Ich bin gespannt, wie die Filme herauskommen werden.»

«Wir wollen mit der Mission Pioniergeist aufzeigen, Neugier wecken und Technologie-Innovation demonstrieren», sagte Rogge vorab. «Ich finde es wirklich ermutigend zu sehen, wie weit wir als Menschheit gekommen sind – wenn es möglich ist, autonome Raumschiffe zu bauen, sollte doch eigentlich alles möglich sein.»

dpa