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Experten fordern mehr Schutz von Böden

Gesunde Böden sind unverzichtbar für ein funktionierendes Ökosystem. Ihr weltweiter Zustand lässt Experten zufolge aber zu wünschen übrig. Ein Aspekt wirkt demnach besonders schwer.

Der Schutz der Böden sollte stärker in den Fokus rücken.
Foto: Daniel Vogl/dpa

Böden können große Mengen Kohlenstoff speichern, sie reinigen Wasser, sind wichtiger Nährstofflieferant für Pflanzen und unerlässlich für die Ernährung der Weltbevölkerung. Damit diese wichtigen Funktionen erhalten bleiben, muss ihr Schutz Experten zufolge dringend vorangetrieben werden. Durch Flächenversiegelungen, intensive Landwirtschaft und Klimawandel seien viele Böden in einem schlechten Zustand, heißt es im in Berlin vorgestellten «Bodenatlas».

Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der TMG Think Tank for Sustainability sind die Herausgeber. Jährlich veröffentlichen die Stiftung und der BUND einen Atlas zu einem spezifischen Thema, der dazu dient, Wissen zu vermitteln.

Es gehen täglich 55 Hektar Boden verloren

Nach Angaben der Herausgeber gelten allein in der Europäischen Union insgesamt mehr als 60 Prozent der Böden als geschädigt. Imme Scholz, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung, erklärte in Berlin, dass 50 bis 80 Prozent der Böden weltweit ihren Humusgehalt verloren haben. Humus bezeichnet die fein zersetzte organische Substanz in Böden, die die Bodenqualität beeinflusst, Nährstoffe bereitstellt und die Bodenstruktur fördert.

Laut Olaf Bandt, dem Vorsitzenden des BUND, könnten pro Hektar bis zu 15 Tonnen Kleinlebewesen im Boden vorhanden sein. Die Artenvielfalt ist enorm. Besonders bedenklich ist, dass in Deutschland täglich 55 Hektar Land für den Bau von Siedlungen oder Verkehrsflächen verloren gehen. Das entspricht etwas mehr als der Fläche der Vatikanstadt. Laut Bandt sind landwirtschaftliche Böden, Waldböden und Naturschutzböden betroffen.

Durch die Bebauung könnten Böden kein Wasser mehr aufnehmen oder atmen, wodurch die biologische Vielfalt schwinde und die Anfälligkeit für Hochwasser und Dürren steige. Das kann laut Scholz verheerende Folgen haben, wie derzeit an der Hochwasserkatastrophe in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu sehen sei. Zwar habe die Umwandlung von fruchtbarem Boden in Siedlungs- und Strukturfläche seit der Veröffentlichung des vorherigen «Bodenatlas» im Jahr 2015 abgenommen, sagte Jes Weigelt, stellvertretender Geschäftsführer des Think Tank. Trotzdem sei die Zahl neuversiegelter Flächen immer noch «deutlich zu hoch».

Wüstenbildung weit verbreitet

Kritisch zu sehen ist laut «Bodenatlas» auch die Bildung von Wüsten. Davon spricht man, wenn Böden so geschädigt sind, dass sie ihre Funktionen schlechter oder gar nicht mehr erfüllen können. «13 Mitgliedstaaten der EU geben mittlerweile an, von Wüstenbildung betroffen zu sein», sagte Scholz. Das seien nicht nur Länder im Mittelmeerraum, sondern auch Länder wie Ungarn oder Bulgarien.

Böden können Experten zufolge mehr Kohlenstoff speichern als Wälder und sind wichtiger Lebensraum für viele Tiere. Mindestens ein Viertel aller Lebewesen der Erde bewohnen Böden, wie im «Bodenatlas» erklärt wird. «Böden sind lebenswichtig für die Anpassung an den Klimawandel», sagte Scholz. Demnach nehmen gesunde Böden mit einer ausgeglichenen Porenstruktur Wasser wie ein Schwamm Wasser auf und geben es bei Bedarf wieder ab. «Wesentlich ist, dass die Böden durch die Landwirtschaft geschont werden, damit sie diese Funktion erfüllen können.»

Bandt nennt den Anbau von Zwischenfrüchten, den Verzicht auf Pestizide und das Pflanzen von Hecken als Beispiele für effektiven Bodenschutz in der Landwirtschaft. Diese Maßnahmen schützen Ackerflächen vor Erosion, also dem Verlust von Boden durch Wind oder Wasser, und fördern die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten. Die Herausgeber des Atlas fordern, dass Boden genauso wie Wasser und Luft gesetzlich geschützt wird. Außerdem wird auf europäischer Ebene ein eigenständiges Bodenschutzgesetz benötigt.

dpa