Tim Andrews überlebt neun Monate mit einer transplantierten Niere von einem Minischwein, was einen bedeutenden Fortschritt in der Xenotransplantation darstellt. Nach Komplikationen erhält er schließlich eine menschliche Spenderniere, die gut angenommen wird.
Erstmalige Xenotransplantation: US-Amerikaner überlebt mit Niere von Minischwein

Ein bemerkenswerter Fortschritt in der medizinischen Forschung zeigt sich in dem Fall von Tim Andrews, einem US-Bürger, der an einer schweren Nierenerkrankung litt und keine Möglichkeit hatte, eine menschliche Spenderniere zu erhalten. Die behandelnden Ärzte entschieden sich, ihm eine Niere von einem genetisch modifizierten Minischwein zu transplantieren, was ihm ermöglichte, neun Monate lang zu überleben.
Obwohl das Organ letztlich aufgrund von Komplikationen entfernt werden musste, markiert diese Transplantation einen bedeutenden Erfolg. Andrews war zuvor 82 Tage auf Dialyse angewiesen, bevor er schließlich eine menschliche Niere erhielt, die sein Körper gut annahm.
Die Forschungseinrichtung Mass General Brigham in Boston gab an, dass dies der erste Fall ist, in dem eine Niere von einem Schwein die Wartezeit auf ein menschliches Organ überbrückt hat. Die Entscheidung zur Xenotransplantation fiel, da Andrews aufgrund einer langen Warteliste keine Chance auf eine menschliche Spenderniere hatte.
Details zur Transplantation
Tim Andrews, 66 Jahre alt, erhielt im Januar 2025 die transplantierte Schweineniere. Dieses Organ stammte von einem speziell gezüchteten Minischwein, dessen genetisches Material so verändert wurde, dass die Abstoßung durch das menschliche Immunsystem verringert werden konnte. Trotz dieser Vorkehrungen kam es 14 Tage nach der Transplantation zu einer leichten Abstoßungsreaktion.
Nach einem Zeitraum von drei Monaten reduzierten die Ärzte die immunsuppressiven Medikamente. Sechs Monate nach der Transplantation traten jedoch Gefäßschäden an der Niere auf, die eine chirurgische Intervention erforderlich machten. Nach rund 220 Tagen führte eine bakterielle Infektion zu weiteren Komplikationen, die schließlich zum Versagen der Niere nach 271 Tagen führten.
Erhalt einer menschlichen Niere
Nach der Entfernung der Schweineniere war Andrews für 82 Tage auf Dialyse angewiesen. Im Januar 2026 erhielt er dann eine menschliche Spenderniere, die er gut akzeptierte. Sechs Monate nach dieser Transplantation zeigten sich keinerlei Anzeichen einer Abstoßung, was darauf hindeutet, dass die vorangegangene Xenotransplantation die anschließende menschliche Transplantation nicht negativ beeinflusste.
Die Forscher hoben hervor, dass während des gesamten Prozesses keine Übertragung von Erregern vom Schwein auf den Menschen festgestellt wurde. Dies verdeutlicht das Potenzial der Xenotransplantation als Überbrückungsmaßnahme für Patienten, die auf eine menschliche Niere warten.
Forschungsimpulse und Ausblick
Die Ergebnisse dieser Studie könnten entscheidende Impulse für die künftige Forschung zur Xenotransplantation liefern. Joachim Denner von der Freien Universität Berlin, der nicht an der Studie beteiligt war, merkte an, dass intensivere Immunsuppressionsstrategien in der frühen Phase nach der Transplantation notwendig sein könnten.
Moritz Schmelzle von der Medizinischen Hochschule Hannover betonte, dass die Xenotransplantation aufgrund der großen Anzahl an Patienten mit fortgeschrittenen Nierenerkrankungen eine vielversprechende Therapieoption darstellen könnte. Angesichts der langen Wartezeiten auf menschliche Spenderorgane könnte diese Methode eine wertvolle Alternative für ausgewählte Patienten darstellen.
Quellen: Focus, RTL
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