Wissenschaftler erproben eine innovative Methode, um die schmelzende Eisdecke der Arktis zu stabilisieren. Mit Hilfe von Meerwasser, das bei extremen Temperaturen gefriert, wächst das Eis um bis zu 50 Zentimeter und könnte den Klimawandel vorübergehend bremsen.
Erste Erfolge in der Eisproduktion: Forscher arbeiten an der Wiederherstellung der Arktis

Im Winter wurden 50.000 Tonnen Meerwasser in die Arktis gepumpt, um das schmelzende Eis zu stabilisieren. Dieses innovative Projekt könnte eine vielversprechende Lösung zur Bekämpfung der Eisschmelze darstellen.
Experimentelle Eisbildung in Kanada
Andrea Ceccolini, ein Forscher der Firma Real Ice, steht an der Küste von Cambridge Bay in Kanada und zeigt auf die deutliche Trennung zwischen blauem Schmelzwasser und strahlend weißem Eis. „Das ist wirklich unglaublich“, äußert Ceccolini. Das Experiment wurde mit Unterstützung der britischen Regierung durchgeführt. Bei extrem kalten Temperaturen von minus 40 Grad Celsius fror das gepumpte Wasser sofort und führte zu einem Anstieg der Eisdecke um etwa 50 Zentimeter.
Langfristige Auswirkungen auf die Arktis
Die Arktis hat in den letzten 45 Jahren etwa 40 Prozent ihrer sommerlichen Eisfläche verloren. Wissenschaftler warnen vor der Möglichkeit, dass in den kommenden zehn Jahren der erste eisfreie Septembertag in der Region eintreten könnte. Die zusätzliche Eisschicht könnte die Schmelze vorübergehend verlangsamen. Satellitenbilder verdeutlichen, wie die Testfläche als weiße Insel in einer zunehmend blauen Wasserlandschaft erscheint.
Einheimische und Klimawandel
Im Territorium Nunavut, wo etwa 83 Prozent der Bevölkerung Inuit sind, hat der Klimawandel spürbare Auswirkungen. Kyle Weese (34) erläutert: „Für uns ist das Eis überlebenswichtig. Es wird für Transport, Fischfang und die Jagd genutzt. Die Veränderungen sind dramatisch; das Eis friert langsamer und schmilzt schneller.“
Innovative Technologien für die Zukunft
Real Ice prüft die Möglichkeit, die Methode auf größere Flächen auszudehnen. Statt Menschen auf das Eis zu schicken, plant das Unternehmen den Einsatz autonomer Unterwasser-Drohnen, deren erster Prototyp bereits in Finnland getestet wurde. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich möglicher Umweltrisiken, und Kritiker warnen, dass diese Art von Geo-Engineering von der dringenden Notwendigkeit ablenken könnte, die CO₂-Emissionen drastisch zu reduzieren.
Professor Shaun Fitzgerald von der University of Cambridge betont: „Weitere Forschung in der Arktis ist entscheidend. Es wäre genau das Richtige.“ Ceccolini bekräftigt: „Wir müssen die zentralen Fragen klären: Ist unsere Methode wirksam, gibt es ungewollte Nebenwirkungen, und kann sie wirtschaftlich umgesetzt werden?“
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